Entwicklung im ersten Lebensjahr

Zunächst werden die vier ersten Funktionen beschrieben, die ein Säugling erlernen muss - Krabbeln, Sitzen, Laufen und Greifen.

 Entwicklung des Krabbelns

Als Krabbeln wird das Vorwärtskommen auf Händen und Knien bezeichnet. Die Entwicklung des Krabbelns ist das stufenweise Aufrichten aus der Bauchlage bis zur koordinierten Fortbewegung auf allen vieren.

Der erste Entwicklungsschritt ist die Bauchlage. Das Neugeborene dreht den Kopf zur Seite udn kann ihn für einen kurzen Moment anheben. In der Bauchlage hält das Neugeborene die Arme und Beine stark gebeugt - die sogenannte Phötusstellung.

In den ersten Monaten übt der Säugling eifrig das Kopfheben. Dabei stärken sich Nacken-, Rücken- und Armmuskulatur.

Nach ungefähr 3 Monaten kann sich der Säugling auf die Unterarme stützen und den Kopf in Bauchlage aufrecht halten kann.

Nach ungefähr 6 Monaten schafft der Säugling sogar, sich auf die Hände zu stützen. Dabei sind Kopf und Brustkorb von der Unterlage abgehoben. In dieser Position schafft der Säugling die ersten Bewegungen, zunächst nur im die eigene Achse, allmählich aber auch robbende Bewegungen nach vorne.

Aus dieser Position entwickelt sich allmählich der Vierfüßlerstand, der Säugling stützt sich auf Hände und Knie. Nach ungefähr 9 Monaten schafft der Säugling es, sich auf die Knie zu stützen und durch schaukeln auf allen vieren seinen Gleichgewichtssinn zu schulen. Durch diese Gleichgewichtsübungen ist der Säugling nach ungefähr elf Monaten in der Lage einzelne Extremitäten anzuheben und sich so durch Krabbeln fortzubewegen.

Entwicklung des Sitzens

Das Sitzen an sich ist keine Funktion, die der Fortbewegung dient. Aber durch die Bewegung, um in die sitzende Position zu kommen, wird viel Muskelarbeit benötigt. Die Fähigkeit des Sitzens setzt außerdem drei Grundfunktionen voraus: die aufrechte Kopfhaltung in jeder Körperlage, die freie Beugbarkeit der Hüfte und ein aktives Drehen des Rumpfes.

Innerhalb der ersten 3 Monate kann der Säugling seinen Kopf noch nicht lange aufrecht halten, wenn er in eine sitzende Position gebracht wird. Allerdings wird das Kopfhalten immer besser, bis er den Kopf ungefähr eine halbe Minute aufrechthalten kann. Langsam übt das Kind auch den Kopf alleine anzuheben. Dadurch hebt das Kind allmählich auch den Kopf an, wenn es in eine sitzende Position gebracht wird. Durch die Bogengänge im Innenohr richtet der Kind den Kopf immer zur Vertikalen auf, selbst wenn es zur Seite geneigt wird. Bis zum sechsten Monat ist die Kopfhaltung vollständig ausgereift.

Gesunde Säuglinge strampeln von Geburt an mit den Beinen. Die Bewegungen werden immer kräftiger und ausholender. Nach ungefähr sechs Monaten kann das Kind die Beine auch in der Luft halten und mit den Händen nach den Knien oder Füßen greifen

Allmählich gelingt es dem Kind außerdem, sich von der Rückenlage in die Bauchlage zu drehen.

Durch die Funktion der drei Teilfunktionen ist es nur noch eine Frage der Übung und der Zeit, bis das Kind sich selbständig aufsetzt. Dabei stützt es sich zunächst in Seitenage auf den Unterarm und später nur noch auf die Hand. Allmählich gelingt es dem Kind immer besser, sich in eine sitzende Position aufzurichten, bis es nach ungefähr 10 Monaten freihändig in einer geraden Position sitzen kann.

Entwicklung des Laufens

Schon beim Neugeborenen kann man eine besondere Art des "Gehens" feststellen. Durch den sogenannten Schreitreflex macht das Neugeborene schreitende Bewegungen, wenn man es so über einer Unterlage hält, dass die Füße diese berühren. Dieser Reflex ist in den ersten zwei Monaten sichtbar, bis er für immer verschwindet.

Mit ungefähr drei Monaten ist der Säugling dann komplett passiv. Versucht man ihn auf eine Unterlage zu stellen, sinken seine Beine zusammen. Das Kind macht keine Versuche, um sich gegen die Unterlage zu drücken.

Mit ungefähr 6 Monaten streckt der Säugling hauptsächlich die Knie, wenn er unter seinen Füßen eine Unterlage spürt. Das Kind kann dann sein Körpergewicht für eine bis zwei Sekunden tragen. Auf diese allmähliche Streckung von Knien und Hüfte folgt ein Federn. Das Kind wippt nach oben und unten, während es Knie und Hüfte beugt und streckt.

Nach ungefähr 9 Monaten kann das Kind ungefähr eine halbe Minute aufrecht stehen, wenn man es an den Händen hält. Es fängt auch an, sich an Gegenständen hochzuziehen und selbständig aufzustehen. Wenn ihm das gelingt, dauert es auch nicht mehr allzu lange, bis es sein Gewicht verlagert und von einem zum anderen Fuß wippt. Durch diese Verlagerung und das nachziehen des anderen Beines kann sich das Kind bald entlang von Möbelstücken fortbewegen. Diese Bewegung ist hauptsächlich seitwärts. Wird das Kind an den Händen der Eltern gehalten, fängt es auch an, Schritte nach vorwärts zu machen. Nach ungefähr 15 Monaten, also oft erst nach dem ersten Geburtstag, schafft das Kind, ein paar Schritte alleine zu gehen.

