Magensonde

Die Ernährung über die Sonde wird bei Patienten gewählt, die nicht essen können, dürfen oder wollen, z.B. im Koma, bei Verletzungen im Kiefer- und Mundbereich, bei Trinkschwäche oder Schluckstörungen.

Sie ist verboten bei Schädel-Hirn-Trauma und Schädel-Basis-Bruch.

Definition Sonde

Sonden sind flexible oder starre, meist röhrenförmige Instrumente zum Einführen in Körperkanäle oder Hohlräume. Sie bestehen aus Metall oder Kunststoff und dienen diagnostischen oder therapeutischen Zwecken.

Indikationen für das Einlegen einer Sonde

Therapeutische Indikationen:

  • Ernährung
  • Medikamentengabe
  • Ablauf von Magensaft oder Blut, z.B. bei Bewusstlosigkeit oder nach OPs
  • bei Schluckstörungen
  • Aspirationsprophylaxe
  • Abziehen von Fruchtwasser (aus dem Magen eines NG)

Diagnostische Indikationen:

  • zur Gastroskopie
  • zur Magenspülung
  • zur Gewinnung von Magen- oder Duodenalsaft
  • bei NG um Fehlbildungen auszuschließen (Ösophagusatresie / -stenose, Choanenverschluss)

Zugangswege und Sondenlagen

Es gibt drei Zugangswege für Ernährungssonden. Sie können nasal - über die Nase, oral - über den Mund oder perkutan über die Bauchdecke liegen. Orale Ernährungssonden liegen immer nur für sehr kurze Zeit.

Die Sonden können gastral - im Magen, duodenal - im Zwölffingerdarm oder jejunal - im Leerdarm liegen. Daraus ergeben sich folgende Sondenlagen: nasogastral, nasoduodenal, nasojejunal.

Eine PEG ist eine perkutane endoskopische Gastrostomie. Ein Stoma ist ein künstlicher Ausgang. Eine PEJ ist eine perkutane endoskopische Jejunostomie.

Sondenmaterial

PVC

Die Abkürzung PVC steht für Polyvinylchlorid. Das Innenlumen dieser Sonde ist relativ groß und die Wand ist relativ dünn. PVC enthält Weichmacher, die sich innerhalb kurzer Zeit aus dem Material herauslösen und es hart und spröde werden lassen. Sonden aus PVC erhöhen die Gefahr von Drucknekrosen und der Patient verspürt ein starkes Fremdkörpergefühl. Die Einsatzzeit ist nur kurzfristig, die Sonde muss täglich gewechselt werden. Sie wird zum Absaugen benutzt, zur Ernährung ist sie nicht geeignet.

Silikon und Polyurethan

Silikonsonden haben nur ein kleines Lumen und eine dicke Wand. Sonden aus Polyurethan haben sehr dünne Wände und dafür ein großes Innenlumen. Beide Materialien enthalten keine Weichmacher, das Material ist sehr weich. Sie haben eine hohe Biokompatibilität und der Patient spürt nur ein geringes Fremdkörpergefühl. Sie können längerfristig liegen, transnasale Sonden mehrere Wochen und perkutane Sonden mehrere Monate bis Jahre. Sie dienen der enteralen Ernährung.

Weitere Informationen über Sonden

Die Länge von Sonden liegt zwischen 30 und 130 cm. Alle zehn cm markiert ein schwarzer Punkt. Auf vielen Sonden verläuft ein weißer Streifen der Länge nach. Er macht die Sonde röntgenecht - sie ist beim röntgen zu sehen. Der angegebene Durchmesser ist auf den Außendurchmesser der Sonde bezogen. Er wird in Charrière angegeben - 1 CH = 1/3 mm, 3 CH = 1 mm. Ernährungssonden haben einen Durchmesser zwischen 5 und 16 CH. Entleerungssonden haben einen Durchmesser von 12 bis 16 CH. Bei einer Magenspülung werden bei Erwachsenen Sonden mit einem Durchmesser ab 30 CH genommen. Das entspricht einem Durchmesser von 10 mm! Magensonden können einläufig, zweiläufig oder dreiläufig sein. Dementsprechend verlaufen in der Sonde bis zu drei getrennte Röhren.

