Themen der ersten Gruppenarbeit

Einflussfaktoren auf die Arzneimittelreaktion

Einflussfaktoren

Es gibt sehr viele verschiedene Einflussfaktoren. Einige davon sind:

  • die genetische Ausstattung
  • das Geschlecht
  • das Alter
  • die Ernährung
  • die Körpergröße (größerer Mensch - größere Dosis)
  • andere Erkrankungen
  • die vorschriftsgemäße Einnahme

Einflussfaktoren können es dem Arzt erschweren ein passendes Medikament zu finden, besonders wenn der Patient mehrere Medikamente nimmt.

Arten von Wirkungen

Die verstärkte Wirkung kann auftreten, wenn zwei AZM mit derselben Wirkung eingenommen werden, weil sich dadurch die therapeutische Wirksamkeit und die Nebenwirkungen intensivieren können.

Die aufgehobene Wirkung tritt auf, wenn zwei Medikamente genommen werden, die sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig mindern. Die Pille wird durch Antibiotika aufgehoben.

Die veränderte Wirkung entsteht, wenn Aufnahme, Verteilung, Abbau und Ausscheidung eines Wirkstoffes durch andere Arzneistoffe verändert werden.

Wechselwirkungen

Von Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln oder mit Lebensmitteln spricht man, wenn sich zwei im selben Zeitfenster eingenommene Medikamente bzw. Lebensmittel gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen. Wechselwirkungen kann es zwischen allen AZM geben. Es sind Interaktionen mit Alkohol möglich (Eingriff in die Körperfunktionen). Wechselwirkungen zwischen Medikamenten werden selten therapeutisch genutzt, da häufig unerwünschte Reaktionen auftreten. Die Wechselwirkung verursacht eine Veränderung der Wirkstärke, der therapeutischen Wirksamkeit und dem Spektrum der unerwünschten Wirkungen

Man kann das Risiko von Wechselwirkungen verringern:

  • Wenn der Hausarzt eine Liste mit allen Medikamenten und Krankheiten hat
  • Wenn man in der Apotheke eine Patientenkarte hat, die alle Medikamente speichert
  • Wenn man sich über Zweck, Wirkungsweise und Nebenwirkungen der Medikamente informiert (Beipackzettel)
  • Wenn man die Verordnungshinweise befolgt und eventuell die Medikamente zu verschiedenen Tageszeiten nimmt
  • Wenn man auftretende Symptome dem Hausarzt oder Apotheker mitteilt
  • Wenn bei Behandlung durch mehrere Ärzte jeder alles weiß
  • Wenn man sich mit dem Apotheker abspricht bei frei verkäuflichen AZM, bei gesundheitlichen Problemen und bei verschreibungspflichtigen AZM

Arzneimittelverabreichung

Aufbewahrungsort

Jede Station wird regelmäßig nach Aufforderung imt AZM beliefert. Die AZM werden in einem vorgesehenen Raum gemäß der Lagerungsvorschriften aufbewahrt. Besonders zu beachten sind die Lagerungstemperatur, ggf. Lichtschutz, trockene und saubere Umgebung, Einordnung orientiert am Verfallsdatum oder nach "First-In-First-Out"-Prinzip. Es gibt ein besonderes Fach für Betäubungsmittel.

Vorbereitung von Arzneimitteln

Die AZM werden kurz vor der Verabreichung von der betreuenden Pflegeperson am sauberen, desinfizierten Arbeitsplatz gerichtet. Empfehlenswert ist es, nur für einen Patienten die verordnete AZM-Gabe zu richten um Verwechslungen auszuschließen. Auch beim Transport ins Patientenzimmer sollte das Einzeldosissystem gewählt werden. Beim Richten der AZM auf ärztlicher Anordnung gibt es ein Dokumentationssystem, in dem alles schriftlich fixiert wird und was der Arzt gegenzeichnen muss. Auf manchen Stationen gibt es auch speziell dafür vorgesehene Verordnungsblätter.

Bei der AZM-Vorbereitung muss auf den Verwendungszeitraum geachtet werden. außerdem muss mit den Kollegen abgesprochen werden, um einen mehrfachen Anbruch von Medikamenten zu vermeiden. Die Entnahme sollte hygienisch durchgeführt werden, um eine Kontamination zu vermeiden, es gilt das "Non-Touch"-Prinzip.

