Prophylaxe

Prophylaxe

Medizinisch bedeutet Prophylaxe die Prävention oder den Schutz vor einer Krankheit. Es werden chemische, biologische oder medizinische Hilfsmittel eingesetzt, mit denen das Eindringen infektiöser Organismen verhindert wird oder mit denen diese Organismen zerstört werden.

Pflegerisch ist die Prophylaxe ein wichtiges Hilfsinstrument um mögliche Zusatzerkrankungen oder Komplikationen zu verhindern, indem vorzeitig Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Thrombose-Prophylaxe

Thrombose (Blutgerinnsel)

Die Thrombose ist eine lokale und intravitale, also während des Lebens auftretende Gerinnung in einem Blutgefäß. Je nach Sitz des Thrombus (Blutgerinnsel) innerhalb der Blutstrombahn unterscheidet man zwischen der arteriellen und der venösen Thrombose. In venösen Bereichen ist die Thrombose häufiger. Hier fließt das Blut insgesamt langsamer.

Ursache für einen Thrombus ist langes Liegen. Durch die geringe Bewegung wird die Funktion des Herzens schwächer. Dadurch fließt das Blut langsamer als gewöhnlich und verklumpt schneller.

Bei Verdacht auf Thrombose wird strikte Bettruhe angeordnet und mit der Thrombosetherapie begonnen.

Phlebothrombose (Tiefe Beinthrombose)

Die Phlebothrombose ist der Verschluss einer tiefen Vene durch einen Thrombus. Zu 90 % findet man sie in den tiefen Bein- und Beckenvenen. Bei der Phlebothrombose ist die Gefahr der Lungenembolie höher. Auf langfristige Sicht kann sich durch Thrombose-Rezidive ein postthrombotisches Syndrom entwickeln. 20 % haben nachträgliche Erscheinungen, Schmerzen, Schwellungen und sind anfälliger für neue Thrombosen.

Embolie

Die Embolie ist ein Gefäßverschluss durch einen Embolus. Ein Embolus ist eine in die Blutbahn verschleppte Substanz, die sich nicht im Blut löst. Ein Thrombus wird zu einem Embolus, wenn er sich von seiner Bildungsstelle löst und vom Blut weitergetragen wird. Aber auch Luft, Fremdkörper und Bakterien können zu einem Embolus werden.

Thrombophlebitits

Die Thrombophlebitis ist eine Entzündung einer oberflächlichen Vene. Sie kann bakteriell oder abakteriell sein. Eine bakterielle Thrombophlebitis entsteht durch Eindringen von Bakterien z.B. in Folge eines Bagatelltraumas oder durch Injektionen und venöse Zugänge. Es besteht die Gefähr der hämatogenen Streuung der Bakterien im Organismus. Die abakterielle Thrombophlebitis entsteht durch Bildung eines Gerinnsels in einer oberflächlichen Vene. Daraus kommt es zu einer lokal begrenzten Entzündung. Aus der Thrombophlebitis kann eine Thrombose entstehen.

Diagnose einer Thrombose oder Phlebothrombose

Es gibt drei grundlegende Möglichkeiten, um festzustellen, ob ein Patient eine Thrombose hat:

  • Homann'sches Zeichen: der Patient hat Schmerzen bei einer schnellen Bewegung des zu untersuchenden Fußes mit den Zehen nach oben
  • Payer'sches Zeichen: Der Patient spürt einen Druckschmerz an der Innenseite der Fußsohle
  • Lowenberg-Test: Mit einer Druckmanschette wird am Unterschenkel Druck ausgeübt. Der Patient hält am kranken Bein einen niedrigeren Druck aus als am gesunden. Ein Unterschied von 20 mmHg ist ein deutlicher Hinweis auf eine Phlebothrombose

