Wundversorgung

Vorbereitung der Wundumgebung

-         Reinigung der Wundumgebung mit Wasser / seifenfreier Waschlotion

-         Eventuell Wundrand rasieren

-         Intakte Haut mit Desinfektionsmittel reinigen

-         Mechanische Reinigung

o       Grobe Schmutzpartikel mit Mulltupfern entfernen

o       Gegebenenfalls nach Schmerzausschaltung mit steriler Bürste reinigen

o       Splitterpinzette für größere Schmutzreste und Glassplitter

o       Bei Glassplittern immer Röntgen

-         Wundspülung

o       Mit physiologischer Kochsalzlösung, Ringerlösung oder Lavasept

o       Entfernung von Schmutz und Blut

o       Verschafft Überblick über die Wundverhältnisse

o       Entweder mit Spritze und Knopfkanüle oder Braunüle ohne Nadel

-         Fremdkörperextraktion

o       Pinzette

o       Chrirurgische Wundrevision (OP)

o       Gegebenenfalls Zuhilfenahme von Bildverstärkerkontrolle (Röntgen)

o       Erweiterung der Eintrittsstelle, gegebenenfalls Querinzision

-         Chirurgische Wundreinigung / Debridement

o       Chirurg entfernt Fremdkörper mit schere und Pinzette

o       Entfernung von Fremdkörpern, Nekrosen, infiziertem Gewebe

o       Gegebenenfalls Wundtaschen eröffnen

o       Schaffen von sauberen, glatten Wundrändern

o       Gegebenenfalls Enzymatische Wundreinigung als Ergänzung

 

Wundversorgung

Versorgung mit Primärnaht – Primärer Wundverschluss durch Naht

-         Voraussetzungen

o       Nicht älter als 6 Stunden

o       Glatte Wundränder

o       Infektfreie Wunde

Offene Wundversorgung – Konservative Wundversorgung

-         Voraussetzungen

o       Wenn keine Naht erforderlich ist

o       Wenn die Wunde älter als 6 Stunden ist

o       Bei erhöhter Infektionsgefahr / bestehender Infektion

o       Wenn keine Naht möglich ist, weil die Spannung auf die Wundränder zu groß ist, z.B. Schwellung der Wunde

o       Bei starker Gewebsschädigung


Wundverschluss mit Sekundärnaht

-         Wundverschluss einer offen versorgten Wunde nach ca. 5-7 Tagen, mittels Naht bei guter Heilungstendenz und Infektionsfreiheit

-         Voraussetzungen

o       Saubere Infektionsfreie Wunde

o       Vorausgegangenes Debridement – ausgeschnittene glatte Wundränder, gereinigte Wunde

-         Ziele

o       Um die Heilungszeit zu verkürzen

o       Für ein besseres kosmetisches Ergebnis

 

Verschluss von Hautwunden

Nahtverschluss – Fäden

-         Nicht resorbierende Fäden

o       Werden vom Körper nicht angegriffen, sind nach Jahren noch nachweisbar

o       Können ohne Schaden im Körper belassen werden

o       Bestehen vorwiegend aus den Materialien Kunststoff (Polyamid, Polyäthylen) oder Stahl (Draht, Klammern)

o       Anwendung: Halt der Naht über einen längeren Zeitraum ist erforderlich, z.B. Haut, Sehnen, Blutgefäße, Schleimhaut

-         Resorbierbare Fäden

o       Lösen sich innerhalb von Tagen bis Wochen durch enzymatischen Abbau im menschlichen Körper auf

o       Materialien:

§        Catgut (Engl.: Katzendamm) aus Därmen von Säugetieren, löst sich nach ca. 1 Woche auf