Das Ansatzstüück der Magensonde wird Konus genannt. Auf den Konus kann eine Blasenspritze oder eine normale Spritze gesetzt werden. Das ist abhängig vom Konus-Durchmesser. Bei Kindern sollten nur norale Spritzen bis maximal 10 ml genommen werden. Die Öffnungen der Sonde am unteren Ende werden Augen genannt.

Legen einer Ernährungssonde

Voraussetzungen

  • Arztanordnung
  • Einwilligung des Patienten bzw. des Erzoehungsberechtigten
  • Nahrungskarenz von min. 6 Std beim Erwachsenen, beim Säugling auch auf Arztanordnung kürzer

Material

  • Magensonde + Reservesonde je nach Anordnung und Indikation
  • Schutztuch / Einmalunterlage
  • Gleitmittel: Instillagel oder Scandicain-Gel (bei Kindern kein Gleitmittel, sondern Sonde in Tee tauchen, bei Säuglingen Sonde mit Speichel im Mund befeuchten)
  • 50 - 100 ml Spritze (Blasenspritze) / 2 - 5 ml Spritze bei dünnen Ernährungssonden
  • Indikatorpapier zur Prüfung des pH-Wertes
  • Pflaster und Schere zum Fixieren
  • Klemme, Stöpsel zum Verschließen der Sonde
  • Ablaufbeutel mit Halterung
  • Nierenschale, Zellstoff, ggf. Prothesenschale
  • 1 Glas Wasser / Tee zum Trinken (wenn erlaubt)
  • Stethoskop
  • Handschuhe
  • Spatel, Taschenlampe zur Mundinspektion
  • Fettstift, Kuli oder Filzstift zur Markierung der Sonde
  • Alkoholtupfer
  • bei bewusstlosen Patienten ggf. Intubationsbesteck (nur Arzt, evtl. Absaugbesteck)
  • Materialien zur Vitalzeichenkontrolle
  • ggf. Utensilien fürUntersuchungen

Abmessen der Sondenlänge

Bei Kindern, Säuglingen und Neugeborenen wird zum Ausmessen der Sonde die untere Sondenspitze an die Nasenspitze angelegt. Von hier aus führt man die Sonde zum Ohrläppchen und von dort zu dem Mittelpunkt zwischen der unteren Sternumspitze und dem Bauchnabel. Diese Stelle wird markiert.

Bei Erwachsenen wird ebenfalls die untere Sondenspitze an die Nasenspitze angelegt und von dort zum Ohrläppchen geführt. Von hier aus geht mann allerdings weiter zur Magengrube, die links unterhalb der Rippen liegt.

Lagerung

erwachsene werden, sofern das möglich ist, in Onerkörperhochlagerung oder sitzend gelagert. Der Kopf ist, wenn möglich, leicht nach vorn gebeugt. Fall keine Oberkörperhochlagerung möglich ist, wird der Patient in eine Seitenlagerung gebracht, damit er eventuell hochgewürgten Mageninhalt nicht aspiriert.

Bei Säuglingen wird eine Halbschräglage von ungefähr 45° durchgeführt.

Vorbereitung Patient

  • Patient über den Vorgang informieren
  • Nase reinigen
  • alle losen Teile entfernen
  • Patient lagern
  • Bett abdecken

Durchführung

  • grundsätzlich eine ärztliche Tätigkeit, die an dreijährig examiniertes Pflegepersonal delegiert werden kann, Schüler dürfen nur im Beisein von Arzt oder dreijährig examiniertem Pflegepersonal eine Magensonde legen.
  • Bett abdecken
  • Nase inspizieren, größeres Nasenloch auswählen (ggf. kleineres wählen, um Atmung zu verbessern)
  • Sondenspitze mit Gleitmittel anfeuchten ohne die Öffnungen / Augen zu verschließen
  • Handschuhe anziehen
  • Patient Nierenschale in die Hand geben - falls er würgen muss, und damit er etwas in der Hand und etwas zu tun hat
  • Sonde geöffnet durch die Nase langsam, leicht drehend horizontal, an der unteren Nasenmuschel entlang einführen
  • nach ca. 10 cm befindet sich die Sondenspitze im Nasen-Rachen-Raum, Patienten haben oft Würgereiz durch den Fremdkörper im Rachen
  • Kopf nun leicht nach vorne beugen, dadurch wird ein Vorschieben in den Kehlkopf erschwert und der Ösophagus leichter erreicht
  • Patienten bitten gut durchzuatmen und zu schlucken; zur Unterstützung etwas Wasser oder Tee trinken lassen, beim Schlucken die Magensonde bis zur Markierung vorschieben
  • Patient während des Vorgangs auf Komplikationen beobachten:
    • Vagusreizung mit Bradykardie und Herzrhythmusstörungen
    • Widerstand beim Schieben - Sonde ein Stück zurückziehen und erneut, leicht drehend vorschieben
    • Zyanose, starker Husten - Sonde liegt in Luftröhre
    • Sonde ist im Mund zu sehen, ggf. aufgerollt - Sonde zurückziehen und erneut vorschieben, zum Erkennen zwischendurch Mundinspektion durchführen
  • korrekte Lage der Sonde überprüfen (s.u.)
  • Legen der Magensonde durch den Mund ist ebenfalls möglich, jedoch schwieriger, da es zu einem starken Würgereiz kommen kann
  • Fixieren der Sond (s.u.)
  • bei permanenter ableitung des Magensekrets Sonde an Sekretauffangbeutel anschließen