Wichtige Untersuchungsmethoden

  • Körperliche Untersuchung der unteren Gliedmaßen:
    • Inspektion / Betrachten: Wird eine Veränderung der Haut wahrgenommen? (Blässe, Rötung oder Blaufärbung der Haut)
    • Palpation / Abtasten: Werden eine Verhärtung der Wade und ein Druckschmerz wahrgenommen? Kann ein harter Gefäßstrang gefühlt werden? Unterhalb eines Verschlusses fehlt der Puls
    • Auskultation / Abhorchen: Werden Strömungsgeräusche in den großen Arterien vernommen? (Die Geräusche entstehen durch Wirbelbildung im arteriellen Blutstrom unter bestimmten Bedingungen bei Enge und Verschluss.)
  • Arteriographie: Röntgenuntersuchung der Arterien unter Kontrastmitteldarstellung
  • Dopplersonographie: Spezielle Ultraschalluntersuchung z.B. zur Feststellung arterieller oder venöser Gefäßerkrankungen
  • Oszillometrie: Messung von Pulsveränderungen zur Bestimmung arterieller Durchblutungsstörungen (auch Bestimmung der Örtlichkeit)
  • Phlebographie: Röntgenuntersuchung der Venen unter Kontrastmitteldarstellung
  • Plethysmographie: Messung des venösen Blutdruckstroms aus dem Unterschenkel zur Ermittlung einer Venenthrombose

Zeichen einer Thrombose

  • Zeichen einer oberflächlichen Venenthrombose:
    • Schwellung
    • Schmerzen
    • die Venen sind als dicke rote Stränge unter der Haut tastbar
    • Auf der Haut ist eine starke Venenzeichnung zu sehen
  • Zeichen einer Phlebothrombose:
    • Zunächst sind keine charakteristischen Symptome zu erkennen, wenn sich der Patient im Ruhestadium befindet
    • bläuliche Verfärbung
    • Schwellung
    • Schweregefühl des Beines
    • Schmerzen, je nach Lokalisation ziehend (Fußsohle, Wade, Leiste)
    • Stehen und Gehen sind besonders schmerzhaft, werden oft verweigert
    • Häufig ist eine Verbesserung durch Hochlagern des Beines zu erzielen, weil dadurch der Druck gemindert wird und das Blut leichter zum Herzen zurückfließen kann
    • Eventuell kann auch Fieber auftreten

Virchow Trias - Drei Faktoren, welche die Thrombose begünstigen und Thrombose gefährdete Menschen

  1. Verlangsamte Blutsrömung:
    • Je langsamer das Blut fließt, umso eher können sich Thrombozyten an der Gefäßwand anlagern und einen Thrombus bilden
    • Immobilität, Bettlägerigkeit, Bewusstlosigkeit, Lähmungen, Koma, Hypotonie, Herzinsuffizienz, chronisch venöse Insuffizienz, Gipsverband, Schienenlagerung, schmerzbedingte Schonhaltung
  2. Gefäßwandschädigung:
    • Eine Schädigung der Intime (Gefäßinnenwand) löst eine Thrombozytenaggregation aus (Zusammenballen der Thrombozyten) und es bildet sich ein Thrombus
    • Postoperativ, Verletzungen, Traumen, Quetschungen, Entzündungen der Venen, Varrizen (Krampfadern), altersbedingte Veränderungen der Beinvenen
  3. Erhöhte Gerinnungsneigung - Hyperkoagulabilität
    • das im Blut herrschende Gleichgewicht zwischen Blutgerinnung und Gerinnselauflösung ist gestört
    • Hochgradiger Flüssigkeitsverlust und -mangel durch Durchfall, Erbrechen, großflächige Verbrennungen, harntreibende Mittel, Ovulationshemmer, Kortison, pathologische Zellvermehrung (Polyglobulie - Anhäufung der Erythrozyten, Vermehrung der Blutgerinnungsfaktoren - OP)
  4. Weitere Risikofaktoren:
    • Höheres Lebensalter (> 65 Jahre)
    • Übergewicht (> 20 % nach Broca-Formel)
    • Schwangerschaft und Wochenbett
    • Maligne Erkrankungen
    • Frühere Thrombosen und Embolien
    • Sepsis und / oder schwere Infektionskrankheiten
    • Rauchen

Thromboseprophylaxe - Verbesserung des venösen Rückflusses

(Früh-) Mobilisation

  • Gehen und Stehen fördert den venösen Rückfluss durch den Druck der Muskeln
  • Möglichst früh den Patienten zum Aufstehen motivieren
  • Verstärkung des Drucks durch Thrombose-Strümpfe
  • Bei Phlebothrombose nur in Rücksprache mit dem Arzt mobilisieren