Fünfer-Regel

1. Richtiges AZM

  • Präparate mit Namensähnlichkeit nicht verwechseln
  • Verfallsdatum beachten

2. Richtiger Patient

  • Vor- und Zuname überprüfen

3. Richtige Dosierung

  • richtige Konzentration des Medikaments
  • Umrechnung von angeordneten ml- und mg-Angaben (bei Unsicherheit von Kollegen überprüfen lassen

4. Richtige Applikationsart

  • prüfen, ob die Darreichungsform für die angeordnete Applikationsart geeignet ist

5. Richtiger Zeitpunkt

  • die wirkungsvollste Einnahmezeit dem Beipackzettel entnehmen
  • angeordneten Verabreichungszeitpunkt einhalten

Die Arzneimittelverabreichung

Die Pflegeperson ist verantwortlich für die Hilfestellung, die Überwachung und die Dokumentation.

Kleinkinder sollten Tabletten zerkleinert und in etwas Flüssigkeit gelöst auf einem Plastiklöffel verabreicht bekommen. Es werden Messlöffel genommen zur genauen Dosierung von z.B. Säften. Die Messlöffel müssen hygienisch gereinigt werden. Tropfpipetten werden auch zur genauen Dosierung verwendet. Das AZM wird entweder auf einen Löffel gegeben oder in ein Glas mit etwas Flüssigkeit zum Trinken gegeben. Die Pipette darf nicht mit dem Kind in Berührung kommen.

Säuglinge dürfen keine Tabletten oder Kapseln einnehmen, wegen der Aspirationsgefahr. Die Medikamente werden in Einmalspritzen aufgezogen und dem Kind langsam und vorsichtig in den Mund geträufelt. Danach wird dem Kind die Flasche gegeben, es sei denn, das AZM ist vor oder nach den Mahlzeiten einzunehmen. Dann muss eine Stunde gewartet werden.

Arzneimittel dürfen nicht in Nuckelflaschen gegeben werden, da der Geschmack sich verändert und das Kind die Nahrung und Trinken verweigert. Es ist nicht sichergestellt, wie viel das Kind von dem AZM bekommen hat. Erbricht das Kind nach kurzer Zeit nach der Arzneimittelgabe muss der Arzt darüber informiert werden.

Größere Kinder, die kleine Kapseln schlucken können, werden bei der Einnahme unterstützt und motiviert. Sie bekommen viel Trinken angeboten. Die Kapseln können auch in Obstpüree oder auf einem Löffel aufgenommen werden.

Betäubungsmittel

Die Herstellung, Verordnung, Abgabeform und -menge ist gesetzlich durch das Betäubungsmittelgesetz geregelt. Die Medikamente müssen unter Verschluss aufbewahrt werden. Den Schlüssel bekommt die Stations- oder Schichtleitung. Zur genauesten Dokumentation gibt es ein spezielles Betäubungsmittelbuch. Eingetragen werden das Entnahmedatum, die Präparatbezeichnung, die Darreichungsform, die Dosisangabe und die Applikationsart. die Organisation folg über den BTM-Anforderungsschein mit Unterschrift des Oberarztes oder des Chefarztes der Abteilung.

Nebenwirkungen

AZM haben Hauptwirkungen, aber auch Nebenwirkungen. Dazu muss der Beipackzettel beachtet werden. Mögliche Symptome muss die Pflegeperson beobachten auf Störungen im Bereich des Bewusstseins (Müdigkeit), der Haut und Schleimhäute (Jucken, Ausschlag), der Verdauung (Durchfall) und der Vitalfunktionen (Fieber, Durchblutungsschwankungen). Diese Begleiterscheinungen von AZM beeinflussen auch andere Lebensaktivitäten und sind bei der Pflege zu berücksichtigen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen kann man als allzu starke, therapeutische Wirkungen ansehen. Die Ursachen dafür sind

  • Überdosierung
  • Überempfindliche Reaktion
  • Wenn ein Medikament den Abbau eines anderen Medikaments verlangsamt, da die Konzentration im Blut ansteigt
  • allergische, überempfindliche Reaktion aufgrund genetischer Besonderheiten
    • Hautausschläge
    • Gelbsucht
    • Blutarmut
    • Nierenschäden
    • Nervenschäden
    • Schäden, die Hör- und Sehvermögen betreffen

Nutzen-Risko-Abwägung

Der Arzt muss vor der Verordnung eines AZM zunächst die Risiken der Behandlung gegen die Risiken abwägen, die zu erwarten sind, wenn keine medikamentöse Therapie erfolgt. Er muss den zu erwartenden Nutzen des gewählten AZM und das mögliche Risiko einander gegenüberstellen. Wenn der erwartete Nutzen das mögliche Risiko nicht übersteigt, ist der Einsatz des AZM nicht gerechtfertigt. In die Abwägung von Nutzen und Risiko einer Verordnung gehen der Schweregrad der Erkrankung und die Wirkung auf Lebensqualität des Patienten mit ein. Hier spielen außerdem die Einflussfaktoren eine große Rolle. Vor allem die Mehrfachmedikation erhöht die Nebenwirkungen.

