Infektionen

Chirurgische Infektionen

Infektionen

-         Das Eindringen von krankheitserregenden (pathogenen) Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze, Würmer etc.) in den menschlichen Körper, wo sie sich vermehren und Krankheitssymptome hervorrufen

Lokale Infektionen

-         Örtlich begrenzte Infektionen

-         Machen sich durch klassische Entzündungszeichen bemerkbar, welche je nach Einzelfall mehr oder weniger stark ausgeprägt sind

o       Rötung – Rubor

o       Überwärmung – Calor

o       Schwellung – Tumor

o       Schmerz – Dolor

o       Eingeschränkte Funktion – Functio laesa

-         Grundsätze für die Behandlung von lokalen Infektionen

o       Eiteransammlungen müssen durch chirurgische Maßnahmen entfernt werden

o       Bei starker Entzündung oder ungünstiger Lage des entzündeten Bereiches ist eine Ruhigstellung (Gipsschiene) erforderlich

o       Antibiotikatherapie ist nur anzustreben, wenn eine chirurgische Intervention nicht ausreicht oder nicht durchführbar ist

o       Bei allen Verletzungen ist der Tetanusschutz zu überprüfen und ggf. zu vervollständigen

Erysipel (Rose, Wundrose)

-         bakterielle Entzündung, die sich unter der Haut als flächenhafte Entzündung ausbreitet

-         Phlegmone ist eher tiefliegend, Erysipel ist eher oberflächlich

-         Entstehung

o       Hämolysierende Streptokokken geben gewebsauflösende Enzyme in das Gewebe ab (Streptokinase)

o       Die Erreger gelangen durch kleinste Epitheldefekte in das Unterhautfettgewebe und breiten sich in den Lymphspalten aus

o       Überwiegend im Gesicht und am Unterschenkel

-         Symptome

o       Um die Eintrittsstelle der Ursprungswunde herum bildet sich eine scharf abgegrenzte flächenhafte Rötung

o       Kreisförmige Ausbreitung wie bei einer Phlegmone

o       Beteiligung der Lymphgefäße ist an proximal ziehenden Streifen (Lymphangitis – Blutvergiftung) erkennbar

o       Allgemeinsymptome wie Fieber, BSG-Erhöhung, Leukozytose

o       Meist keine Eiterbildung

-         Therapie

o       Behandlung der ursprünglichen Wunde

o       Ruhigstellen, Hochlagern

o       Salbenverbände

o       Penicillin G i.v.

Phlegmone

-         Durch Eitererreger hervorgerufene Entzündung, die sich in Gewebsspalten diffus und flächenhaft ausbreitet

-         Keine Abgrenzung durch Membran oder Körperhöhle

-         Symptome

o       Unscharf begrenzte, schmerzhafte Schwellung mit Rötung

o       Funktionseinschränkung des erkrankten Gewebes

-         Komplikationen

o       Rasches Fortschreiten der Entzündung, da keine Abgrenzung zum gesunden Gewebe vorhanden ist

-         Therapie

o       Bei großen Eiteransammlungen operative Eröffnung

o       Konservative Therapie um Ausbreitung zu verhindern

§        Lagerung und Ruhigstellung der betroffenen Extremitäten mittels Schiene

§        Wundbehandlung mit feuchten Umschlägen (Rivanol, Quark)

§        Systemische Gabe von Antibiotika (i.v., i.m. oder oral)

Abszess

-         Eiteransammlung, die in einer vor der Infektion nicht vorhandenen Höhle lokalisiert ist

-         Eiterherd ist durch einen membranartigen Wall aus Granulationsgewebe abgegrenzt

-         Ursachen

o       Eindringen von Erregern durch die verletzte Haut (Wunde)

o       Eindringen von Erregern über den Blutweg in innere Organe (hämatogene Abszesse)

-         Symptome

o       Klassische Entzündungszeichen

o       Evtl. Fieber, Abgeschlagenheit

o       Leukozytose (zu wenig Leukozyten) und BSG-Erhöhung (Blutsenkungsgeschwindigkeit)

-         Therapie

o       Beseitigung der Eiteransammlung durch

§        Abpunktieren und Drainieren von kleinen Abszessen

§        Operative Spaltung durch Inzision und Einlegen einer Drainage bei größeren Abszessen (Infektdrainage)

Empyem

-         Eiteransammlung in einem präformierten Hohlraum (Gelenk, Gallenblase, Pleurahöhle)

