Erstversorgung des Neugeborenen

Erstversorgung des Neugeborenen

Der erste Atemzug erfolgt ungefähr 20 Sekunden nach der Geburt.

Ausgelöst wird er durch Reize wie Licht / Helligkeit, Temperatur / Kälte, Lautstärke / Stimmen, Berührungen und Sauerstoffmangel.

Bein einer vaginalen Entbindung wird der erste Atemzug unterstützt durch das Zusammendrücken des Thorax im Geburtskanal. Dadurch werden 15 ml Flüssigkeit aus den Atemwegen herausgepresst. Anschließend dehnt sich der Thorax aus und es gelangt die gleiche Menge Luft in die Lunge.

Vor dem ersten Atemzug ist es manchmal notwendig, das Kind abzusaugen. Dabei wird es von Fruchtwasser, Schleim und Blut befreit. Es ist notwendig bei Kindern, die sich nich selbst vom Sekret befreien können, bei Kindern, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen und bei Frühgeborenen. Dabei ist folgende Reihenfolge zu beachten (zur Vorbeugung der Aspirationsgefahr): Erst im Mund / Rachen absaugen, danach in der Nase, darauffolgend im tieferen Rachenraum, bis in den Magen.

Der Zeitpunkt der Abnabelung für ein reifes und vitales Neugeborenes ist ungefähr 1 - 1 1/2 Minuten nach sistieren der Nabelschnur (nachdem sie aufgehört hat zu pulsieren). Dadurch wird gewährleistet, dass ausreichend Blut von der Mutter auf das Neugeborene übertritt. Die vorläufige Abnabelung geschieht folgendermaßen:

  • erst ca. 7 cm vom Kind entfernt die erste sterile Klemme setzen
  • die zweite Klemme ca. 4 cm vom Kind entfernt befestigen
  • zwischen den Klemmen mit einer sterilen Schere die Nabelschnur durchtrennen
  • Die endgültige Nabelversorgung erfolgt mit einer sterilen Nabelklemme ca. 2-3 cm vom Nabelring entfernt
  • über den Rest der Nabelschnur können eventuell Infusionen gesetzt werden
  • der Nabelschnurrest wird als offene Wunde behandelt!

Die Vitalitätskontrolle des Neugeborenen erfolgt mit dem APGAR-Test. Er wird dreimal durchgeführt: 1 Minute, 5, Minuten und 10 Minuten nach der Geburt. Getestet werden

  • das Aussehen (Hautfarbe)
  • der Puls (Herzschlag)
  • Gesichtsbewegungen beim Absaugen / Reflexe
  • Aktivität (Muskeltonus) und
  • Respiration (Atmung)

Mit 9-10 Punkten ist das Kind in einem guten - sehr guten Zustand, mit 7-8 Punkten ist das Kind noch okay, aber man sollte es beobachten. Mit 6 Punkten oder weniger muss das Kind zur Beobachtung auf die Station, es wird als Risikokind eingestuft.

Förderung der Eltern-Kind-Beziehung

Nach der Geburt wird das Kind auf die nackte Haut der Mutter gelegt. Es soll sich dadurch geborgen fühlen, weil es die Stimme und den Geruch und Herzschlag der Mutter schon kennt. Es wird mit vorgewärmten Tüchern zugedeckt, um nicht auszukühlen. Bei Stillwunsch wird das Kind sofort an jede Brust angelegt. Das ist wichtig, weil direkt nach der Geburt der Saugreflex für ca. 20-50 Minuten am stärksten ausgeprägt ist. Außerdem wird dadurch die Milchproduktion angeregt und das Kind erhält die ersten Tropfen der Vormilch, das sogenannte Kolostrum.

Der Vater darf natürlich auch nicht vergessen werden. Man soll ihm den Kontakt zum Kind ermöglichen, ihn das Kind baden lassen und dabei anleiten, ihn bei der Untersuchung helfen lassen, mit einbeziehen und ihn direkt mit dem Kind in Berung kommen lassen.

Um Verwechslungen auszuschließen bekommt das Neugeborene ein Armbändchen mit dem Namen und einer Nummer. Die Mutter bekommt die gleiche Nummer.

Reinigung des Kindes

Die Reinigung des Kindes erfolgt nach der ersten Kontaktaufnahme mit den Eltern. Die Versorgung erfolgt unter einer Wärmelampe. Das Kind wird entweder mit einer Windel abgetrocknet oder gebadet. Dabei ist wichtig, dass die Vernix caseosa nicht entfernt wird, weil sie dem Hautschutz des Kindes dient und außerdem von selbst verschwindet.

