Urinuntersuchungen

Möglichkeiten der Uringewinnung

-         Spontanurin (bakteriologische Untersuchungen)

-         Mittelstrahlurin (bakteriologische Untersuchungen)

-         Morgenurin (Schwangerschaftstest – 12 Stunden vorher nix trinken)

-         Katheterurin (erste 5 ml verwerfen)

-         Blasenpunktion (gut gefüllte Blase punktieren)


Urinkulturen

-         Bei Verdacht auf bakterielle Infektionen der Niere oder ableitenden Harnwege

-         Zur Bestimmung von

o       Keimzahl

o       Keimdifferenzierung

o       Resistenz der Keime gegen Antibiotika

-         Durchführung

o       Fertig vorbereiteter Tauchnährboden wird in den Urin getaucht – Urincult

o       24 Stunden bei 37°C (Körpertemperatur) bebrüten

o       Bakterienkolonien sind als runde Herde sichtbar

o       Zahl wird an Vergleichstabelle geschätzt

§         < 1.000 Keime / ml – Verunreinigung

§         > 100.000 Keime / ml – eindeutiger positiver Befund

o       Zwischen 1.000 und 100.000 Keimen – „Grauzone“ – kurzfristige Beobachtung

o       Bei Katheterurin und Blasenpunktionsurin sind 1.000 Keime / ml normal

o       Für weitere Befunde muss eine Laboruntersuchung durchgeführt werden

Mittelstrahlurin

-         Gehört zur Abnahme von Spontanurin

-         Mittlere Harnportion soll aufgefangen werden

-         Patient lässt ein wenig Urin in die Toilette, die folgenden 20-40 ml werden mit Hilfsmitteln aufgefangen, der restliche Urin wird wieder in die Toilette gelassen

-         Erst ab dem Kindergartenalter möglich, das Beherrschung der Blasenfunktion benötigt wird

-         Der Harnstrahl soll möglichst nicht eingehalten werden, sondern durchlaufen, da das zur Restharnbildung führen kann

Spezifisches Gewicht

-         Gibt an, wie viel Gramm gelöste Stoffe in 1 Liter Urin enthalten sind

-         Ist abhängig von der Trinkmenge

-         Normgewicht bei Erwachsenen – 1012

-         Ist bei Säuglingen niedriger, das die Niere den Urin noch nicht so stark konzentrieren kann

-         Das Urometer ist auf 20°C geeicht

-         Dichte des Urins ist abhängig von der Temperatur

o       Pro 3°C mehr – + ein Teilstrich

o       Pro 3°C weniger – - ein Teilstrich

-         Hypersthenurie – über 1025 / erhöhtes spezifisches Gewicht bei sehr konzentriertem Urin oder Ausscheidung „schwerer Stoffe“, z.B. bei wenig trinken

-         Hyposthenurie – weniger als 1010 / erniedrigtes spezifisches Gewicht bei hoher Flüssigkeitszufuhr oder nicht ausreichendem Konzentrationsvermögen der Niere

-         Isosthenurie (Harnstarre) – konstantes spezifisches Gewicht bei 1012

Kreatinin – Clearance

-         Schätzt die Nierenfunktion ein

-         Entspricht der Glomerulären Filtrationsrate

-         Clearance – Plasmamenge, die pro Zeiteinheit von einer bestimmten Substanz befreit wird

-         Kann aus Kreatinin-Wert im Blut, dem Urinkreatinin und dem Urinminutenvolumen berechnet werden


Sammelurin – Quantitaive Bestimmung

-         Zur Feststellung der genauen Menge eines Stoffes im Urin wird der Urin 24 stunden lang gesammelt

