Therapie

Arzneimitteltherapie

Therapieformen

Bei der kausalen Therapie wird die Ursache der Erkrankung behandelt, z.B. Antibiotika oder Chemotherapie.

Bei der symptomatischen Therapie werden die Symptome der Erkrankung behandelt, nicht die eigentliche Ursache. Symptome sind z.B. Erbrechen, Durchfall, Fieber.

Bei der Substitutionstherapie werden normalerweise im Organismus vorhandene Stoffe von außen ersetzt, z.B. die Insulin-Gabe.

Verlauf nach Einnahme

Nach der Applikation, also der Einnahme des AZM, löst es sich im Magen oder Darm auf und zerfällt. Der Wirkstoff wird resorbiert und in Blut und Lymphe aufgenommen. Durch die Blutgefäße wird der Wirkstoff im Körper verteilt. Durch Biotranfsormation wird der Arzneistoff verstoffwechselt und umgebaut. Danach findet die Exkretion statt. Der Arzneistoff und seine Stoffwechselprodukte werden ausgeschieden.

Wird ein AZM so eingenommen, dass es über die Leber in den Blutkreislauf gelangt, muss man den First-Pass-Effekt beachten. Durch diesen Effekt wird ein Teil des AZM durch AZM-abbauende Enzyme abgebaut.

Die meisten Zellen haben auf ihrer Oberfläche verschiedene Rezeptoren. Diese Rezeptoren ermöglichen nur genau passenden Substanzen ein Andocken, wie ein Schlüssel ins Schloss.

Lokale Arzneimitteltherapie

Das Ziel der lokalen Arzneimitteltherapie ist eine örtlich begrenzte Wirkung ohne Wirkung auf den Gesamtorganismus.

Systemische Arzneimitteltherapie

Bei der systemischen Arzneimitteltherapie gelangt das AZM in die Blutbahn und damit in den gesamten Organismus.

Applikationsformen

Die Applikations- oder Verabreichungsformen sind abhängig von

  • der Art des Arzneistoffes, insbesondere seiner Resorptionsfähigkeit
  • dem gewünschten Wirkort des AZM (lokal / systemisch), dem Wirkungseintritt der Wirkdauer
  • Zustand und Wunsch des Patienten

Der Applikationsweg wird für eine optimale Wirkstoffentfaltung am gewünschten Resorptionsort ausgesucht. Die Resorptionsgeschwindigkeit ist abhängig von der Darreichungsform und der Beschaffenheit des AZM, flüssige Medien werden schneller vom Körper aufgenommen.

Applikation auf Haut und Schleimhäute

  • Resorption durch die Haut - percutan
  • in der Wangentasche - bukkal
  • unter der Zunge zergehen lassen - sublingual
  • auf der Zunge zergehen lassen - lingual
  • Resorption über die Schleimhäute von Magen und Darm - peroral
  • auf der Nasenschleimhaut anwenden - nasal
  • auf der Bindehaut des Auges anwenden - konjunktival
  • am und im Ohr anwenden - otal
  • auf die Bronchial- und Alveolarschleimhaut - pulmonal
  • auf der Vaginalschleimhaut anwenden, in die Scheide einführen - vaginal
  • in den Enddarm einführen - rektal

Applikation ins Körperinnere

  • intravenös (i.v.) - in eine Vene
  • intramuskulär (i.m.) - in den Muskel
  • subcutan (s.c.) - unter die Haut, in das Unterhautfettgewebe (Insulin, Heparin)
  • intracutan (i.c.) - in die Haut, unter die Epidermis (Allergietests)
  • intraarteriell (i.a.) - in eine Arterie
  • intracardial (i.c.) - in das Herz
  • intraperitoneal - in die Bauchhöhle
  • intralumbal - in das Rückenmark
  • intrathekal - in den Liquorraum, die Rückenmarksflüssigkeit

Die Applikation in das Körperinnere kann enteral oder parenteral stattfinden. Bei der enteralen Applikation gelangen die Medikamente in den Magen-Darm-Trakt. Die parenterale Applikation umgeht den Magen-Darm-Trakt, die Medikamente gelangen direkt ins Blut.

Orale Applikationsform

 Das ist die häufigste Art AZM einzunehmen. Sie ist praktisch, einfach und kostengünstig. Man muss stark auf die korrekte Einnahme achten, weil dadurch die Wirksamkeit beeinflusst wird. Es gibt verschiedene Faktoren, welche die Resorption beeinflussen:

  • nüchterner Magen - bessere Resorption
  • voller Magen - langsamere Resorption
  • fetthaltige Nahrungsbestandteile - verzögerte Resorption
  • heiße Speisen - beschleunigte Resorption

Der Vorteil der oralen Applikation ist, dass durch die Galenik Formen hergestellt werden können, die auf verschiedene Bedürfnisse der Menschen eingehen, z.B. Tabletten mit einem magensaftresistentem Überzug. Ein Nachteil ist der First-Pass-Effekt, der durch AZM-abbauende Enzame in der Leber die ursprüngliche Wirkung des AZM senkt. In der Lunge können außerdem bestimmte Wirkstoffe zurückgehalten werden, die nicht mehr in ausreichenden Maßen dem Blutkreislauf zur Verfügung stehen.

Bei der bukkalen und sublingualen Applikation, als der Applikation über die Mundschleimhaut, gelangt der Wirkstoff über die Schleimhäute direkt in die V. cava sup. und dadurch rasch in den Blutkreislauf. Das ist wichtig für einen gezielten, schnellen Wirkungseintritt, z.B. bei Angina-pectoris-Beschwerden. Der First-Pass-Effekt fällt hierbei weg.