Lagerung der Beine

  • Hochlagerung der Beine fördert den venösen Rückfluss
  • Das Hochlagern ist die einfachste und am besten tolerierte Methode
  • Mindestens 3 x täglich 20 Minuten die Beine hochlagern
  • Erhöhung der Beine um ca. 20°, die Knie sind leicht gebeugt
  • Kniekehlennerven und Gefäße in der Leistenbeuge dürfen nicht abgeknickt werden
  • Kontraindikation: periphere arterielle Verschlusskrankheit, Herzinsuffizienz Stadium 3-4, manifeste Hypertonie, massive Beinödeme

Ausstreichen der Venen

  • bei bettlägerigen, immobilen Patienten
  • Beschleunigung des venösen Rückflusses um das 4-fache
  • kann mit der Grundpflege kombiniert werden
  • Durchführung: entgegen der Haarwuchsrichtung die Beine mit leichtem Druck (etwas stärker als beim gewöhnlichen Waschen) ausstreichen, das Bein wird mit einer Hand angehoben, 3-5 mal wiederholen
  • Kontraindikation: Verdacht auf Phlebothrombose, bei ausgeprägten Varrizen, da sich ein unbemerkter Thrombus lösen könnte

Rückstromfördende Gymnastik

  • Physiotherapeutische Übungen
  • Aktive und passive Bewegungsübungen durch Patient und Pflegepersonal
  • mindestens 3 x täglich
  • Jede Übung mindestens 10 x hintereinander zügig wiederholen
  • Gleichmäßiges Atmen während der Übungen

Dekubitus-Prophylaxe

Dekubitus / Dekubitusulkus

Ein Dekubitus ist das Wundliegen oder Aufliegen der Haut durch äußere lokale Druckeinwirkung. Der Dekubitus ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eine Folgeerkrankung. Er entsteht durch fehlendes oder zu seltenes Lagern des Patienten und gilt daher als Pflegefehler und kann zur Anzeige gebracht werden!

Vorbeugung ist das regelmäßige Umlagern des Patienten, um eine zu lange Druckeinwirkung auf bestimmte Körperareale zu vermeiden.

Entstehung eines Dekubitus

  1. Druck + Zeit: Die Entstehung des Dekubitus beginnt durch Druck auf ein bestimmtes Hautareal innerhalb einer gewissen Zeit beim Sitzen oder Liegen.
  2. Durch den Druck kommt es zur Komprimierung: die versorgenden Blutgefäße im Gewebe werden zusammengedrückt.
  3. Dadurch kommt es zur Mangeldurchblutung des Gewebes, Ischämie: die Durchblutung der Kapillaren wird behindert, wenn der Druck auf die Kapillaren größer ist, als der mittlere Blutdruck in ihnen (25-30 mmHg).
  4. Durch die Mangeldurchblutung kommt es in dem Gewebe zu Sauerstoff- und Nährstoffmangel: das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut kann nicht mehr zu den Zellen transportiert werden, bei länger anhaltendem Druck auf ein räumlich begrenztes Hautareal sterben die betroffenen Körperzellen ab (Nekrose).
  5. Dadurch entstehen irreversible, also nicht reparierbare Schädigungen von Nervenzellen.
  6. Daraus folgt eine Anhäufung saurer Stoffwechselprodukte (Metabolite): neben den Arterien wird auch die venöse Durchblutung unterbrochen, es kommt zur Azidose (Übersäuerung).
  7. Der Körper reagiert auf die Azidose mit einer Weitstellung der Blutgefäße (Dilatation der Arteriolen), was durch eine Hautrötung erkennbar wird (1. Grad)
  8. Außerdem wird die Permeabilität (Durchlässigkeit) der Gefäße gesteigert, der darauf folgende höhere Flüssigkeits- und Eiweißaustritt in das Gewebe fördert die Entstehung von Ödemen und Blasen (2. Grad)
  9. Durch die Schädigung des Endothels der Kapillaren kann eine Gefäßthrombose entstehen: durch geringeren Flüssigkeitsanteil im Blut dickt dieses ein, das führt widerum zur Ischämie an anderen Stellen, hier besteht dann Dekubitusgefahr!