-         Durchführung

o       Patient über Zweck und Dauer der Maßnahme informieren

o       Ausreichend großes Sammelgefäß (etwa 2 Liter) richten und mit Namen und weiteren Daten des Patienten beschriften

o       Möglichst morgens beginnen (Laboruntersuchung am nächsten Morgen)

o       Vor Beginn die Blase entleeren lassen, Urin verwerfen, Uhrzeit notieren

o       Alle folgenden Urinportionen in das Sammelgefäß entleeren

o       Sammelgefäß kühl, abgedeckt und dunkel aufbewahren

o       Je nach Untersuchung sind bestimmte Zusätze erforderlich

o       Nach 24. stunden Blase nochmals leeren und Urin ins Sammelgefäß entleeren

o       Bei Patienten mit Dauerkathetern Urin direkt aus dem Beutel in das Sammelgefäß entleeren

o       Gesamte Urinmenge auf dem Laborschein angeben

Spontanurin bei Säuglingen

-         Um bei Säuglingen und gewickelten Kindern eine Urinprobe zu gewinnen, benutzt man Urinbeutel. Sie werden um den Penis, oder um den Bereich der Vagina aufgeklebt.

-         Achtung: Sorgfältig kleben, damit man möglichst beim Ersten Urinbeutel eine Probe bekommt, denn die Klebestellen reizen die Haut.

Durchführung:

o       Kind ca. 30 min vor dem Aufkleben des Beutels z.B. Tee anbieten

o       Kind mit gespreizten Beinen auf den Rücken legen, so dass die Genitalregion gut zugänglich ist

o       Unsterile Handschuhe anziehen. Genitalbereich mit lauwarmem Wasser waschen und sorgfältig trocken tupfen

o       Urinbeutel aufkleben

o       Bei weiblichen Patienten die Klebefläche vor dem Abziehen des Schutzpapiers der Länge nach knicken, so kann das untere Ende der Klebefläche enger am Dann platziert werden. Im Dammbereich beginnen und den Beutel auf die großen Labien kleben. Die hintere Kante muss gut anliegen. Die Harnröhrenöffnung sollte sich im oberen Drittel der Beutelöffnung befinden.

o       Bei männlichen Patienten Penis in den Beutel platzieren. Die hintere Kante sollte sich an der Peniswurzel befinden. Der Beutel wird nun auf dem Skrotum und der umliegenden Haut aufgeklebt.

o       Säugling wickeln und anziehen

o       Flüssigkeit anbieten

o       Ca. alle 30 min nachschauen ob sich Urin im Beutel befindet

o       Sobald ausreichend Urin im Beutel ist (oft reichen wenige ml) wird dieser entfernt

o       An der Beutelspitze der von der Klebefläche abgewandten Seite den Urin entnehmen:

§         Mit steriler Schere entnehmen

§         Urin mit Spritze und Kanüle entnehmen

§         Mit einer Urinmonovette aus der Beutelöffnung

o       Urin in Probebehälter füllen

-         Zur Abnahme von Spontanurin für Untersuchungen werden meist Urinbeutel ohne Ableitungen geklebt. Soll der Sammelurin eines Säuglings abgenommen werden, klebt man einen Beutel mit Ableitung, den man zwischendurch entleeren kann.

Teststreifen zur Urinuntersuchung – Qualitative Bestimmung

-         Teststreifen enthalten Testfelder, auf denen trockene, chemische Reagenzien aufgebracht sind, die mit (im Urin oder anderen Körperflüssigkeiten enthaltenen) Stoffen reagieren und sich je nach Befund verfärben

-         Zur Feststellung, ob ein bestimmter Stoff überhaupt im Urin enthalten ist – solche Stoffe sind

o       Leukozyten

o       Eiweiß

o       Erythrozyten

o       Nitrit

o       Glukose

o       Urobilinogen (Urinfarbstoff)

o       Bilirubin

o       Ketone

o       PH-Wert (Normwert 5-6)

o       Spezifisches Gewicht

-         Benutzung der Teststreifen

o       Unsterile Handschuhe anziehen

o       Originalbehälter öffnen, Teststreifen entnehmen und Originalbehälter wieder schließen

