Wundheilung

Phasen der Wundheilung

Exudationsphase

-         1. bis 4. Tag

-         Reinigungsphase, inflamatorische Phase

-         Blutstillung durch Gerinnungsvorgänge und Vasokonstriktion

-         Die Wunde verklebt durch Fibrin

-         Abwehrzellen (Makrophagen, Granulozyten, Mastzellen) wandern von den Gefäßen in die Wunde ein

-         Diese bauen Gewebsnekrosen ab, dabei entsteht Eiter

-         Vermehrter austritt von Gewebeflüssigkeit führt zu Wundödem

Proliferationsphase

-         5. bis 10. Tag

-         Granulationsphase

-         Aus dem Wundrand sprießen Kapillaren und Bindegewebszellen

-         Es bildet sich das gefäßreiche Granulationsgewebe

-         Einwanderung von Fibrinoblasten zum Aufbau eines stützenden Gerüstes aus Kollagenfasern (Eiweißzellen)

-         Einwanderung von Endothelzellen zur Verfestigung des Kollagengerüstes

Regenerationsphase

-         11. bis 21. Tag

-         Reparationsphase, Epithelisierungsphase

-         Schrumpfung der Wunde

-         Kontraktion der Wunde durch Abgabe von Wasser und Gefäßrückbildung im Granulationsgewebe

-         Einwanderung von Epithelzellen vom Wundrand

-         Vermehrter Bindegewebe-Aufbau zum faserreichen Narbengewebe

-         Verschluss durch Verdickung der Zellschicht

-         Dadurch Verfestigung der Narbe

 


Formen der Wundheilung

Primäre Wundheilung (per primam intentionem)

-         Primärer Verschluss der Wunde durch lückenloses Aneinanderlegen der glatten, sauberen Wundränder

-         Durch Hilfestellung mit Naht, Klammer, Pflaster

-         Verklebung, Verwachsung der Wundränder und Fläche zu einer schmalen, feinen Narbe

-         Bei OP-Wunden

-         Voraussetzung:

o       Glatte Wundränder

o       Wunde ist nicht älter als 6 Stunden

o       Wunde ist nicht infiziert

Sekundäre Wundheilung (per secundam intentionem)

-         Wunde bleibt offen und heilt langsam von der Tiefe zu

-         Es bildet sich Granulationsgewebe

-         Einwachsen von Epithelzellen

-         Breite Narbe

-         Voraussetzung:

o       Klaffende Wundränder

o       Infizierte Wunde

o       Wunde älter als 6 Stunden

 

Faktoren, welche die Wundheilung stören

Lokale Störfaktoren

-         Störungen der Wundruhe, z.B. zu frühes Bewegen

-         Nässe, Austrocknen, Auskühlen der Wunde

-         Mechanische Reize, Druck, Reibung, Manipulationen

-         Traumatischer Verbandswechsel

-         Durchblutungsstörungen

-         Infektion der Wunde

-         Hämatome, Wundtaschen, Nahtdehiszenz durch Spannung an den Wundrändern

-         Fremdkörper, Nekrosen

-         Vorgeschädigtes Gewebe

Allgemeine Störfaktoren

-         Schwere Allgemeinerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus)

-         Bestimmte Medikamente, Antikoagulanzien (Marcumar, ASS), Zytostatika, Immunsuppressiva, Antibiotika, Diuretika

-         Schlechter Ernährungs- und Flüssigkeitsstatus, Eiweiß-, Vitaminmangel

-         Chronische Krankheiten, Bluter, Anämie, Tumorpatienten, Mukoviszidose, Zöliakie, Malabsorptionsstörungen


Hämatom

-         Bluterguss, Anschwellen der Wunde

-         Entsteht durch Nachblutung aus kleineren Gefäßen im Wundbereich

-         Spontaner Stillstand der Blutung mit anschließender einige Wochen dauernder Resorption

-         Notfalls bei großen Hämatomen operative Entfernung

Wundinfektion

-         Vermehrung von Eiterbakteiren

-         Bei verschlossener Wunde kann Eiter nicht abfließen, durch diesen Verhalt bildet sich ein Abszess oder eine Phlegmone

-         Nach 5 bis 10 Tagen treten klinische Entzündungszeichen auf

o       Schwellung

o       Rötung

o       (lokale) Überwärmung

o       Schmerz

o       (lokale) Funktionseinschränkung

-         Behandlung: Eröffnung und Drainage der Wunde

Wunddehiszenz

-         Wenn die Wunde nach primärem Nahtverschluss „aufplatzt“

-         Grund: Die Wunde steht unter zu großer Spannung

-         Ursachen:

o       Bei Dehiszenz nach 2-3 Wochen häufig ein bis dahin nicht erkannter Lokalinfekt, der eine feste Vernarbung verhindert

o       Generelle Abwehrschwäche

o       Schwere Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes

-         Platzbauch

o       Sofortiger operativer Bauchdeckenverschluss erforderlich

Narbe

-         Endergebnis der Wundheilung

-         Meist ein Defekt, da sie überwiegend aus Bindegewebe besteht und sich dadurch vom ursprünglich verletzten Gewebe in qualitativer und funktioneller Hinsicht unterscheidet

-         Aussehen: Die Hautnarbe ist anfangs gut durchblutet –  rötlich; mit zunehmendem Bindegewebsanteil verblasst die Narbe allmählich.

-         Schrumpfungsneigung: Das Bindegewebe der Narbe neigt zu Schrumpfung und Verringerung der Elastizität – besonders bedeutend bei Narben in Gelenknähe (kann zu Kontrakturen führen)

-         Keloid: Überschießende Bindegewebsbildung

o       Narbe erscheint wulstig verdickt, oft leicht gerötet


Heilungsdauer

-         Gut durchblutetes Gewebe heilt schneller (Schleimhäute, innere Organe)

-         Bei Kindern heilt alles schneller

-         Heilungsdauer verschiedener Gewebe

o       Schleimhaut – 3 Tage

o       Haut – 5-21 Tage

o       Parenchymatöse Organe (Leber, Niere) 5-7 Tage

o       Darmanastomosen – 5-9 Tage

o       Sehnen und Bänder – 6 Wochen

o       Knorpel – 6 Wochen

o       Knochen – 3 Wochen bis 3 Monate

o       Faszie – 3 Monate

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