-         Eiter befindet sich in einem natürlichen / körpereigenem Hohlraum

-         Symptome

o       Wie beim Abszess

o       Evtl. zusätzlich lagebedingte Probleme, z.B. schweres Atmen

-         Therapie

o       Operative Eröffnung des Empyem und Drainage nach außen


Furunkel

-         Von einer Haarbalgdrüse ausgehende eitrige Entzündung

-         Generalisierter Befall – Furunkulose

-         Darf nicht mit der Pubertätsakne verwechselt werden

-         Ursache: Staphylokokken

-         Symptome

o       Schmerzhaft gerötete Knoten mit zentralem Eiterpfropf und Ödembildung in der Umgebung

o       Können an jeder Stelle der behaarten Haut auftreten

o       Bevorzugte Stellen: Kopf, Hals, Rücken, Oberschenkel

o       Gehäuftes auftreten bei Diabetes mellitus

-         Komplikationen

o       Bei Ausbreitung in die Umgebung kann es zum Karbunkel, Abszess oder Phlegmone kommen

o       Das Ausdrücken des Nekrosekopfes ist kontraindiziert, da sich der Eiter in das gesunde Gewebe entleert

-         Therapie

o       Konservativ im Anfangsstadium – Wundbehandlung mit Ichthyolsalbe (Zugsalbe), feuchte Verbände, Rotlicht

o       Bei größeren Eiteransammlungen erfolgt die operative Eröffnung und Ausräumung des Eiters sowie abgestorbener Gewebeareale

o       Systemische Therapie mit Antibiotika bei Furunkulose

o       Bei Gesichtsfurunkel insbesondere kein Ausquetschen (Gefahr der Ausbreitung in das Gehirn) – hier Ruhigstellung durch Sprech- und Kauverbot

Karbunkel

-         „Fressendes Geschwür“ – diffuse, flächenhafte, hart infiltirierte, eitrige Gewebsentzündung

-         Durch Quetschen und Ausdrücken fehlerhaft behandelten Furunkel, der hierdurch auf benachbarte Haarbälge übergegriffen hat

-         Symptome

o       Hart infiltriertes, gerötetes Entzündungsgebiet

o       Äußerst schmerzhaft, besonders bei Bewegungen

-         Therapie

o       Im Anfangsstadium konservative Behandlung

§        Wundbehandlung mit Salbenverbänden, heißen Packungen oder Rotlichtbestrahlung

o       Im fortgeschrittenen Stadium müssen die Eiterherde operativ ausgehoben werden

§        Die Wundhöhle wird mit Gazestreifen austamponiert (Jodoform) und somit drainiert

§        Die Wunde bleibt offen und heilt sekundär


Panaritium – Nagelbettentzündung

-         Eitrige Entzündung im Bereich eines Fingers (seltener Zehen)

-         Eintreten der Erreger durch kleine Hautverletzungen in das Gewebe (nach Maniküre)

-         Häufig, wenn man die Nagelhaut schneidet

-         Formen des Panaritiums

o       Panaritium cutaneum

§        Eiterblase im Bereich der Haut eines Fingers

o       Panaritium subcutaneum

§        Häufigste Form des Panaritiums, Entzündung im Unterhautfettgewebe

§        Eitrige Entzündung des Nagelwalls – Paronychie

o       Panaritium tendinosum (Sehnenscheidenpanaritium)

§        Eitrige Entzündung dehnt sich im Bereich der Sehnenscheide aus

§        Spezielle Form ist die V-Phlegmone

o       Panaritium ossale (Knochenpanaritium)

§        Der Eiter hat die Knochen eines Fingers befallen (Phalangenosteomyelitis)

o       Panaritium articulare (Gelenkpanaritium)

§        Der Eiter hat die Fingergelenke erreicht

§        Es kommt zu einem Gelenkempyem

-         Symptome

o       Lokale Entzündungszeichen

o       Pochender (pulssynchroner) Schmerz

-         Komplikationen

o       Gefahr der Ausbreitung des Eiters zwischen den Finger- und Handstrukturen

o       Bei Befall des Mittelhandbereiches spricht man von einer Hohlhandphlegmone

o       Funktionsstörungen der Hand

-         Therapie

o       Frühzeitige operative Eröffnung mit Entleerung des Eiters

o       Einlegen einer Gummilasche zur Drainage

o       Eingriff erfolgt in Leitungsanästhesie oder Plexusanästhesie

o       Anschließend Ruhigstellung durch Schienenverband

o       Gabe von Antibiotika und Tetanusschutz überprüfen


Lymphangitis

-         Entzündung der Lymphbahnen

-         Entzündung der dazugehörigen Lymphknoten (Lamphadenitis)