Bei Bewusstlosigkeit

  • besondere Vorsicht geboten, da der Schluckreflex häufig fehlt
  • Beobachten des Aussehens während die Sonde gelegt wird
  • Legen in Seitenlage
  • Einführen der Sonde geschieht unter Zuhilfenahme eines Laryngoskops, Magillzange und Taschenlampe durch den Arzt

Prüfen der Sondenlage

pH-Wert-Kontrolle

Mit pH-Indikatorpapier oder Lackmuspapier wird der spontane bzw. gewonnene Magenrücklauf auf seinen pH-Wert überprüft. Eine saure Reaktion deutet auf die Sondenlage im Magen hin. Bei alkalischer Reaktion muss unbedingt die Luftinsufflation erfolgen, da keine eindeutige Aussage über die Sondenlage möglich ist.

Luftinsufflation

eine geringe Menge Luft, d.h. bei Früh- und Neugeborenen 0,5 bis 1 ml, bei älteren Kindern 5 ml, wird in die Sonde gegeben. Durch Auskultation der Magengegend mit einem Stethoskop ist die austretende Luft aus der Sondenspitze als "gurgelndes, blubberndes" Geräusch hörbar. Die Luft muss danach wieder abgezogen werden, hierbei kann man häufig Magensekret gewinnen. Die Sonde könnte auch über dem Mageneingang im Ösophagus liegen und der Lufteinstrom wird dennoch als fortgeleitetes Geräusch der in den Magen eindringenden Luft hörbar sein.

Inspektion

Der Patient wird auf äußere Zeichen inspiziert - läuft er blau an oder hat einen Hustenreiz, liegt Magensonde in der Luftröhre. Eine Inspektion des Mund-Rachen-Raums dient zum Ausschluss einer dort aufgerollten Sonde.

Mögliche Komplikationen

  • Schleimhautverletzungen
  • Aufrollen der Sonde im Mund-Rachen-Raum
  • Sonde gelangt in die Trachea
  • Vagusreizung im Rachenraum - Bradykardie oder Apnoe
  • Würgereiz, Erbrechen, Gefahr der Aspiration
  • Perforation des Ösophagus oder des Magens (besonders bei Frühgeborenen oder zu starrer Sonde)
  • Blutungen von Ösophagusvarizen
  • Verletzungen im Bereich der physiologischen Verengungen des Ösophagus (besonders bei dicken Sonden)

Pflegemaßnahmen bei liegender Sonde

Vor jeder Sondenkostgabe oder mindestens einmal täglich muss die Lage der Sonde und ihre Durchgängigkeit geprüft werden. Das wird mit den oben beschrieben Mitteln durchgeführt.

Zum Spülen der Sonde dürfen nur bestimmte Flüssigkeiten verwendet werden - nur Wasser (stilles MIneralwasser) und ungesüßter Tee. Es sollten keine Fruchtsäfte oder Softdrinks verwendet werden, weil diese die Sonde verkleben. Man sollte keinen schwarzen oder roten Tee verwenden. Bei Erwachsenen spült man mit ungefähr 10-30 ml, bei Neugeborenen 2-5 ml und bei Frühgeborenen ab 1 ml. Die Spülung sollte vor und nach jeder Nahrungsverabreichung und Medikamentenverabreichung durchgeführt werden.

