Kinästhetik

Kinästhetik

Studium der Bewegung und der Wahrnehmung - Lehre von der Bewegungswahrnehmung

Ziele der Kinästhetik in der Pflege

  • Vermeiden von unnötigem Kraftaufwand und erleichterte Bewegungen
  • Erweiterung und Unterstützung der körperlichen Fähigkeiten von Pflegepersonal und Patient, Entwicklungsförderung
  • Gesundheitsförderung von Bezugspersonen und Pflegepersonal
  • Erkennen von Ressourcen des Patienten
  • Unterstützung der Eigenständigkeit und der Mobilität, dadurch Erweiterung der Lebensqualität
  • Gestaltung nichtsprachlicher Kommunikationsprozesse
  • Angenehme körperliche Bewegung, Körperwahrnehmung

Grundsätze in der Kinästhetik

Wahrnehmung

  • Sinneswahrnehmung ist nur über Bewegung möglich (beim Bewegen eines Patienten spürt die Pflegeperson die tatsächliche Beweglichkeit, die Muskelspannung und die Gewichtsverteilung)
  • Die Pflegeperson soll sich zeitlich (Geschwindigkeit der Bewegung), räumlich (Orientierung des Patienten) und kraftdynamisch der zu bewegenden Person anpassen

Orientierung im Körper und im Raum

  • orientiert am Körper ist der höchste Punkt der Kopf und der tiefste Punkt die Füße
  • um einen Menschen beim Aufstehen zu unterstützen muss das Gewicht zuerst auf die Füße geleitet werden

Körperteile / Massen und Bewegungsräume / Zwischenräume

  • Der Körper besteht aus 7 Körperteilen oder Massen: Kopf, Brust, 2 Arme, Becken, 2 Beine
  • Die Bewegungsräume oder Zwischenräume sind: Hals, Taille, 2 Hüftgelenke, 2 Schultergelenke
  • Ein Mensch wird über die Körperteile berührt und bewegt, die Bewegungsräume bleiben frei
  • wird in die Zwischenräume gefasst, wird die Bewegung eingeschränkt (Bsp.: hält man den Hals, kann der Kopf nicht mehr (sogut) gedreht werden)
  • Merke: Massen fassen, Zwischenräume spielen lassen!

Menschliche Bewegung

  • Jeder Mensch bewegt sich auf eine ganz eigene, individuelle Art und Weise (vgl. Grundsätzliches)
  • Nur die Seite, die vom Gewicht frei ist, kann bewegt werden!
  • Parallelbewegungen: Gewichtsverlagerung entweder nach vorne oder hinten oder nach oben oder unten, beide Körperseiten folgen ähnlichen Bewegungen
  • Spiralbewegungen: das Gewicht wird erst auf eine Körperseite verlagert, bevor die vom Gewicht freie Körperseite bewegt werden kann, die Bewegung entsteht durch auf- oder absteigende Drehbewegungen

Grundpositionen

Es werden 7 Grundpositionen unterschieden:

  • Von der Rückenlage drehen und strecken in die
  • Bauchlage (mit Ellenbogenstütz) drehen und beugen zum
  • Sitzen (mit gekreuzten Beinen) drehen und strecken in den
  • Vierfüßlerstand drehen und beugen in den
  • Einbein-Kniestand drehen und beugen in den
  • Einbeinstand drehen und beugen in den
  • Zweibeinstand

Kinästhetische Lagerungen / Bewegen eines Menschen im Bett

Rückenlage in Bauchlage

  • Der Patient lieg in Rückenlage nah an einer Seite des Bettes (Sichern!)
  • Der Arm auf der zu bewegenden Seite wird in gebeugter Haltung in Richtung Kopf des Patienten gelegt
  • Das gegenüberliegende Bein wird aufgestellt
  • Über das Knie des aufgestellten Beines oder des Beckens auf derselben Seite wird der Patient auf die Seite gedreht
  • Der Oberkörper geht dabei in eine Streckbewegunng
  • Das vorher aufgestellte Bein wird gestreckt und der Patient in eine für ihn angenehme Lage gebracht
  • Besonders darauf achten, dass die Füße nicht in Spitzfußstellung liegen, evtl. können sie am Matratzenende herausgeführt werden

Bauchlage in Rückenlage

  • Der Patient liegt in Bauchlage, der Kopf wird in eine Beugehaltung gebracht (der Patient sieht entgegen der Richtung, in die gedreht wird)
  • Das Bein auf der Seite in die der Patient blickt wird so weit wie möglich und angenehm in Richtung Bauch gebeugt
  • Der Patient wird langsam über das Becken oder das gebeugte Bein auf den Rücken gerollt

Rückenlage in Seitenlage

  • Der Patient liegt in Rückenlage
  • Die Beine des Patienten werden nacheinander durch drehen-beugen zur Seite bewegt, begonnen wird mit dem zur Pfegeperson nähergelegenen Bein
  • Der zur Pflegeperson nähergelegene Arm wird gebeugt in Richtung Kopf platziert, der zweite Arm liegt gebeugt über dem Brustkorb
  • Durch Handkontakt am Becken oder an den Beinen wird der Patient auf die Seite gerollt
  • Diese Lage ist nicht zur Lagerung geeignet, weil der Patient einem starken Druck auf einer kleinen Körperfläche ausgesetzt wäre
  • Vielmehr ist diese Lage dazu geeignet, kleine Pflegetätigkeiten auszuführen, z.B. das Waschen des Rückens oder der Stecklakenwechsel
  • Von dieser Lage kann eine 135°-Lagerung erzielt werden

Bewegen im Bett zur Seite

  • Der Patient liegt in Rückenlage
  • Die Beine werden nacheinander durch Dreh-Beugebewegungen in Bewegungsrichtung verlagert, der Patient befindet sich nun in einer kleinen Seitwärtsbeugung
  • Die Arme werden auf dem Brustkorb gekreuzt
  • Die eine Hand des Pflegeperson fasst unter den nahe liegenden Beckenkamm des Patienten, die andere Hand fasst an der gegenüberliegenden Seite des Beckenkamms an und rollt den Patient über das Becken auf die erste Hand
  • Die erste Hand zieht über das Laken zurück und nimmt das Becken mit, die zweite Hand unterstützt durch den Druck auf den oberen Beckenkamm
  • Mit dem Brustkorb wird genauso verfahren, nur dass die Pflegeperson Kontakt über den Brustkorb aufnimmt

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