Parenterale Applikationsform

Bei der parenteralen Applikation wird der Magen-Darm-Trakt umgangen um eine Zerstörung des AZM zu verhindern, z.B. Insulin. Die AZM werden durch Injektionen direkt in die Blutbahn geleitet und erreichen am schnellsten den Wirkort. Das ist besonders wichtig für Notfallsituationen. Außerdem lassen sich Injektionen genauestens dosieren.

Intramuskuläre Injektionen werden in Oberarm-, Oberschenkel- oder Gesäßmuskel injiziert. Wie schnell das Medikament in den Blutkreislauf gelangt hängt von der Durchblutung des Muskels ab.

Subcutane Injektionen erfolgen in das Unterhautfettgewebe. Das Medikament gelangt über die Kapillaren und die Lymphgefäße in den Blutkreislauf. Der Wirkungseintritt ist langsamer, da der Wirkstoff Gewebebarrieren überwinden muss, um in die Blutbahn zu gelangen.

Gründe dafür:

  • schneller Wirkungseintritt
  • auch Bewusstlose oder andere Patienten können behandelt werden
  • parenterale Ernährung nach OP
  • Wirkungen lassen sich lokal herbeiführen
  • Medikamente, die im Magen-Darm-Trakt zerstört würden

Nachteile:

  • Infektionsgefahr
  • Schmerzen
  • Gefahr der Fehlinjektionen
  • Belastung des Patienten (Angst)

Rektale Applikationsform

Viele Wirkstoffe oraler Medikamente eignen sich auch dafür als Zäpfchen (Suppositorien) eingesetzt zu werden. Der Wirkstoff ist in eine wachsartige Substanz (meist Glycerin-Gelatine) eingebettet. Diese Substanz löst sich nach dem Einführen in den Enddarm auf. Der entstandene Film breitet sich auf der Schleimhaut aus. Die Schleimhaut ist dünn und gut durchblutet. Dadurch wird der Wirkstoff leicht und schnell aufgenommen.

Das Rektum verfügt über zwei Gefäßsysteme. Im unteren Teil gelangt der Arzneistoff in die V. cava inf., die zum rechten Herzen führt ohne die Leber zu passieren. Im oberen Teil des Rektums wird der Arzneistoff über die Pfortader resorbiert und wird durch die Leber geführt, wo der First-Pass-Effekt greift.

Die Zäpfchen sollten nur so weit eingeführt werden, dass sie vom Rektum gut aufgenommen werden. Die Einführtiefe bestimmt die Resorptionsart und den First-Pass-Effekt, also wieviel Wirkstoff verloren geht.

Nicht jeder Wirkstoff kann über Zäpfchen verabreicht werden, da Resorptionsschwankungen auftreten können. Schmerz- und Fieberzäpfchen sind aber bei Säuglingen und Kleinkindern sinnvoll.

Zäpfchen sind gut geeignet für Kinder, Menschen mit Beeinträchtigung des Magens, Schluckschwierigkeiten und Bewusstlosigkeit.

Vaginale Applikationsform

Frauen können bestimmte Arzneimittel in Form einer Tablette, Creme, Gel oder Zäpfchen in die Scheide einführen. Der Wirkstoff wird langsam über die Schleimhäute der Scheidenwand aufgenommen.

Inhalative Applikationsformen

Bei der inhalativen Applikation wird der Wirkstoff inhaliert, in Form eines Aerosols, eines Gases oder Dampfes. Je nach Einatmungshilfe gelangt der Wirkstoff bis zu den Alveolen. Die Tiefe der Inspiration ist entscheidend für die Eindringtiefe des AZM.

Transdermale Applikationsform

Gemeint sind Medikamentenpflaster, die auf die Haut geklebt werden. Der Wirkstoff wird kontinuierlich über längere Zeit freigesetzt und durch die Haut resorbiert. TTS dürfen nur auf intakte unbehaarte Haut geklebt werden. Durch regelmäßiges Wechseln der Hautstelle werden Hautschäden vermieden. Eine anleitung zum genauen Umgang mit den verschiedenen Systemen gibt der Hersteller im Beipackzettel an.

Applikationsformen durch die Augenschleimhaut

Arzneimittel zur lokalen Behandlung von Augenerkrankungen sind Tropfen, Gel und salben. Prinzipiell sollten Augenmedikamente überwiegend lokal und nicht systemisch wirken.

Applikationsformen über die Nasenschleimhaut

Bei der nasalen Anwendung können u.a. auch systemische Wirkungen erzielt werden. Nasal applizierte Medikamente wirken in der Regel eher schnell. Nasensprays sind meist effektiver als Nasentropfen, weil sich der Wirkstoff sehr fein auf die Nasenschleimhäute verteilt und damit schneller in die Blutbahn gelangt. Naentropfen und -sprays können aber die Blutgefäße verengen. Eine Überdosierung kann dadurch zum Hypertonus führen. Säuglinge erhalten in der Regel überwiegend Nasentropfen, weil eine genauere Dosierung möglich ist. Außerdem ist bei Säuglingen und Kleinkindern auf eine niedrige Wirkstoffkonzentration zu achten, weil systemische Nebenwirkungen autreten können.

Biologische Barrieren

Die biologischen Barrieren dienen zum Schutz des ungeborenen Kindes und zum Schutz der empfindlichen Neuronen. Sie verhindern, dass Schadstoffe eindringen.

Die Plazentaschranke soll verhindern, dass ein Übertritt an Schadstoffen aus dem mütterlichen Kreislauf auf das Kind erfolgt.

Die Blut-Hirn und Blut-Liquor-Schranke im Bereich der Hirngefäße dient dem Schutz der Nervenzellen vor schädlichen Stoffen.

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