Entwicklung des Greifens

In den ersten 3 Monaten ist noch der Greifreflex vorhanden. Das Kind kann die Arme und Hände noch nicht willkürlich bewegen und hat die Hände meist zu Fäustchen geballt. Mit ungefähr 4 Monaten kann das Kind dann seine halb geöffneten Hände nach vorne bringen. Aber erst im sechsten Monat kann das Kind gezielt und sicher einen Gegenstand ergreifen. Bis dahin ist auch die Koordination der Hände ausgereift. Mit ungefähr 9 Monaten kann das Kind einen Gegenstand auch willkürlich fallenlassen. Erst mit 12 Monaten kann das Kind einen Gegenstand gezielt in eine hingestreckte Hand geben. Zu dieser Zeit schafft das Kind auch, einen Gegenstand nur mit den Fingerspitzen, speziell mit Daumen und Zeigefinger, aufzunehmen.

Entwicklung der Perzeption

Unter Perzeption versteht man in erster Linie die Sinneswahrnehmung, das Vorstellungs- und Auffassungsvermögen.

Bereits in den ersten Wochen beginnt das Kind, verschiedene Sachen zu fixieren. Mit ungefähr 3 Monaten kann es mit dem Blick schon den Gegenständen folgen. Nach 6 Monaten kann das Kind schon die Richtung eines Geräusches feststellen und dreht den Kopf in diese Richtung. Mit ungefähr 7 Monaten stellt das Kind auch schon fest, dass Dinge weiterhin da sind, wenn sie kurz aus dem Blickfeld verschwinden. Es schaut z.B. einem heruntergefallenen Spielzeug nach. Mit ungefähr 9 Monaten kann das Kind räumliche Beziehungen unterscheiden und kann so Gegenstände aus Behältern herausholen. Mit ungefähr 10 Monaten untersucht das Kind gerne kleine Gegenstände oder Details wie die Augen. Dadurch ist auch die Konzentrationsfähigkeit des Kindes deutlich gestärkt. Durch die Beobachtungs- und Konzentrationsfähigkeit kann das Kind durch Nachahmen lernen, z.B. die Sprache. Aber es ist jetzt auch in der Lage erste Schlüsse für sien Handeln zu ziehen.

Entwicklung des Sozialverhaltens

Zu der Entwicklung des Sozialverhaltens zählen beim Säugling die Kontaktaufnahme zu seinen Mitmenschen und die Sozialisierung. Dazu gehört die allmähliche Verselbständigung des Kindes und die Anpassung an die soziale Umwelt (selbständige Nahrungsaufnahme, Bekleiden, Beherrschung der Ausscheidungsfunktionen). Im ersten Lebensjahr werden für diese Tätigkeiten die Voraussetzungen geschaffen und das Kind lernt die ersten Dinge.

Anfangs nimmt der Säugling die Beziehung zu seinen nächsten Mitmenschen über die Haut wahr. Ab dem zweiten Monat beginnt der Säugling, das menschliche Gesicht wahrzunehmen und auf die menschliche Stimme zu reagieren. Man kann das erste Lächeln sehen. Mit ungefähr 6 Monaten kann das Kind seine Angehörigen von Fremden unterscheiden. Dadurch entwickelt sich das sogenannte Fremdeln, durch das ein Kind lernt, Angehörigen Zuneigung und Fremden Zurückhaltung zu zeigen. Mit ungefähr 7 Monaten beginnt der Säugling, aktiv und selbständig Kontakt mit seinen Mitmenschen aufzubauen, indem er Geräusche macht und die Arme den Menschen entgegenstreckt. Mit ungefähr 10 Monaten beginnt das Kind, die Mutter beim Sprechen nachzuahmen, indem es Silben und Tonfall nachahmt. Mit 12 Monaten kann man schon einige soziale Spiele mit dem Kind machen.

Entwicklung der Lautäußerungen

In den ersten 2 Monaten ist die hauptsächliche Lautäußerung das Schreien. Diese Lautäußerung wird genutzt, um jegliche Beschwerden auszudrücken. eher selten hingegen sind Vokal- oder Kehllaute, die bei Wohlbefinden eher zufällig ausgestoßen werden. Im dritten und vierten Monat nehmen gurgelnde Geräusche und meist noch unverständliche Silben zu. Nach vier Monaten kann das Kind juchzen und hat so deutliche Möglichkeiten Unbehagen und Wohlbefinden auszudrücken. Zwischen dem fünften und siebten Monat reiht das Kind Vokale und Konsonanten wild aneinander, aus denen sich schon einige Silben heraushören lassen. Außerdem kann es schon in der Tonhöhe und der Lautstärke wechseln und so auch seine Zurückhaltung ausdrücken. Oft redet es nur zu hause und in vertrauter Umgebung. Im neunten und zehnten Monat bildet das Kind erste Doppelsilben, die schon erste Wortgebilde darstellen. Im elften und zwölften Monat beginnt das Kind, mit den bekannten Silben einen Sinn zu verbinden. Die Bedeutung dieser Kinderwörter ist oft aber noch sehr allgemein gefasst.

Im ersten Lebensjahr ist das Kind noch nicht in der Lage, auf den Inhalt einer Aussage zu reagieren. Es reagiert vielmehr gefühlsmäßig auf Tonfall, Mimik und Gestik. Allerdings kann ein fast einjähriges Kind schon den Sinn häufig wiederholter sätze verstehen, wie es z.B. den Vater als "Papa" erkennt oder der Mutter den "Ball" gibt, wenn sie danach fragt. Um dieses Sprachverständnis aufzubauen, müssen aber immer die gleichen Wörter verwendet werden.

 

Nach oben