Pflege des Neugeborenen

Rooming-In

Rooming-In ist für die Mutter des Neugeborenen die Möglichkeit, das Kind nach der Geburt im eigenen Zimmer zu behalten, anstatt es auf die Neugeborenen-Station zu geben. Allerdings bleibt auch diese Möglichkeit weiterhin bestehen, falls die Mutter in den ersten Tagen zu sehr damit belastet ist.

Das Rooming-In soll die Beziehung zwischen Mutter und Kind stärken, durch Berühren, Riechen, Sehen und Hören. Außerdem erfährt das Kind dadurch von Anfang an besondere Wärme, Körperkontakt und Geborgenheit. Für den Vater ist Rooming-In ebenfalls eine gute Möglichkeit, um direkt nach der Geburt eine stärkere Beziehung zum Kind aufzubauen.

Wo liegen die Beobachtungsschwerpunkte

Atmung: Nasenflügelatmung, Einziehungen am Brustkorb, Atemgeräusche und Apnoen (Atempausen) können auf eine erschwerte Atmung hinweisen.

Puls: Eine unregelmäßige Herzfrequenz, zyanotische Hände und Füße und ein blass-livides Munddreieck deuten auf eine instabile Kreislaufsituation hin.

Körpertemperatur: Muss regelmäßig gemessen werden und Schwankungen / Veränderungen müssen erkannt werden.

Hautfarbe: Man muss den Zeitpunkt des Auftretens, die Dauer und die Intensität eines Ikterus beobachten, sowie die Beschaffenheit der Haut und den Hautturgor. Eine Gelbfärbung am ersten Tag post partum ist ein Zeichen für Hyperbilirubinämie und wird mit Fototherapie behandelt (siehe im Kapitel Bilirubinämie). Eine Blaufärbung des Kindes kann ein Hinweis auf ein Kephalhämatom (Blutung) sein. Das kann zu Anämie führen. Eine Veränderung der Hautfarbe unter Belastung ist physiologisch bedingt aufgrund der Anstrengung. Eine pathologische Bedeutung hat die Hautveränderung im Ruhezustand.

Trinkverhalten: Beim Trinken muss darauf geachtet werden, dass das Kind regelmäßig atmen kann. Bei Sauerstoffmangel kann das Kind eine bläuliche Farbe annehmen. Um ein Erbrechen und damit die Gefahr einer Aspiration zu vermeiden sollte man beim Füttern immer daran denken, dem Kind zwischendurch immer die Gelegenheit zu geben aufzustoßen. Das Kind braucht insgesamt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um ein Durstfieber - ansteigende Temperatur durch Flüssigkeitsverlust - vorzubeugen.

Ausscheidungen: Es müssen der Zeitpunkt, die Menge und das Aussehen kontrolliert werden. Der erste Stuhl eines Kindes heißt Mekonium. er sollte ca. 24 bis spätestens 36 Stunden post partum ausgeschieden werden. Wenn das nicht geschieht besteht die Gefahr eines Mekoniumileus (Darmverschluss). Außerdem ist das ein Hinweis auf eine Darmatresie oder zystische Fibrose (Mukoviszidose). Der Urin sollte ca. 12-24 Stunden post partum ausgeschieden werden. Dabei entsteht meist ein orangefarbener Fleck in der Windel - das sogenannte Ziegelmehlsediment. Das ist ein Zeichen für den Zerfall von Harnsäure, die bei Neugeborenen noch sehr viel vorhanden ist.

Verhalten des Neugeborenen: Zuckungen oder eine starke Schreckhaftigkeit können auf Neugeborenenkrämpfe hinweisen.

Nabelheilung: Über den Nabelschnurrest können Keime eindringen. Regelmäßig überprüfen, ob der Nabel entzündet oder infiziert ist.

Schutz vor Auskühlung

Das Neugeborene kann noch nicht genügend Wärme erzeugen, um sich warmzuhalten und kühlt daher schnell aus. Um das zu verhindern kann man bei der Pflege eine vorgewärmte waage oder eine Wärmelampe benutzen. Außerdem kann das Kind in ein vorgewärmtes Bett gelegt werden. Die Pflege sollte sehr zügig durchgeführt werden und unbekleidete Körperteile sollten mit einer Sanitas-Windel oder einem Handtuch abgedeckt werden. Die Raumtemperatur sollte ca. 20-22°C betragen und die Fenster sollen geschlossen sein.