 Dekubitus gefährdete Körperstellen

  • Beim Sitzen: Hinterhauptbein, Dornfortsätze (Wirbelkörper), Ellenbogen, Kreuz- und Steißbein, Knie, Ferse, Fußsohlem Zehen (unter einer Decke)
  • In Rückenlage: Hinterhauptbein, Scheitelbein, Schulterblätter, Dornfortsätze, Ellenbogen, Kreuz- und Steißbein, Ferse, Fußsohle, Zehen
  • In Seitenlage: Ohrmuschel, Scheitelbein, Schulter, Ellenbogen, Rippen, Darmbein (Becken), großer Rollhügel (Oberschenkel), Knie, Knöchel
  • In Bauchlage: Ohrmuschel, Scheitelbein, Ellenbogen, Sternum, Rippen, Schambein, Knie, Knöchel, Zehen

Risikofaktoren / Disposition zum Dekubitus

  • Je mehr Dispositionen / Risikofaktoren zusammenkommen, umso größer ist die Dekubitusgefährdung!
  • Bewegungseinschränkung:
    • mangelhafte Druckentlastung, da kein eigenständiger Lagewechsel möglich ist
    • Lähmung, Koma, Bewusstlosigkeit, postoperativ, Schonhaltungen, wähhrend lang anhaltender OP, Erschöpfung, schwache Menschen (alte, schwer kranke), Frühgeborene, körperlich Behinderte, Prothesenträger
  • Sensibilitätsstörungen:
    • eingeschränkte oder fehlende Sensibilität führt zu reduzierter oder fehlender Druck- und Schmerzwahrnehmung, dadurch wird keine druckentlastende Bewegung durchgeführt
    • nach Einnahme von Schmerz- und Schlafmitteln, Schädigung der Nervenendigungen (Diabetiker), Narkose-Nachwirkungen, Schmerzpumpen / Peridualanästhesie, neurologische Ausfallerscheinungen (Schlaganfall), Verletzungen des Rückenmarks
  • Reduzierter Allgemein- und Ernährungszustand:
    • Auszehrung und Kräfteverfall (Kachexie), Muskelatrophie und Fettverlust führen zu Elastizitätsverlust und Verlust der Polsterfunktion der Haut
    • bei Anorexia nervosa, Nahrungskarenz, Infektionen, schwere allgemeine Erkrankungen (Darmerkrankungen), Frühgeborene, nach OP mit langer Nahrungskarenz, chronisches Fieber (hoher Sauerstoff- und Eiweißbedarf)
  • Bewusstseinsstörungen:
    • Beeinträchtigung der Wahrnehmung, der Reaktion und des eigenständigen Handelns, keine Druck- und Schmerzwahrnehmung bei gleichzeitiger Unfähigkeit Spontanbewegungen durchzuführen
    • Koma, Bewusstlosigkeit, geistige Behinderung
  • Herz-, Kreislauf- und Bluterkrankungen:
    • Veränderungen der Zirkulation und der Gefäße können zur Minderversorgung der Zellen mit O2 und zu Ödemen führen
    • Herzfehler, Verletzungen der Herzklappen, Blutgefäße, Herz-Insuffizienz, Hypotonie
  • Stoffwechselerkrankungen:
    • pathologische Mechanismen und Gefäßveränderungen können zur Herabsetzung der Gewebedurchblutung führen
    • Diabetes, Adipositas
  • Hautveränderungen:
    • Allergien, chronische Hautschäden (Neurodermitis, Schuppenflechte), trockene Haut, extreme Feuchtigkeit der Haut (übermäßiges Schwitzen), vorgeschädigte Haut, Läsionen, bestrahlte Haut, Narbengewebe, lokale Reizungen (Inkontinenz, Neugeborene)
  • Hohes Lebensalter:
    • physiologische und pathophysiologische Hautveränderungen, verstärkt durch Immobilität und weitere Risikofaktoren
    • eingeschränkte Mobilität, Hautveränderungen (Elastizitätsverlust), Flüssigkeitsverlust