§        Synthetisch (Vicryl, Dexon) am häufigsten unter der Haut, lösen sich nach ca. 6 Wochen auf

o       Anwendung: Im Körper, z.B. Muskelschichten, Darm

Metallklammern

-         Zeitsparende Methode des Wundverschlusses

-         Setzen der Klammern mit einem Stapler

-         Kostengünstiger

-         Anwendung

o       Wo keine große Belastung ist, z.B. Körperstamm

o       Nur zum Hautverschluss


Klammerpflaster / Steristrips

-         Schmerzfreie Applikation und Entfernung ohne Lokalanästhesie

-         Anwendung

o       Erstversorgung am Unfallort

o       Wundverschluss ohne spezielle Instrumente möglich

-         Anforderungen

o       Sichere dauerhafte Klebefähigkeit

o       Anpassung an die Wundrandschwellung

o       Durchlässigkeit für Sekret und Luft

o       Hautfreundliches Material

o       Sterilität

o       Einfache Handhabung

o       Soll keine Allergien hervorrufen

Gewebekleber

-         Vor allem bei Kindern mit kleinen Hautwunden, z.B. kleine Platzwunden, Schnittwunden

-         Als Fibrinkleber: bei Adaptation von flächigen Wunden in parenchymatösen Organen (Leber, Milz, Niere), da diese nur bedingt genäht werden können

-         Kleber auf Cyanoacrylat-Basis:

o       Zum Zusammenhalten adaptierter Wundränder

o       Nach Punktionen und minimal invasiven Eingriffen

-         Anwendung

o       Haut sorgfältig reinigen und trocknen

o       Wundränder zusammendrücken und Hautkleber in mehreren Schichten auftragen

o       Kleber löst sich nach 10-12 Tagen von selbst

 

Entfernung von Nahtmaterial

-         Der Zeitpunkt der Nahtentfernung hängt von der Lokalisation der Naht ab

o       Gesicht (Kind) – 4-5 Tage

o       Gesicht (Erwachsener) – 5-7 Tage

o       Hals (z.B. Strumaoperation) – 5-6 Tage

o       Bauchschnitte (Magen, Galle, Kolon) – 10-12 Tage

o       Bauchschnitte nach Relaparotmie oder zytostatischer Vorbehandlung – 21 Tage (bis zu 3 Wochen)

o       Extremitäten – 14 Tage

o       Extremitäten über Gelenken (Streckseiten) – 21 Tage und länger

o       Wunden unter Spannung – 21 Tage und länger


Vorbereitung

-         Benötigtes Material

o       Sterile Fadenschere / spitzes Einmalskalpell

o       Nierenschale

o       Sterile anatomische Pinzette

o       Sterile Tupfer / Kompressen

o       Händedesinfektionsmittel, Hautdesinfektionsmittel

o       Sterile und unsterile Handschuhe

o       Neues Verbandsmaterial / Pflaster

o       Mundschutz

-         Patient

o       Altersentsprechende und wahrheitsgemäße Aufklärung

o       Patient in eine bequeme Lage bringen

o       Intimsphäre wahren

o       Durchzug wegen Keimverwirbelung vermeiden

Durchführung

-         Händedesinfektion

-         Mundschutz anlegen

-         Unsterile Handschuhe anlegen und alten Verband entfernen

-         Handschuh verwerfen

-         Händedesinfektion und sterile Handschuhe anziehen

-         Desinfektion des Nahtgebietes mit Tupfern (Einwirkzeit von 2 Minuten beachten!)

-         Bei Einzelknopfnähten

o       Anheben des Knotens mit anatomischer Pinzette

o       Abschneiden des Knotens mit Fadenziehmesser, Schere oder spitzem Skalpell dicht über der Haut

o       Anschließend den Faden schnell herausziehen und in die Nierenschale abwerfen

-         Bei Intrakutannähten

o       Chirurg hebt Fadenende mit anatomischer Pinzette an und durchtrennt einen Faden unterhalb des Knotens unmittelbar über der Haut

o       Faden am anderen Knotenende vorsichtig mit zunehmender Spannung herausziehen

-         Bei Hautklammern

o       Klammerentfernungsgerät (Klammerentferner)

o       Er wird mit seiner unteren Gabel zwischen Haut und Klammer geschoben

o       Durch Zusammendrücken der Griffe wird die Metallklammer aufgebogen, so dass sie sich aus der Haut herausheben lässt

Nachsorge

-         Erneute Desinfektion des Nahtgebietes und anlegen eines neuen Verbandes