Mund und Nase müssen auf Verkrustungen, Druckstellen, Sekret, Hautreizungen inspiziert werden. Außerdem muss auf eine Austrocknung der Mundschleimhaut und auf Mund-Soor geachtet werden.

Zweimal täglich soll eine Nasenpflege durchgeführt werden. Dabei soll auch die Sonde umgeklebt werden und das Pflaster gewechselt. Außerdem muss auch eine Mundpflege durchgeführt werden und unmittelbar vor der Sondengabe ein Kautraining gemacht werden, damit der Magen anfängt zu arbeiten.

Pneumonieprophylaxe: durch vermehrte Mundatmung ist die Gefahr einer Pneumonie gesteigert. Der Patient soll Atemtraining machen.

Bei PVC-Sonden muss täglich die Sonde gewechselt werden.

Bei Patienten mit Sonden muss auf die Stuhlentleerung geachtet werden. Außerdem wird auf das Wohlbefinden und die Atmung der Patienten geachtet.

Entfernen einer Magensonde

Material

  • Zellstoff
  • Handschuhe
  • Spritze
  • Materialien zur Mund- und Nasenpflege

Durchführung

  • Patienten informieren, genaues Vorgehen absprechen
  • Magensaft mit der Spritze aspirieren - Aspiration während der Maßnahme soll vermieden werden
  • Sonde im abgeklemmten / geschlossenen Zustand ziehen
  • Patienten bitten tief durchzuatmen
  • während der Ausatmung die Sonde zügig ziehen - Patient konzentriert sich besonders auf seine Atmung, Aspiration während der Ausatmung ist geringer
  • Vorgang wiederholen, d.h. MAgensonde etappenweise ziehen, dabei die Magensonde um die Hand aufrollen
  • abschließend eine gute Mund- und Nasenpflege durchführen
  • Krankenbeobachtung nach der Maßnahme: Erbrechen, Reflux, Sodbrennen
  • Dokumentation

Bei Bewusstlosigkeit

Bewusstlose Patienten sind häufig gleichzeitig intubiert. Magensonden werden meist gewechselt, nicht endgültig entfernt. Entfernen erfolgt nur bei vorhandenen Schluckreflexen des Patienten.

  • Absauggerät und Absaugkatheter bereitstellen
  • Mund- und Rachenhöhle vorher absaugen

PEG

Die perkutane endoskopische Gastrostomie ist die Anlage einer Ernährungssonde mit Hilfe eines Endoskops durch die Bauchwand in den Magen.

Die Indikation ist eine langfristige Sondenernährung über mehrere Monate, z.B. bei Mukoviszidose, Kachexie, Tumoren im Hals-Nasen-Ohrenbereich oder Zahn-Mund-Kieferbreich.

Kontraindikationen:

  • Kurz- und mittelfristige Sondenernährung
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Veränderungen der Magenschleimhaut
  • Infektionen im gastralen Bereich
  • Passagestörung im Darmbereich
  • Peritonitis (Bauchfellentzündung)
  • massive Ascitis

Legen der PEG

Das Legen der PEG ist ein ärztlicher Eingriff

Vorbereitung

  • Aufklärung über den Eingriff (Technik, Risiken, spätere Versorgung) durch den Arzt
  • Unterschriebene Einwilligung muss vorliegen
  • Erstellung von Gerinnungsstatus, Blutgruppe, Blutbild, EKG und Röntgen-Thorax
  • Venöser Zugang wird vom Arzt angelegt
  • Körperpflege inklusive ausgiebiger Mund-, Zahn- und Rachenhygiene und Rasur des Bauchbereichs am Tag der Anlage
  • mindestens 8 Stunden Nahrungskarenz

Vorgehensweise bei der Fadenzugtechnik

  • Das Endoskop wird in den Magen eingeführt. Die Lichtwuelle an der Spitze des Gerätes ist durch die Bauchdecke sichtbar, so dass der Magen durch die Bauchdecke punktiert werden kann.
  • Ein Führungsfaden wird durch die Punktionskanüle vorgeschoben und vom Endoskop mit dem Entfernen des Endoskops nach oben durch den Mund herausgezogen
  • An dem oralen Fadenende wird die Sonde befestigt und in den Magen durch die Punktionsstelle nach außen geführt.
  • Die innere Rückhaltescheibe wird durch das Anziehen der Sonde an die Magenwand gezogen.
  • Der Führungsfaden wird entfernt, die äußere Halteplatte zur Sondenfixierung angebracht, ebenso Ansatz- und Verschlussstücke. Die Sondenlage wird markiert.
  • Der Katheter ist durch zwei Haltevorrichtungen gesichert: Haltescheibe an der Innenseite des Magens und sichtbare Halteplatte an der Bauchdecke. Die Zahlenmarkierung an der Austrittstelle wird für die weitere Lagekontrolle dokumentiert.