-         Ursache

o       Kleiner subkutaner Abszess / Panaritium als Quelle der aufsteigenden Infektion

o       Eitererreger dringen in die Lymphbahnen ein und dringen in Richtung proximal zum Körperstamm vor

-         Symptome

o       Dünne, verzweigte, rot erscheinende Streifen entlang der Lymphbahnen

o       Druckschmerzhafte Lymphstränge

o       Hohes Fieber, BSG-Anstieg

-         Komplikationen

o       Bei fortschreitender Entzündung besteht die Gefahr des Einschwemmens von Keimen in die Blutbahn (Bakteriämie), was zur Sepsis („Blutvergiftung“) führen kann

-         Therapie

o       Behandlung der Ursache (lokale Behandlung des Eiterherdes)

o       Ruhigstellung der betroffenen Extremität, um eine Ausbreitung zu verhindern (evtl. Gipsschiene)

o       Hochlagern der betroffenen Extremität (Kissen, Schiene)

o       Wundbehandlung mit feuchten, kühlenden Verbänden (Rivanol, Alkohol, Quark)

o       Systemische Antibiotikagabe, da Gefahr einer Bakteriämie besteht

Systemische Infektionen

-         Erreger gelangen über die Blutgefäße in den Kreislauf und verursachen eine Allgemeininfektion

-         Typische Symptome

o       Abgeschlagenheit

o       Krankheitsgefühl

o       Fieber

o       Leukozytose

o       BSG-Erhöhung


Sepsis

-         kontinuierliche Überschwemmung des Kreislaufes mit Bakterien und deren Giftstoffen (Toxinen), wodurch schwere Krankheitssymptome ausgelöst werden

-         Ursachen

o       Bei massiver Einschwemmung von Bakterien in den Körper kommt es zur Überforderung des Immunsystems

o       Bakterien gelangen durch die hämatogene Streuung in die Organe und bleiben dort haften

o       Es entstehen septische Herde, aus denen immer wieder Keime in die Blutbahn gelangen (septische Streuung)

-         Symptome

o       Hohes Fieber (bis hyperpyretische Temperaturen)

o       Schüttelfrost

o       Tachykardie, evtl. Kreislaufversagen (septischer Schock)

o       Massiv erhöhte laborchemische Entzündungsparameter

o       Schweres Krankheitsgefühl

-         Komplikationen

o       Kann unbehandelt zum septischen Schock und zum Tod führen

-         Therapie

o       Beseitigung der Ursache

o       Hochdosierte Antibiotikagabe

o       Intensivtherapeutische Überwachung

 

Tetanus – Wundstarrkrampf

-         Bakteriell bedingte Infektion, die durch das abgesonderte Toxin des Clostridium tetani entsteht

-         Die Toxine befallen das Nervensystem und führen zu einer krampfartigen Lähmung der quergestreiften Muskulatur

-         Erreger – Clostridium tetani

o       Obligater Anaerobier – benötigt sauerstoffarmes Milieu

o       Bildet Sporen, die Jahrzehntelang überleben können

o       Bevorzugter Lebensraum: Säugetierdarm, gelangt von hier als natürlicher Dünger in das Erdreich

-         Eintrittspforte -  Hautverletzungen

o       besonders schmutzige, zerfetzte Wunden mit Nekrosen und Hohlraumbildung

o       Brandwunden, Schusswunden, Wunden, die mit Erde in Berührung waren

-         Ursache

o       Abgabe des Toxins in das Gewebe

o       Ausbreitung der Toxine im Nervengewebe

o       Wandern von peripher nach proximal zur Medulla oblongatea

o       Dauererregung der skelett- und Atemmuskulatur


-         Symptome

o       Inkubationszeit: 2-14 Tage (gelegentlich bis zu 6 Monate)

o       Klassisches Symptom: anfallartig auftretende Muskelkrämpfe

o       Zuckende Bewegungen der Kaumuskeln – Trismus (Zähneknirschen), Mund kann nicht geöffnet werden

o       Verspannung der gesamten Gesichtsmuskulatur – Risus sardonicus (Teufelslachen)

o       Übergriff auf die Rumpfmuskulatur – Opisthotonus (Überstreckung, Rückwärtsspannung)Krampf der Atemmuskulatur und des Zwerchfells – Erstickungstod