Abhängigkeit vom Alter

Säuglinge und Kleinkinder haben ein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko, weil die Fähigkeit, AZM um- und abzubauen noch nicht voll entwickelt ist. Neugeborene können das Antibiotikum Chloramphenical nicht verarbeiten und ausscheiden - Grey-Syndrom. Kinder die bei der Zahnentwicklung Tetrazyklin erhalten, bekommen eine dauerhafte Verfärbung de Zahnschmelzes. Kinder und Jugendliche, die bei Grippe und Windpocken Acetylsalicylsäure erhalten, bekommen das Reye-Syndrom.

Ältere Menschen haben ein höheres Nebenwirkungsrisiko, weil sie oft mehrere Medikamente nehmen. Die Leber ist weniger in der Lage die Madikamente zu verarbeiten und die Niere kann die Medikamente nicht mehr ausscheiden. Dadurch treten unerwünschte Wirkungen auf.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten keine AZM genommen werden, weil es dem Kind schaden kann. ACE-Hemmer gegen Bluthochdruck und Angiotension-II Rezeptorenblocker sind besonders gefährlich, ebenso Alkohol und Nikotin. Nach der Schwangerschaft können die Stoffe die Milch erreichen. Man sollte die Einnahme vermeiden oder unter ärztlicher Aufsicht durchführen und mit dem Arzt absprechen, was man einnehmen darf.

Arzneimittelallergien

Das sind allergische Reaktionen auf einen bestimmten Wirkstoff, z.B. in einem Medikament. Eine geringe Menge reicht von einem bestimmten Wirkstoff aus, um eine allergische Reaktion hervorzurufen. Die allergischen Reaktionen können leicht, aber auch lebensbedrohlich sein. Symptome sind Hautausschlag, Juckreiz, Fieber, Atemnot, Blutdruckabfall. AZM-allergien sind nicht vorhersehbar. Sie treten erst auf, wenn man bereits mindestens einmal Kontakt mit dem jeweiligen Mittel gehabt hat ohne eine allergische Reaktion zu zeigen. Leichte Reaktionen kann man mit Antihistaminikum behandeln und lebensbedrohliche Reaktionen unter Umständen mit Adrenalin und später Kortison.

wenn zwei Mittel gleich gut wirken, wählt der Arzt meist das Mittel mit der geringeren Gefahr einer Vergiftung durch Überdosierung. Kleine Kinder sind besonders gefährdet, weil für sie bunte Tabletten oder Kapseln verlockend aussehen. Zum Schutz kann man Flaschen mit Kindersicherungen nehmen.

Therapietreue bei der Arzneimittelbehandlung

Therapietreue (Compliance) ist die Zuverlässigkeit des Patienten die verschriebenen Medikamente so einzunehmen, wie der Arzt sie verordnet hat: regelmäßig, zur vorgeschriebenen Zeit, in der vorgeschriebenen Dosis und unter Beachtung der Dauer und Art der Anwendung.

Folgen mangelnder Therapietreue

  • keine Besserung der Symptome
  • Erkrankung heilt nicht aus
  • Risiko von Schäden durch fehlende Behandlung
  • erneutes Aufflammen der Krankheit
  • bei Abbruch einer Antibiotika-Therapie evtl. Entwicklung von Resistenzen
  • Erschwerung für Folgebehandlung
  • erhöhte Kosten für das Gesundheitswesen

Ursachen für mangelnde Therapietreue

  • Einnahme wird vergessen
  • Anweisungen werden nicht oder falsch verstanden
  • Nebenwirkungen lassen die Behandlung schlimmer erscheinen als die Krankheit
  • Die Krankheit wird verleugnet
  • Patient glaubt nicht, dass das Arzneimittel hilft
  • Fälschliche Annahme, dass Erkrankung ausgeheilt sei
  • Angst vor unerwünschten Wirkungen oder Abhängigkeit vom Medikemant
  • Die Behandlung gestaltet sich schwierig (schwer schluckbare Tabletten)

Möglichkeiten zur Verbesserung der Therapietreue

Möglichkeiten der Patienten:

  • gutes Vertrauensverhältnis zu Arzt und Apotheker
  • Informationsaustausch:
    • Bedenken äußern
    • nachfragen
    • Wechselwirkungen abklären
    • Patientenkarte in der Apotheke erstellen lassen
    • Selbsthilfegruppen besuchen
  • Erinnerungshilfen (Wecker, Blister, Kalender)

Möglichkeiten als Pflegekraft:

  • Aufklärung über Medikamente und ihre Wirkung
  • an die Einnahmen erinnern
  • Medikamente zum Einnahmezeitpunkt anreichen
  • Zettel mit Informationen und Anweisungen geben

 

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