Nachbereitung

  • Röntgenkontrolle nach der Anlage
  • Zugbelastung auf die Sonde vermeiden (Drucknekrose)
  • Nach Anlage hat der Patient 6 Std. Nahrungskarenz wegen des Eingriffs und um ein sicheres Abschließen des Schlauches zum umliegenden Gewebe zu erreichen.

 Pflegerische Versorgung

Beobachtung

  • engmaschige Überwachung von Puls, atmung und Blutdruck
  • erste Nahrungszufuhr nach 6 Std. (Tee oder Wasser), um Undichtigkeiten oder andere Fehlfunktionen des Systems frühzeitig zu erkennen
  • in den ersten Std. nach dem Eingriff den Verband auf Durchblutung überprüfen
  • Auf Auftreten von evtl. Komplikationen achten (Sepsis, Peritonitis etc.)

Wundversorgung

  • in der ersten Woche täglich Verbandswechsel
  • bei reizlosen Wundverhältnissen anschließend 1-2 mal wöchentlich
  • der Verbandswechsel erfolgt entsprechend den Prinzipien des aseptischen Verbandswechsels

Material zum Verbandswechsel

  • Hautdesinfektionsmittel
  • unsterile Einmalhandschuhe
  • sterile Tupfer zum Reinigen der Einstichstelle
  • sterile Schlitzkompresse zum Abdecken der Einstichstelle
  • sterile Kompresse zum Abdecken der Halteplatte
  • 2 Pflaster zum Fixieren (Fixomull), im Vorfeld auf die richtige Größe schneiden, 1 zum Fixieren des Verbands und 1 zum Fixieren der Sonde
  • Je nach Vorgehensweise: sterile Einmalhandschuhe und eine sterile Pinzette

Durchführung des Verbandswechsels

  • Hände waschen und desinfizieren, unsterile Einmalhandschuhe anziehen
  • alten Verband entfernen, Einmalhandschuhe entfernen
  • Händedesinfektion
  • Halteplatte lösen und so weit zurück schieben, dass der Wundbereich sorgfältig gereinigt werden kann, dabei beachten, dass die Markierung über dem Hautniveau bleibt
  • Tupfer mit Hautdesinfektionsmittel tränken / bei Erwachsenen sprühende Desinfektion, Einwirkzeit beachten
  • sterile Handschuhe anziehen / sterile Pinzette verwenden oder Non-Touch-Technik
  • Zuerst von der Sondenaustrittsstelle her den Wundbereich reinigen
    • Wischrichtung aseptisch - von innen nach außen
    • septisch - von außen nach innen
  • Anschließend die Sonde und die Unterseite der Halteplatte reinigen
  • Pflasterreste vorsichtig von der Haut und der Sonde entfernen
  • Sonde beim Reinigungsvorgang zur Sicherung vorsichtig an die Bauchdecke ziehen
  • die Austrittstelle auf Rötungen, Schwellungen, Entzündungen, Absonderungen und schmerzhafte Stellen beobachten
  • Sonde im Einstichbereich leicht drehen und vorsichtig vor- und zurückschieben um Verklebuung mit der Mageninnenwand zu vermeiden
  • die Schlitzkompresse zwischen Haut und Halteplatte legen
  • Halteplatte zurückschieben und SOnde fixieren, dabei auf Markierung achten
  • mit Kompresse die Halteplatte abdecken
  • Verband mit Fixomull schließen - nicht zu fest ziehen, um Nekrosen an der Mageninnenwand zu vermeiden
  • Sonde ohne Zug mit dem schmalen Pflasterstreifen sichern
  • Material entsorgen
  • Händedesinfektion
  • Verbandswechsel und Zustand der Wunde dokumentieren
  • Wichtig: häufigste Komplikation ist die lokale Wundinfektion, daher Verbandswechsel sorgfältig durchführen!