-         Kontrolle der Stichkanäle und Narben

-         Fachgerechte Entsorgung des Materials

-         Dokumentation

 

Kleine Wundversorgung bei kleinen unkomplizierten Wunden

Vorbereitung des Materials

-         Materialien zur Lokalanästhesie (Spritzen, s.c.-Kanülen, Lokalanästhetikum (Lidocain), sterile Tupfer, nicht-alkoholisches Hautdesinfektionsmittel(Octenisept, klar und brennt nicht)) – wird vom Arzt durchgeführt

-         Alles zur Hautdesinfektion

o       Hautdesinfektionsmittel (Octenisept) wenn keine Lokalanästhesie erforderlich

o       Bei kleinen Wunden wird Kodan oder Freka-Derm direkt auf die Wunde aufgesprüht

o       Bei großen Wunden erfolgt wie bei einer OP eine Abwaschung mit Silent

-         Materialien zur Wundversorgung

o       Händedesinfektionsmittel und sterile Handschuhe

o       Wasserdichte Unterlage, sterile Abdecktücher, steriles Schlitztuch, ggf. Tuchklemmen

o       Sterile anatomische und chirurgische Pinzette, Skalpell, Klemmen, Scheren, (Kugel-)Tupfer, Kompressen

o       Steriler Nadelhalter und Nahtmaterial oder Klammerpflaster wie Steristrip oder Gewebekleber wie Histoacryl

-         Verbandmaterial

o       Ggf. transparente Hydrokolloidverbände

o       Ggf. Pflaster oder sterile Kompressen und selbstklebendes Netzpflaster und Verbandschere

o       Elastische Mullbinden zur Fixierung

Vorbereitung des Patienten

-         Information über die bevorstehende Maßnahme

-         Abklärung von Allergien (Jod, Pflaster)

-         Entfernung von Kleidungs- und Schmuckstücken

-         Hygienische Händedesinfektion von Arzt und Pflegeperson

-         Anlegen von Schutzhandschuhen

-         Lagern des verletzten Körperteils auf einer wasserfesten Unterlage

Durchführung

-         Desinfektion der Wunde und der umliegenden Haut

-         Setzen der Lokalanästhesie

-         Vernähen der Wunde unter sterilen Bedingungen

-         Anlegen eines sterilen Wundverbandes

 


Große Wundversorgung

Vorbereitung des Materials

-         Zusätzlich zu den Materialien zur kleinen Wundversorgung

-         Knopfsonde, Knopfkanüle und sterile 10-ml Einwegspritze zum Ausspritzen der Wunde (insbesondere bei Wundtaschen)

-         Sterile Tupfer und Kompressen

-         Ggf. Wundhaken, Skalpell, Klemmen, Tourniquet (kleines flexibles Metallband zur Blutsperre)

-         Alles zur Wundbehandlung (Arztanordnung)

o       Wundauflagen

o       Salben

o       Reinigungsverband

o       Medikamente (Leukasekegel)

o       Ggf. Drainagen (Silikon-Kurzdrainage)

Vorbereitung des Patienten

-         Siehe Vorbereitung des Patienten bei kleiner Wundversorgung

Durchführung

-         Entfernen des groben Schmutzes um die Wunde herum mit sterilen Kompressen und Nicht-alkoholischem Hautdesinfektionsmittel

-         Setzen der Lokalanästhesie

-         Rasur der Wundumgebung mit sterilem Einmalrasierer (Kopfplatzwunden)

-         Nach Einsetzen der Wirkung des Lokalanästhetikums erfolgt die Spülung der wunde mit Ringerlösung

-         Mechanische Wundreinigung mit Tupfer, Pinzette und evtl. auch Bürste

-         Ausschluss von Sehnen- und Nervenverletzungen

-         Entfernung von Fremdkörpern (Glassplitter)

-         Ausschneiden von zerfetztem und verschmutztem Gewebe, um glatte Wundränder zu erhalten (Debridement) – an Fingern kein oder nur reduziertes Ausschneiden, da zu großer Gewebeverlust

-         Nach der Wundexzision erfolgt ein erneutes Spülen und Verschluss mittels Primärnaht oder Klammerpflaster

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