Stuhl - Beobachtung

Defäkationsfrequenz

-         Physiologisch

o       Beim Erwachsenen: 1-2x täglich bis 3-4x wöchentlich

o       Bei Kindern und Säuglingen eher häufiger

-         Pathologisch

o       Obstipation / Verstopfung – alle 2-3 Tage oder seltener

o       Diarrhoe / Durchfall – bis zu 30 Defäkationen am Tag

o       Stuhlinkontinenz – Unvermögen die Defäkation willkürlich zu steuern


Farbveränderungen des Stuhls

-         Physiologische Veränderungen

o       Braun bis schwarz wird der Stuhl durch überwiegende Fleischernährung, durch Kohle, Rotwein, Blaubeeren, Spinat

o       Grünbraun wird der Stuhl durch chlorophyllhaltige Kost

o       Rotbraun wird der Stuhl durch den Genuss von Roter Beete

o       Gelbbraun wird der Stuhl durch stärkereiche Kost, Brot, Kartoffeln, Nudeln

o       Gelbweiß wird der Stuhl bei ausschließlicher Milchdiät

-         Veränderungen durch Medikamente

o       Schwarz durch Kohle, Eisenpräparate

o       Weiß durch Röntgenkontrastmittel

-         Pathologische Veränderungen

o       Teerstuhl / Melaena – teerartig schwarz

§         Bei Blutungen aus dem oberen Verdauungstrakt

§         Ösophagusvarizen, Magengeschwür, Karzinom

§         Das Blut wird durch die Salzsäure zersetzt und das frei werdende Eisen färbt den Stuhl schwarz

o       Hellrote, blutige Stuhlauflagen

§         Bei Blutungen im Enddarm, Hämorrhoiden, Fissuren, Tumoren im Colon, Rektum oder Analbereich

o       Rotbraun bis dunkelrot

§         Bei Blutungen im oberen Dickdarmbereich

§         Colitis ulcerosa

o       Rotbraun marmoriert

§         Bei Blutungen im unteren Dickdarmbereich

o       Gelb – Hellbraun

§         Bei Diarrhö

o       Grün

§         Bei schweren Formen der Diarrhö, infektiöse Gastroenteritis bei Säuglingen

o       Hell, fettig glänzend

§         Maldigestion, durch ungespaltenes Fett

§         Insuffizienz der Pankreas

o       Entfärbt, hell

§         Lehmstuhl, Tonstuhl, Acholie

§         Fehlen des Gallenfarbstoffes durch Behinderungen des Gallenabflusses, Pankreastumore, Hepatitis

o       Grünlich-ockerfarben

§         Ernährungsstörungen bei Säuglingen (Infektionen, Nahrungsunverträglichkeiten)


Menge und Gewicht

-         Physiologisch

o       Beim Erwachsenen 100-500 g / Tag

-         Größere Mengen

o       Kohlenhydrat- und zellulosereiche Kost

o       Maldigestion (mangelhafte Aufspaltung der Nahrung)

o       Malabsorption (Verdauungsinsuffizienz, Störungen der Resorption)

-         Kleinere Mengen

o       Ballaststoffarme Kost

o       Beim Fasten

o       Hungerstuhl

§         Schleim, Darmzellen, Nahrungsreste

§         Schwarzbraun bis grünlich

§         Ca. 10 g / Tag

Form und Konsistenz

-         Form und Konsistenz sind abhängig vom Grad der Festigkeit des Stuhls – diese ist abhängig von der Nahrungsbeschaffenheit

-         Fest – bei vorwiegender Fleischernährung

-         Weich und dickbreiig – bei überwiegend kohlehydratreicher Kost

-         Dünnflüssig, breiig, wässrig – Diarrhö und Gastroenteritis

-         Wässrig, schleimig – Säuglingsdyspepsie (Verdauungsstörung)

-         Dünnflüssig schaumig – Gärungsdyspepsie

-         Erbsenbreiähnlich – Enteritis, Typhus abdominalis

-         Reiswasserähnlich – Cholera

-         Salbenartig glänzend, voluminös – Fettresorptionsstörungen, z.B. bei chronischer Pankreatitis, Salbenstuhl, Fettstuhl, Steatorrhoe

-         Fest, hart, knorrig, bröckelig, knotig – Obstipation

-         Schafskotartig – tief sitzende Dickdarmverengungen

-         Bleistiftförmig bis bandartig – Dickdarmspasmen, Krämpfe des Kolon sigmoidalis, spastische Obstipation

-         Blutig, schleimig, eitrig – Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

-         Grau-weiß, trocken, fest – Kalkseifenstuhl bei Ernährung des Säuglings mit unverdünnter Kuhmilch