o       Hoher Energieverbrauch und Fieber um 41°C

o       Der Kranke ist während des Verlaufes bei vollem Bewusstsein

-         Therapie

o       Allgemeine intensivtherapeutische Behandlungsmaßnahmen

o       Chirurgische Wundbehandlung

§        Großzügige Ausschneidung und Eröffnung der Wunde

§        Therapie der Wunde mit Sauerstoff

§        Sekundäre Wundheilung

o       Immunisierung – Gabe von spezifischen Antikörpern (passive Immunisierung) zur Neutralisation des Toxins

o       Hochdosierte intravenöse Antibiotikagabe

o       Muskelrelaxierung und Sedierung zur Krampfverhütung und Senkung des Energieverbrauchs

o       Teilweise künstliche Beatmung (Tracheotomie)

o       Unterbringung in abgedunkeltem Einzelzimmer

-         Prognose

o       Sehr selten durch Impfung

o       Letalität 50% - Jeder zweite Erkrankte stirbt an Krankheit

 

Tetanusprophylaxe

-         Grundimmunisierung – drei aktive Impfungen innerhalb eines Jahres zur Anregung der Antikörper-Bildung (Booster-Effekt)

-         Aktive Impfung mit Tetanol

-         Passive Impfung mit Tetagam

-         Impfstoff aus manipuliertem Tetanus-Toxin ohne krankmachende Wirkung

-         Abstand der drei Impfungen

o       1. Impfung zum Wahlzeitpunkt (im 3. Lebensmonat)

o       2. Impfung 4-6 Wochen später

o       3. Impfung 4-12 Monate nach der zweiten Impfung

o       Auffrischimpfung 5-10 Jahre nach der dritten Impfung

-         Auffrischimpfung

o       Nach der Grundimmunisierung hält der Impfschutz ca. 5-10 Jahre an

o       Deshalb nach diesem Zeitraum eine Wiederholungsimpfung zur erneuten Antikörperproduktion


-         Simultanimpfung

o       Aktive und passive Impfung

o       Sofortiger Impfschutz

o       Gleichzeitig eine Injektion rechts und links in den M. deltoideus oder intragluteal

-         Tetanusimmunisierung des Gesunden

o       Aktive Immunisierung (Grundimmunisierung oder Auffrischimpfung)

o       Kein sofortiger Impfschutz erforderlich

-         Tetanusimmunisierung des Verletzten

o       Bei unzureichendem Impfschutz und verschmutzter Wunde

o       Passive Immunisierung mit Antikörpern gegen das Tetanustoxin (z.B. Tetagam)

o       Sofortiger Impfschutz erforderlich

-         Vorgehensweise – Patienten ohne oder mit unzureichendem Impfschutz

o       Tetanussimultanimpfung

o       Vervollständigung der Grundimmunisierung mit aktiven Impfungen nach 4 Wochen und 4 Monaten

-         Vorgehensweise – Patienten mit vollständigem Impfschutz

o       Letzte Impfung vor weniger als 5 Jahren

§        Saubere Wunden – keine erneute Impfung

§        Verschmutzte, stark tetanusgefährdete Wunden – einmalige aktive Impfung zur Auffrischung der Grundimmunisierung

o       Letzte Impfung vor über 5 Jahren

§        Saubere Wunden – einmalige aktive Impfung zur Auffrischung

§        Verschmutzte Wunden – Tetanussimultanimpfung für sofortigen Impfschutz und Auffrischung

o       Letzte Impfung vor über 10 Jahren

§        Immer Tetanussimultanimpfung

§        Kein Neubeginn der Grundimmunisierung

o       Ist Impfstatus nicht genau geklärt, erfolgt immer eine Simultanimpfung

 

Tollwut – Rabies, Lyssa

-         Viral bedingte Tierkrankheit

-         Der Erreger befindet sich im Tierspeichel und wird durch Bisse auf den Menschen übertragen

-         Tollwut verursacht schwere Verhaltens- und Wesensänderungen

-         Erreger – Tollwutvirus

o       Durch Hunde und Füchse übertragen

o       Jährlich sterben ca. 40.000 Menschen an Tollwut

o       Übertragung erfolgt durch einen Biss eines infizierten Tieres, der Speichel ist infektiös

o       Die Viren lagern sich an periphere Nervenendigungen im Wundbereich an und breiten sich langsam nach proximal in Richtung ZNS aus