Hautpflege

Zum Erhalt einer intakten Haut muss die Eintrittsstelle sauber und trocken gehalten werden. Nach vollständiger Abheilung der Wunde und reizfreier Eintrittstelle erfolgt die Pflege mit Wasser und pH-neutraler Waschlotion. Es werden keine Hautdesinfektionsmittel benutzt um die physiologische Hautflora auf Dauer nicht zu verändern. Ein Verband ist nicht mehr notwendig, kann aber Manipulation an der Sonde verhindern, z.B. bei Kindern.

Komplikationen

  • Wundinfektion, lokale Entzündungen, durch unhygienisches Handling
  • Peritonitis
  • Bauchdeckenhämatom
  • Pneumoperitoneum (Eindringen von Luft in den Peritonealraum)
  • gastrale Drucknekrosen durch zu starken Zug der inneren Halteplatte gegen die Magenwand
  • Dislokation der Sonde
  • Verstopfung der Sonde - Spülen auch nach Flaschenwechsel
  • bei jeder Veränderung oder Auffälligkeiten umgehend den Arzt informieren
  • defekte äußere Halteplatten oder Ansatzstücke sind von den Herstellern zu reparieren oder auszutauschen

Psychosoziale Betreuung von Patient und Angehörigen

  • Patient und Angehörige frühzeitig mit in das Behandlungs- bzw. Versorgungskonzept einbeziehen
  • Die Hilfestellung während des klinischen Aufenthalts soll die Schulung im Umgang mit der PEG, die Prophylaxen und die Vorbereitung auf die Zeit nach dem Klinikaufenthalt umfassen

Entfernung der liegenden PEG

Die Sonde wird gastroskopisch entfernt. Sie darf nicht gewaltsam durch die Bauchdecke nach außen gezogen werden.

Sondenkost

Nährstoffdefinierte Formeldiät (NDD)

Die NDD enthält hochmolekulare Nährstoffe - die Nährstoffe müssen noch gespalten werden. Die Nahrung ist (fast) plasma-isoton.

Die NDD ist trinkbar - eignet sich für die Gabe in den Magen. Die Mikroflora und die Darmfunktionen werden kaum verändert. Der Patient leidet seltener an (osmotischen) Durchfällen als unter CDD. Die NDD ist außerdem preiswert.

Die NDD erfordet (fast) die volle Verdauungsleistung vom Darm, da die Nährstoffe noch gespalten werden müssen.

Chemisch definierte Elementardiät (CDD)

Die CDD enthält niedermolekulare Nährstoffe, die nicht mehr aufgespalten, sondern nur resorbiert werden müssen. Die Nahurng ist plasma-hyperton.

Die CDD erfordert kaum Verdauungsleistung vom Darm, daher ist sie auch bei Darmerkrankungen einsetzbar. Der Patient hat nur eine minimale Stuhlmenge.

Die CDD hat einen schlechten Geschmack. Sie ist unohysiologisch, das macht eine rasche Umstellung auf Normalkost nicht möglich. Bei Langzeitanwendung besteht die Gefahr einer Dünndarmatrophie, Rückbildung der Zotten, Übelkeit, erbrechen und Durchfällen. Die CDD ist außerdem recht teuer.

Oligopeptiddiät

Die Oligopeptiddiät ist ähnlich wie die CDD, nur sind hier die Aminosäuren bereits in einzelne Oligopeptide / kurze Aminosäureketten gespalten. Die Nahrung ist nur gering plasma-hyperton.

Die Oligopeptiddiät hat einen besseren Geschmack als die CDD. Sie verursacht außerdem seltener Durchfälle und Darmatrophie als CDD.

Sie ist allerdings ebenfalls recht teuer.

Herstellung von Sondenkost

  • Haltbarkeitsdatum beachten, auf Verklumpungen und Ausfällungen achten - Flaschen und Beutel nicht in die pralle Sonne stellen - fördert Keimwachstum
  • Sondenkost unmittelbar vor Verabreichung nach Vorschrift herstellen
    • Flasche gut schütteln
    • in Wasserbad oder Mikrowelle (Herstellerangaben) erhitzen
    • Zimmertemperatur bis maximal 37 °C
    • Flasche anschließend außen gut abtrocknen
    • Trockensubstanz nur mit abgekochtem Wasser auflösen, um bakterielle Kontamination zu vermeiden
    • nur saubere und trockene Geräte benutzen
    • angebrochene Flaschen sind 24 Stunden im Kühlschrank haltbar
  • Spritzen nach Gebrauch verwerfen bzw. gründlich mit Wasser reinigen, in ein sauberes Tuch einschlagen, können 24 Stunden aufbewahrt und wiederverwendet werden.
  • Ernährungspumpe und Haltesystem einmal tägliuch reinigen