 Prophylaxen

Credé-Prophylaxe

  • zur Vermeidung der Gonoblennorrhoe (eitrige Bindehautentzündung durch Gonokokken (Tripper))
  • wird nur auf Wunsch und mit Zustimmung der Eltern durchgeführt
  • das Kind bekommt in beide Augen entweder je einen Tropfen antibiotische Augentropfen oder Salbe oder je einen Tropfen Silbernitrat 1%
  • Nachteil: Reizung der Bindehaut, Schwarzfärbung der umgebenden Haut

Konakion-Gabe

Gabe von Vitamin K, welches der Blutgerinnung dient. Vitamin K wird vom Kind erst selbst gebildet, wenn es Milchnahrung zu sich genommen hat. Wird diese Prophylaxe nicht durchgeführt, kann es zu blutigen Stühlen - melaena neonatorum und Schleimhautblutungen bis hin zu Hirnblutungen kommen.

Die Konakion-Gabe erfolgt ber der Erstuntersuchung, der U2 und U3. Das Kind bekommt oral je 2 Tropfen Konakion. Das entspricht einer Menge von 2 mg Vitamin K. Bei extremer Unreife des Kindes kann die Gabe auch injiziert werden - entweder subcutan oder intramuskulär.

Ermittlung der Körpermesswerte

Die genaue Art der Ermittlung wird in einem anderen Kapitel beschrieben.

Ermittelt werden die Länge / Größe, das Gewicht, der Kopfumfang und der Brustumfang. Außerdem wird die Körpertemperatur rektal gemessen, m eine analatresie (fehlendes Poloch) auszuschließen.

Neugeborenen - Screening

Neugeborenen-Screenings sind Kinderfrüherkennungsuntersuchungen zur Frühdiagnose gut therapierbarer, unerkannt aber schwer verlaufender Erkrankungen. Dieses Screening ist freiwillig und bedarf der Einverständnis der Eltern. Diese sollten daher gut über diese Präventionsmaßnahme aufgeklärt werden.

Beim Neugeborenen-Screening wird dem Kind an der Ferse Blut entnommen. Dieses Blut wird auf eine spezielle Testkarte auf die vorgegebenen Felder getropft. Im Labor werden diese Blutproben auf die chemische Zusammensetzung untersucht. Das Blut am 3. Lebenstag abgenommen werden, nach der 36. Lebensstunde. Ein Zweitscreening ist erforderlich, wenn die Blutprobe vor dem 3. Lebenstag entnommen wurde oder bei sehr unreifen Kindern.

Rachitis- und Kariesprophylaxe

 Rachitis ist eine zu Knochendeformierungen führende Störung des Kalziums- und Phosphatstoffwechsels, die auf einem UV-Lichtmangel und Mangel an Vitamin D beruht.

Kinder bekommen prophylaktisch ab der 2. Lebenswoche einmal täglich Vitamin D Präparate bis zum Ende des ersten Lebensjahres verabreicht.

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, welches für die Kalziumrückresorption aus dem Darm benötigt wird. In der Milchnahrung ist es nicht ausreichend vorhanden und es wird nicht ausreichend vom Körper gebildet. Es liegt als Vorstufe in der Haut vor, benötigt aber zur Aktivierung UV-Strahlen. Deshalb ist die Vitamin-D-Gabe in den Wintermonaten besonders wichtig.

Zur Kariesprophylaxe wird die Gabe von täglich 0,25 mg Fluorid empfohlen. Diese Prophylaxe sollte ab der zweiten Lebenswoche und innerhalb der ersten drei Lebensjahre erfolgen. Ab drei Jahren sollten die Kinder dann fluoridhaltige Zahnpasta und ab dem sechsten Lebensjahr Erwachsenenzahnpasta und fluoridhaltiges Salz verwenden.

Vitamin D und Fluorid zur Rachitis- und Kariesprophylaxe sind als Kombinationspräparate erhältlich.

Schutzimpfung gegen Tuberkulose (BCG-Impfung)

Die Impfung gegen Tuberkulose ist nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben. Sie wird nur noch auf Wunsch der Eltern oder bei Infektionsgefahr in der ersten bis sechsten Lebenswoche durchgeführt. Die Impfung erfolgt intracutan in den Oberschenkel.

Weitere Untersuchungen

Um andere Fehlbildungen auszuschließen, werden weitere Untersuchungen durchgeführt.

Der Gaumen wird abgetastet, um eine Gaumenspalte auszuschließen.

Ein Absaugkatheter wird eingeführt, um eine Ösophagusatresie (nicht durchgehende Speiseröhre) auszuschließen.

Die Fontanellen werden abgetastet um Verknöcherungen auszuschließen.

 

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