Schutz vor Infektionen

Vor der Versorgung des Neugeborenen müssen alle (!) die Hände desinfizieren. Personen mit Infektionen (auch kleine Erkältungen) sollten dem Kind fernbleiben oder einen Mundschutz tragen. Auf jeden Fall sollten sie einen sehr engen Kontakt mit dem Kind vermeiden. Das Pflegepersonal muss alle darüber informieren, die Eltern, aber auch Besucher. Die Mutter des Neugeborenen muss außerdem informiert werden, dass ihr Wochenfluss sehr infektiös ist.

Physiologische Gewichtsabnahme

Das Neugeborene wird jeden Tag im Krankenhaus gewogen. Das sollte allerdings nicht vor und nach dem Essen geschehen, weil das die Mutter verunsichern kann und sich so negativ auf die Milchproduktion auswirkt. Im Laufe der ersten Lebenstage kommt es bei dem Neugeborenen zu einer Gewichtsabnahme von bis zu 1/10 des Geburtsgewichts. Nach 8 bis 10 Tagen sollte das Geburtsgewicht wieder erreicht sein.

Hautpflege des Neugeborenen

Als erstes ist der noch nicht abgeheilte Nabel zu beachten. Er sollte nur gewaschen werden, auch wenn Baden nicht schadet. Pflegeprodukte dürfen den Säureschutz der Haut nicht zerstören. Besser ist es das Kind nur mit klarem, warmem Wasser zu waschen und nur bei Bedarf milde, pH-neutrale Produkte zu verwenden - ohne Konservierungs-, Duft- und Farbstoffe. Cremes oder Lotionen sollten nur sehr sparsam verwendet werden, die Haut muss atmen können. Das Kind muss sehr sorgfältig abgetrocknet werden, vor allem in Falten, zwischen den Zehen und Fingern. Das dient der Vermeidung von Hautpilz und Mazerationen (Aufquillen der Haut). Wenn das Kind häufig spuckt sollte das Gesicht regelmäßig mit klarem Wasser gereinigt werden, das dient der Vermeidung von Hautirritationen. Bei akne wird mit sterilen Tupfern eine austrocknende Lösung aufgetragen. Die Fingernägel werden normalerweise nicht geschnitten, weil sie sich von selbst abschilfern. Nur in besonderen Ausnahmesituationen dürfen soe sehr vorsichtig geschnitten werden. Das Kind sollte grundsätzlich nur unter Aufsicht in Bauchlage liegen. Außerdem darf es nicht zu lange liegen, weil sich sonst Hautdefekte auf der Nase bilden können.

Sicherheit im Umgang mit dem Neugeborenen

Damit die Eltern sich im Umgang mit dem Kind sicherer fühlen, sollte die Pflegekraft sie in ihrer Tätigkeit unterstützen. Jede Mutter bekommt für das Neugeborene ein gelbes Untersuchungsheft, in dem alle Ergebnisse der Untersuchungen eingetragen werden. Die Eltern sollten das Untersuchungsheft erklärt bekommen und in dem Zusammenhang auch die Notwendigkeit der Untersuchungen verstehen. Bei den Untersuchungen sollten die Eltern auch immer hinzugezogen werden, damit sie über den Gesundheitszustand des Kindes Bescheid wissen und sich auch für die Gesundheit verantwortlich fühlen. Die Pflegekraft sollte die Eltern außerdem bei der Durchführung der Körperpflege und Nabelversorgung anleiten und Hilfestellungen geben. Die Eltern sollen über Unfallverhütung und die richtige Schlafumgebung informiert werden, damit sie über die Vermeidung von Verletzungen und den plötzlichen Kindstod Bescheid wissen. Der Einsatz der Hebamme wird in den ersten 10 Tagen nach der Geburt von der Krankenkasse bezahlt, die Eltern sollten das wissen und möglichst auch in Anspruch nehmen. Man kann den Eltern die Babymassage eklären und mit ihnen über die Bedürfnisse des Neugeborenen hinsichtlich Beschäftigung, Spielen und Anregung durch äußere Reize sprechen. In dem Zusammenhang ist es auch wichtig, den Eltern die Signale des Kindes zu erläutern, da es Zeichen gibt, wenn das Kind seine Ruhe haben möchte und wann es Kontakt sucht. Wichtig ist auch, dass der Vater mit einbezogen wird, damit auch er das Kind versorgen kann und eine bessere Beziehung zu dem Kind aufbaut.

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