Material zur Applikation

  • Gefäß mit der vorbereiteten Sondenkost (Kännchen, Messbecher)
  • Gefäß mit Tee oder Wasser (zur Spülung)
  • Spritze mit KOnus je nach Sonde zur Nahrungsapplikation Blasenspritze oder 5-20 ml Spritze

Oder:

  • Beutel oder Flasche mit vorbereiteter Sondenkost und Überleitungsgerät
  • bei Schwerkraftapplikation Infusionsständer, bei mobilen Patienten Umhängetasche

 

  • Ernährungspumpe bei entsprechender Applikation
  • Zellstoff / Unterlage / Serviette
  • steriler Verschlussstöpsel für die Sonde
  • Material zur Mundpflege, Material zur Lagekontrolle
  • ggf. Medikamente

Vor der Sondierung

  • Händedesinfektion, bei immungeschwächten Patienten sterile Handschuhe
  • Absprache mit Patient, ggf. Anleitung zur eigenen Durchführung
  • Mundpflege
  • Lagekontrolle, Magenentleerungskontrolle - beim Erwachsenen dürfen sich bis zu 100 ml im Magen befinden, darüber mit Arzt abklären, beim Kind wird der Mageninhalt teilweise zur nächsten Gabe dazugerechnet; der Mageninhalt wird resondiert, außer wenn er blutig oder gallig aussieht

Verabreichung als Bolus-Gabe mit Spritze oder Trichter

  •  nur geeignet bei hochmolekularer Kost und gastraler Lage der Sonde
  • Portion laut Arztanordnung verbareichen:
  • Flüssigkeit langsam in den Spritzenzylinder / Trichter gießen
  • nicht gnaz leer laufen lassen - Luft gelangt in den Magen (Völlegefühl, Blähungen etc.)
  • oder Eingeben der Sondenkost mittels Kolbens langsam ohne großen Druck
  • Menge: 15-30 ml/min je nach Herstellerangaben und Anordnung

Verabreichung mittels Flasche mit Überleitungssystem

  • Nach Erwärmung Flasche erneut gut schütteln, Aufhängevorrichtung befestigen
  • Überleitungsgerät aus Verpackung nehmen - Vorsicht! Nicht mit Systemen zur i.v. -Verabreichung verwechseln!
  • Flaschenverschluss entfernen, Anschluss auf die Flasche stecken
  • Durchflussregler schließen
  • Flasche umgekehrt nach oben halten und Tropfkammer füllen
  • Durchflussregler öffnen und Sondennahrung bis zum Schlauchende fließen lassen - Schlauch im Überleitungssystem muss luftleer sein
  • Flasche an Infusionsständer hängen und zum Patienten bringen

Verabreichung mittels Beutel mit Überleitungssystem

  • Sondenkost herstellen, Kost in den Beutel füllen
  • Durchflussregler öffnen und Überleitungsgerat mit Sondenkost füllen (luftleer)
  • Beutel an Infusionsständer hängen und zum Patienten bringen

 

  • Schutzkappen von Sonde und Überleitungsgerät entfernen und beide verbinden
  • Durchflussregler öffnen und Tropfgeschwindigkeit einstellen - Menge abhängig von Nahrungsaufbau, Herstellerangaben und Anordnung
  • bei portionsweiser Verbareichung über Tropfsystem Ende der SOndierung abpassen, um rechtzeitig vor Verkleben Flüssigkeit nachlaufen zu lassen
  • Überleitungssystem spätestens alle 24 Stunden wechseln
  • Beutel nach jeder Verabreichung aufbereiten (siehe Spritze)
  • Beutel mit angeschweißtem Überleitungsgerät nach Verabreichung verwerfen

 Sondierung mit Ernährungspumpe

  • Überleitungsgerät nach Herstellerangaben in die Ernährungspumpe einlegen
  • Überleitungsgerät mit Sonde verbinden
  • Pumpe einschalten, Förderrate einstellen
  • Pumpe alle 24 Stunden reinigen
  • Vorsicht: keine Infusionspumpen verwenden!