o       Teststreifen in den Urin tauchen, so dass alle Testfelder benetzt sind

o       Überschüssigen Urin abstreifen

o       Vom Hersteller angegebene Wartezeit einhalten

o       Testfelder mit der Farbskala auf dem Behälter vergleichen

o       Teststreifen und Handschuhe entsorgen

o       Händedesinfektion

-         Zu lange Wartezeiten können das Ergebnis verfälschen

Sediment – Untersuchung

-         Frisch gelassener Urin wird zentrifugiert

-         Der Bodensatz – das Sediment wird unter dem Mikroskop ausgewertet

-         Insbesondere wird geachtet auf

o       Erythrozyten (Hoch – Entzündung)

o       Leukozyten (Hoch – Infektion)

o       Epithelzellen (Vermehrtes Auftreten weist auf entzündliche Veränderungen hin)

o       Zylinder – Rollenförmige Zusammenballungen, die in den Nierentubuli entstehen

§         Hyaline Zylinder aus Eiweiß – auch beim Gesunden beobachtbar

§         Zylinder aus weißen und roten Blutkörperchen oder Epithelzellen sind immer pathologisch und weisen auf Nierenschädigung hin

o       Kristalle (Unter- bzw. Übersäuerung des Urins)

o       Bakterien / Keime (Harnwegsinfekt)

-         Bei auffälligem Teststreifenbefund wird eine Urinsediment-Untersuchung durchgeführt


Flüssigkeitsbilanzierung

-         Indikationen

o       Parenteral ernährte Patienten

o       Patienten mit Ernährungssonde

o       Patienten mit Herz- und/oder Nierenerkrankungen

o       Patienten mit Ödemen

o       Nach (größeren) Operationen

-         Erfassung der Flüssigkeitsaufnahme in einem festgelegten Zeitraum (24 Stunden, eventuell nur 12 Stunden)

o       Einfuhr – alles, was oral, parenteral oder per Magensonde zugeführt wird (Getränke, Infusionen, teilweise Nahrungsmittel)

o       Ausfuhr – alles, was ausgeschieden wird, Urin, Stuhl, Wundsekret, Erbrochenes, Schweiß, Blut, Punktate, Abfluss über Sonden

-         Berücksichtigen

o       Aufklärung des Patienten und eventuell auch der Angehörigen

o       Korrekte Mitarbeit des Patienten

o       Zeitnahe und detaillierte Dokumentation

o       Lebensmittel, die Flüssigkeiten enthalten – Obst, Joghurt

o       Menge des Flüssigkeitsverlustes bei Fieber, Sonden, Drainagen

o       Inkontinenz

o       Tägliches Wiegen

-         Positive Bilanz – Einfuhr übersteigt Ausfuhr

o       Z.B. Nierenversagen

o       Kann bei Erbrechen und Durchfall erwünscht sein

-         Ausgeglichene Bilanz – Ausfuhr entspricht Einfuhr

-         Negative Bilanz – Ausfuhr übersteigt Einfuhr

o       Z.B. Diuretika

o       Bei Schädelhirntraumen zur Reduzierung eines Hirnödems

-         Durchführung

o       Bilanzblatt vorbereiten (Name, Datum, Mitarbeiter informieren)

o       Zu Beginn Patienten die Blase entleeren lassen, Urin verwerfen oder zum Vortag mitrechnen, ebenso andere Sekrete, z.B. aus Drainagen

o       Tassen, Gläser und Kannen immer ganz füllen und dann auch ganz berechnen, wenn der Patient sie leer getrunken hat

o       Flüssigkeit in ml angeben

o       Am Ende des Bilanzzeitraumes den Patienten die Blase entleeren lassen, mit berechnen

o       Nicht messbare Größen werden geschätzt

§         Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen, Atmung, Haut

§         Zusätzliche Verluste bei Fieber (500 ml pro 1°C Temperaturerhöhung)

§         Versteckte Zufuhr aus Oxidationswasser, das bei „Verbrennung“ von Kohlenhydraten entsteht


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