-         Extreme Konsistenzveränderungen, die sich im Verlauf einer chronischen Obstipation entwickeln können

o       Kotgeschwulst / Koprom – ausgedehnte Kotansammlung, die eine Geschwulstbildung im Darm vortäuschen kann

o       Kotsteine / Koprolith – Ablagerungen von eingedicktem Kot


Stuhlbeimengungen

-         Beimengungen sind alle Stuhlbestandteile, die nicht physiologisch vorkommen und mikroskopisch oder makroskopisch sichtbar sind

-         Können mit dem Stuhl vermischt sein (Beimengung in höher gelegenen Darmabschnitten) oder als Auflagerungen auftreten (Herkunft aus unteren Darmabschnitten)

-         Makroskopisch sind erkennbar

o       Schleim – bei entzündeter Darmschleimhaut, Reizkolon

o       Schleim-Blut-Eiter-Gemisch – Alarmsignal bei schwerer Darmschädigung, Ruhr, fortgeschrittene Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

o       Blutauflagen – Erkrankungen der unteren Darmabschnitte, Tumore, Entzündungen, Hämorrhoiden, Fissuren

o       Teerstuhl

o       Unverdaute Nahrungsbestandteile – Schalen, Kerne

o       Parasiten und Würmer

o       Fett – Steatorrhoe bei Fettverdauungsstörungen

o       Fremdkörper – Kinder verschlucken Münzen, Teddybäraugen, Kleinteile

-         Mikroskopisch sind nachweisbar

o       Okkultes (verdecktes, verstecktes) Blut

o       Wurmeier

o       Pathogene Keime

Stuhlgeruch

-         Der Geruch des Stuhls wird bestimmt durch

o       Die aufgenommene Nahrung

o       Die durch dsie in Gang gesetzten Fäulnis- und Gärungsprozesse

o       Die Verweildauer im Darm

-         Bei Fäulnis- und Gärungsprozessen im Darm entstehen Darmgase, die den eigentlichen Stuhlgeruch verursachen

-         Darmgase bestehen aus Stickstoff, Kohlenstoff und den Geruchsträgern Indol, Skatol, Kresol und Phenol

-         Sie entstehen im Rahmen der Eiweißverdauung durch den Abbau der verschiedenen Aminosäuren

Chemische Reaktionen

-         Der pH-Wert des Stuhls liegt bei 7-8 und wird mittels Indikatorpapier festgestellt

-         Bei Gärungsdyspepsie sinkt der pH-Wert auf <6,5

-         Bei Fäulnisdyspepsie, bakteriellen Infektionen steigt der pH-Wert auf >8


Beschwerden oder Schmerzen bei der Stuhlentleerung

-         Tenesmen

o       Beständig schmerzhafter Stuhl- oder Harndrang bei sehr geringer oder erschwerter Entleerung

o       Schmerzen werden durch einen Krampf der Sphinktermuskulatur hervorgerufen

o       Bei entzündlichen Prozessen – Cystitis, Proktitis, Divertikulitis, Colitis ulcerosa

-         Meteorismus

o       Blähsucht

o       Durch Gasansammlungen im Darm entstehen Schmerzen und Blähgefühl

o       Hervorgerufen durch bestimmte Nahrungsmittel (Hülsenfrüchte, Kohl), Laxantienabusus, Ileus

o       Flatulenz – reichlicher Abgang von Blähungen

-         Analfissuren

o       Häufiges Afterleiden

o       Entstehen bei der Passage von hartem Stuhl, der einen Einriss der empfindlichen Schleimhaut verursacht

o       Die Folge sind Schmerzen bei der Defäkation, die Angst vor dem nächsten Stuhlgang machen, so dass dieser möglichst herausgezögert wird

o       Es entwickelt sich der Teufelskreis zwischen Stuhlvermeidung und Obstipation

-         Hämorrhoiden

o       Variköse Erweiterungen des Venengeflechtes in der Analregion

o       Chronisch entzündlich, narbig

o       Hämorrhoiden verursachen Schmerzen und Juckreiz im Analbereich und während der Defäkation

o       Können entzündlich verändert sein, Blutungen sind möglich

o       Durch Stuhlverhalt entsteht für den Patienten ein Teufelskreis

-         Dreimonatskoliken bei Kindern

o       Beobachtbar, Ursache nicht eindeutig geklärt – Luft geschluckt, Lactoseunverträglichkeit, unreife Peristaltik u.a.

o       Tenesmen, oft mit Meteorismus

o       Schreiattacken, 10 bis 20 Minuten nach Nahrungsaufnahme, Dauer bis zu 20 Minuten, geblähter Bauch, angezogene Beine, meist keine Beruhigung

o       Oft Verwechslung mit besorgniserregender Erkrankung, oft schuldgefühle der Eltern, Überforderung

o       Nahrungsaufnahme ohne Hektik, keine Luft verschlucken, keine blähenden Speisen, kein Schaum auf der Milch, Fenchel- / Kümmeltee, feuchte, warme Wickel, Kolonmassage im Uhrzeigersinn, nach anordnung entschäumende Medikamente, kleines Saugerloch, „Bäuerchen / Pups“ fördern

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