-         Symptome beim Menschen

o       Inkubationszeit: Zwischen 6 Tagen und einem Jahr, häufig sehr spät

o       Unruhe, Wesensänderungen (psychische Alteration)

o       Schmerzen und Empfindungsstörungen im Bereich der ehemaligen Wunde

o       Reflexsteigerung mit Muskelkrämpfen besonders im Rachenbereich – verhindert das Schlucken, fördert den Speichelfluss

o       Zunehmende Tobsuchtsanfälle

o       Ausgedehnte Lähmungen zum Ende hin

-         Symptome beim Tier

o       Plötzliche Wesensänderung, bösartiges, angriffslustiges Verhalten, keine Scheu vor dem Menschen

o       Massiver Speichelfluss

o       Rasch einsetzende Lähmung

-         Diagnose

o       Infektionsnachweise erst nach Ende der Inkubationszeit möglich

o       Nachweis erfolgt durch Abklatschpräparate von der Hornhaut, im Serum und im Liquor

o       Impfung muss bereits vor Ausbruch der Erkrankung erfolgen, um zu wirken

-         Therapie

o       Notfallmaßnahme: Bisswunde sofort mit Desinfektionsmittel oder Seife auswaschen

o       Sofortiger Arztbesuch, ggf. Immunisierung

§        Aktive Immunisierung mit manipuliertem apathogenem Virus

§        Passive Immunisierung durch humanes Immunglobulin

o       Ausbruch der Krankheit kann nur verhindert werden, wenn das Virus noch nicht in das Nervengewebe eingedrungen ist

-         Vorgehensweise

o       Biss durch Wildtier oder unbekannten Hund – aktive und passive Immunisierung bis spätestens 72 stunden nach dem Biss erfolgen

o       Chirurgische Wundexzision zur Entfernung der Krankheitserreger

o       Lokale Infiltration der Wundumgebung mit Immunglobulin

o       Verdächtiges Tier mindestens 10 Tage unter tierärztlicher Aufsicht – bei Verdacht auf Erkrankung Tötung und Obduktion des Tieres

o       Bei einem bekannten, kontrollierbaren Hund – 5 Tage häusliche Beobachtung des Hundes

o       Ist der Hund unauffällig, ist keine Impfung notwendig

o       Bei Krankheitssymptomen des Tieres erfolgt sofortige Immunisierung des Menschen, Tötung des Tieres und pathologisch-anatomische Untersuchung

o       Bei tollwutgefährdeten Personenkreisen erfolgt eine prophylaktische Impfung

 


Gasbrand

-         Bakteriell bedingte Infektion, die durch Clostridien entsteht

-         Stoffwechselvorgänge des Erregers führen zur Gasbildung im Gewebe und das abgegebene Toxin führt zu fortschreitender Gewebezerstörung

-         Erreger – Clostridien (Häufig Clostridium perfringens)

o       Obligate Anaerobier

o       Sporenbildung – kommen überall vor, vorwiegend im Erdreich, Straßenstaub, Darm von Mensch und Tier

-         Eintrittspforte

o       Häufig in Wunden, ohne dass es zur Infektion kommt

o       Erkrankung, wenn günstige Bedingungen vorliegen – stark zertrümmerte Wunden, Quetschungen, Nekrosen, ischämische Bezirke

o       Beispiel: Schussverletzung

o       Toxine des Erregers führen zur nekrotischen Einschmelzung des Gewebes

o       Die Stoffwechselvorgänge des Erregers führen zur Gasbildung (gasödem)

-         Symptome

o       Inkubationszeit: 2-4 Tage, teilweise zwischen Stunden und Wochen

o       Starke Schmerzen im Wundbereich

o       Massive Schwellung

o       Dunkle bis schwarze Verfärbung der Muskulatur durch hämolytischen Zerfall des Gewebes

o       Gasbildung – Erkennbar durch Palpation (Knisternde Geräusche) und Röntgen (Lufteinschlüsse im Gewebe)

o       Verschlechterung des Allgemeinzustandes durch Toxine – Schwäche, Erbrechen, Durchfall bis zum Schock

-         Therapie

o       Allgemeine Behandlung der Symptome

o       Chirurgische Wundbehandlung – Wunde eröffnen, Exzision aller betroffenen und nekrotischen Gewebeanteile (Im Notfall Amputation)

o       Sauerstoffüberdruckkammer – Schädigung des Erregers durch Sauerstoff, nur an wenigen Orten möglich

o       Antibiotikatherapie – Penicillin G

o       Immunisierung – Passive Immunisierung mit Antitoxin, hat keine sichere Wirkung, noch kein aktiver Impfstoff erhältlich

o       Letalität 50%

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