Einlaufgeschwindigkeit

Nahrung langsam sondieren - laut Herstellerangaben.

  • Erwachsene 100 ml in 5-10 min
  • Frühgeborene und junge Säuglinge 5 ml in 5-10 min
  • ältere Kinder ca. 10 ml pro Minute

Beim Sondieren ist zu achten auf...

  • Aspirationsgefahr durch Hochwürgen, Erbrechen, Verrutschen der Sonde
  • Patient/Kind darf sich die Sonde nicht ziehen können
  • Bei Auffälligkeiten und Veränderungen ist der Sondierungsvorgang abzubrechen und die Ursache herauszufinden, Überprüfung der Sondenlage
  • Bei Verdauungsproblemen die Ursache herausfinden, z.B. Kost falsch temperiert, Luft sondiert, kontaminierte Kost etc.
  • keine Sondierung bei Blutungen, bei Verdacht auf Ileus oder unbeherrschbarem Erbrechen

Nach der Sondierung

  • nach Verabreichung der Sondenkost mit bis zu 30 ml Tee / Wasser nachspülen
  • anschließend Sonde abklemmen bzw. abstöpseln
  • Patient ca. 20 Minuten in aufrechter Position lassen (geringere Refluxgefahr)
  • Hängezeit: selbst zubereitete NAhrung maximal 4 Stunden, sterile fertige Nahrung maximal 6-8 Stunden (Aufbrauchzeit)

Anforderungen an Sondenkost

  • muss steril sein
  • ausreichend Nährstoffe enthalten
  • leicht zuzubereiten
  • Flüssigkeitszufuhr muss gedeckt werden

Der Arzt ordnet an

  • Zusammensetzung
  • Menge
  • Häufigkeit / Zeitabstand
  • Geschwindigkeit
  • Flüssigkeit
  • Art der Applikation

Bolus-Gaben

  • 6 bis 8 Portionen
  • bis zu 300 ml pro Portion
  • eigentlich nur bei im Magen liegender Sonde
  • möglichst nach den Essenszeiten gerichtet

Medikamentengabe - Hinweise zur Verabreichung

  • alle Medikamente zermörsern - sauberen Porzellanmörser verwenden
  • jedes Medikament beim Erwachsenen mit 10 ml Wasser oder Kräutertee auflösen (Frühgeborene, Neugeborene, Säuglinge und Kinder nach Anordnung, meist 1-2 ml)
  • Medikament muss vollständig in Flüssigkeit aufgenommen werden, um die Sonde nicht zu verstopfen
  • vor und nach der Gabe der Medikamente die Sonde mit 20 ml durchspülen
  • möglichst flüssige orale Medikamente verwenden (Tropfen, Säfte etc.), sirupähnliche Medikamente verdünnen
  • Braustabletten auf 50-90 ml verdünnen (Neugeborene, Säuglinge und Kinder auf Anordnung)
  • Medikamente niemals in die Sondennahrung geben - Auslfokcungen, pH-Wert-Verschiebungen
  • zeitlichen Abstand zur Nahrungsaufnahme beachten
  • vorbereitetes Medikament entsprechend gekennzeichnet in nicht i.v.-fähiger Spritze aufbewahren, da es sonst zu gravierenden Verwechslungen kommen kann
  • Erwachsene: zwischen zwei Medikamenten mit mindestens 10 ml Flüssigkeit spülen, abschließend mit mindestens 20 ml Wasser spülen (Neugeborene, Säuglinge und Kinder nach Anordnung)
  • verabreichte Gesamtmenge an Flüssigkeit sollte pro Medikamentengabe 250 ml nicht überschreiten

Einige Medikamente dürfen in ihrer Darreichungsform nicht verändert werden. Vor dem Zermörsern immer Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker halten!

Dokumentation

  • Zeitpunkt des Legens und Zeitpunkt des nächsten Sondenwechsels
  • Sondenart, -größe und -lage
  • Zugangsweg / bei nasalen Sonden Nasenseite
  • Besonderheiten beim Legen
  • Magenrest / Sekretmenge
  • Besonderheiten bei der Sondierung
  • Unverträglichkeiten
  • Okklusion / Verstopfung der Sonde
  • Befinden des Patienten / Patientenbeobachtung

 

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