Hyperbilirubinämie

Pflege eines Neugeborenen mit Hyperbilirubinämie

 Durch den Abbau von Hämoglobin entsteht wasserunlösliches Bilirubin. Das Bilirubin wird an Eiweis gebunden und zur Leber transportiert. Dort wird das Bilirubin durch Glukuronsäure konjugiert und kann dadurch als wasserlösliches Bilirubin über die Galle oder die Niere ausgeschieden werden.

Bei Hyperbilirubinämie, der sogenannten Neugeborenen-Gelbsucht, ist zuviel Bilirubin vorhanden, welches noch nicht ausreichend von der Leber verarbeitet werden kann.

Symptome eine Hyperbilirubinämie:

  • Gelbfärbung der Skleren (Augenweiß), der Haut und der Schleimhäute (Mundschleimhaut)
  • Einfluss auf das Gehirn: Trinkschwäche, Müdigkeit bis hin zur Apathie
  • Apnoen
  • Bradykardien

Therapiemöglichkeiten:

  • Phototherapie
  • Austauschtransfusion

Therapie durch Phototherapie

Bei der Phototherapie werden spezielle Phototherapielampen eingesetzt. Durch blaues Lich, mit dem die Haut des Kindes bestrahlt wird, wird das wasserunlösliche Bilirubin in wasserlösliches Bilirubin umgeformt.

Umgang mit der Phototherapielampe:

  • Vor dem Einsatz den Wartungsschutz überprüfen
  • Überprüfen der Funktionalität der Röhren (Wirkungsverlust)
  • Den empfohlenen Abstand der Lampe zum Kind einhalten
  • Problemlosen Zugang zum Kind ermöglichen (nicht die Wege verstellen)
  • Umliegende Patienten vor dem abstrahlenden Licht schützen - abschirmen
  • Die Lampen nicht mit Tüchern verhängen (Brandgefahr)

Maßnahmen zur Gewährleistung einer effektiven Phototherapie:

  • das Kind liegt in einem Inkubator oder in einem Wärmebett
  • das Kind wird ohne Kleidung bestrahlt (evtl. Pampers, Mundschutz als Ersatz, weil durch Phototherapie oft Durchfall verursacht wird)
  • wasserfeste Unterlage
  • Überwachung mit Elektroden (möglichst wenig Fläche bekleben, hautfreundlich)
  • Kind alle 2-4 Stunden umlagern

Grundsätze zur Überwachung

  • Grundsätzlich soll bei Überwachungs- und Pflegemaßnahmen am Kind immer die Phototherapielampe ausgeschaltet werden. Dies dient der besseren Beurteilung des Kindes.
  • Bei der Überwachung mit einem Pulsoxymeter muss der Sensor vor Lichteinfall geschützt werden.
  • Das Hautkolorit, die Vitalzeichen, die Aktivität und das Trinkverhalten des Kindes müssen regelmäßig beurteilt werden.

Pflegebereiche zur Versorgung des Kindes

  1. Erhaltung der physiologischen Körpertemperatur
  2. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  3. Ausreichender Augenschutz
  4. Intakte Haut
  5. Kontakt der Eltern mit dem Kind

Erhaltung der physiologischen Körpertemperatur

  • im Inkubator oder im Wärmebett pflegen / versorgen
  • Durchzug vermeiden, Fenster und Türen schließen
  • bei Verlassen des Inkubators unbedingt anziehen
  • Heizung anmachen
  • regelmäßige Temperaturkontrolle - Fiebermessen

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

  • Ziel der Maßnahmen ist es einen auftretenden Flüssigkeitsmangel rechtzeitig zu erkennen.
  • Infolge wässriger Stühle und erhöhter Abgabe von Wasserdampf (ohne Schwitzen) ist strengstens auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
  • Beobachtung der Ausscheidung (Menge, Frequenz, Konsistenz, Farbe)
  • Beobachtung des Hautturgors
  • Zusätzliche Flüssigkeit anbieten
  • Bei Bedenken legen einer Magensonde oder einer Infusion

Sicherer Augenschutz

  • Phototherapiebrille benutzen
  • Mullbinde / Kompresse auf die Augen legen und festkleben
  • Augenpflaster benutzen
  • Die Augen müssen komplett geschützt werden!
  • Bei Unterbrechung der Phototherapie wird die Augenbinde abgenommen
  • Phototherapie kann zur Erblindung führen!
  • Binde darf nicht verrutschen!
  • Während der Pflege zum Schutz der eigenen Augen die Lampe ausschalten

Intakte Haut

  • Infolge der Bestrahlung bekommen die Kinder oft trockene und rissige Haut. Auch bereits bestehende Hauterscheinungen können verstärkt werden.
  • Keine ölhaltigen Produkte verwenden (verschließen die Porene, Wärmestau)
  • Nur Pflegemittel ohne Lichtschutzfaktor verwenden
  • Die Körperpflege erfolgt mit klarem Wasser, Salben nur auf ärztliche Anordnung
  • Im Analbereich kann es durch die häufigen wässrigen Stühle zu Hautreizungen kommen. Wichtig ist hier häufigeres Wickeln des Kindes, die Reinigung mit Wass, eventuell Auftragen einer Schutzcreme

Kontakt der Eltern mit dem Kind

  • Da das Kind in einem Inkubator / Wärmebett liegt, ist der Kontakt zu den Eltern erschwert.
  • Die Phototherapie erschwert den direkten Kontakt der Eltern zu dem Kind
  • Die Eltern sollten über die Notwendigkeit der Maßnahme aufgeklärt werden
  • Die Eltern sollten über die Therapiepausen informiert werden, damit sie das Kind auf den Arm nehmen oder soagr selbst versorgen können
  • Trinkt das Kind an der Brust nicht, ist die Mutter zu motivieren die Milch abzupumpen, um sie zu sondieren und den Milchfluss in Gang zu halten. Wenn das Kind besser trinkt, können neue Stillversuche gestartet werden.

Ab wann ist eine Phototherapie notwendig

Die Notwendigkeit wird nur bei Kindern mit Auffälligkeiten getestet. Bei Kindern unter Phototherapie wird regelmäßig nachgeprüft, ob sich ein Erfolg einstellt.

Die Notwendigkeit ist abhängig vom aktuellen Bilirubinwert, dem Alter des Kindes und dem Gewicht des Kindes. Die Werte des Kindes werden in eine entsprechende Tabelle eingetragen und anhand der Grenzwerte wird entschieden, ob eine Phototherappie gemacht wird.

 

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