Gradeinteilung des Dekubitus

  1. Grad:
    • scharf begrenzte Rötung der Epidermis ohne Hautläsion, die nach Druckentlastung nicht verschwindet
    • Fingertip-Test: bleibt nach dem Eindrücken die Haut rot (wird nicht weiß), liegt ein Dekubitus ersten Grades vor
  2. Grad:
    • Mitbeteiligung der Dermis
    • Oberflächenschädigung der Haut in Form einer geschlossenen oder bereits geöffneten Blase (bei geöffneter Blase besteht Infektionsgefahr!)
    • sehr schmerzhaft, weil viele Nervenendigungen in der Dermis liegen
  3. Grad:
    • Schädigung aller Gewebeschichten, Bänder, Sehnen, und oft ist auch die Knochenhaut sichtbar, bis hin zur Nekrose (Gewebetod) durch kleine Gefäßthrombosen
    • kaum Schmerzempfindung, weil die Nerven aus der Dermis bereits zerstört wurden und darunter kaum Nerven liegen, höchstens Schmerzen am Rand des Dekubitus durch umliegendes Gewebe
  4. Grad:
    • Schädigung der Haut, Muskeln und Knochen, häufig auch Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung)
    • äußerst schmerzhaft
    • chirurgische Behandlung notwendig

Ernährungsgrundsätze zur Dekubitusprophylaxe

Man muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Bei einem Erwachsenen bedeutet das mindestens 2 Liter täglich!

Außerdem muss der Bedarf an Kohlenhydraten, Eiweißen, Fetten, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen gedeckt werden! Eiweiß ist wichtig für den Zellaufbau (Baustein für Haut und Gewebe). Außerdem dient er als Hämoglobinbestandteil zusammen mit Eisen als Transportmittel für Sauerstoff. Fett ist ein wichtiger Energielieferant und dient der Erhaltung der Zellmembran. Vitamin C dient dem Aufbau von Bindegewebe, Vitamin A dient der Bilung der Zellmembran und Vitamin E dient der Zellstofwechsel - Anregung. Mineralien und Spurenelemente sind wichtige Bausteine für den Zellstoffwechsel. Natrium dient außerdem der Osmoregulation, also der Verteilung der Körperflüssigkeiten, hält Flüssigkeit im Intravasalraum. Zink, Selen und Kupfer sind wichtig für die Wundheilung.

Außerdem muss das Ess- und Trinkverhalten durch Beobachtung und Erfassung beurteilt werden. Was und wieviel ist der Patient?

Die Planung zur Deckung des Tagesbedarfs an Nährstoffen wird ein Ernährungsplan erstellt. Außerdem wird der Appetit angeregt, indem der Patient z.B. seine Lieblingsspeisen bekommt. Dazu wird seine Wachheit und seine selbstständige Nahrungsaufnahme gefördert. Zusätzlich werden Nahrungszusätze (Hochkalorische Kost) oder Diäten eingesetzt, um das Gewicht zu erhalten.

Um eine Fehl- oder Mangelernährung oder eine Verschlechterung der Ernährungssituation zu verhindern, wird vor Entlassung des Patient sein häusliches Umfeld organisiert. Kann jemand für ihn mitkochen? Soll Essen auf Rädern bestellt werden? Außerdem wird eine Ernährungsberatung durchgeführt, um seine Ernährungssituation beizubehalten.

Fazit: eine unzureichende Nahrungszufuhr führt zum Energieverlust und somit zu mangelnder Bewegungsfähigkeit und eingeschränkter Mobilität, dadurch entsteht Dekubitusgefahr!

Pflege der Haut bei Dekubitus

Die Raumtemperatur sollte angenehm sein. Der Patient sollte weder schwitzen, noch frieren. Außerdem müssen Allergien des Patienten beachtet werden.

Der Patient soll grundsätzlich nur mit klarem Wasser gewaschen und danach gut abgetrocknet werden. Seifen sind nicht geeignet, weil sie den Säureschutzmantel der Haut angreifen und diese aufquellen und austrocknen. Syndets sollten auch nur bei Bedarf eingesetzt werden, da sie die Haut auch entfetten. Ölbäder sind nicht geeignet, Bäder weichen die Hautoberfläche auf und das Öl verstopft die Poren. Cremes, Lotionen und Pasten sollten nie benutzt werden, außer bei besonders trockener Haut. Massagen sind nicht geeignet. Sie führen zu einer manuellen Reizung der Haut. Gereizte Haut ist immer eine gefährdete Haut!

Kontaktwäsche des Patienten sollte immer glatt sein. Es sollten möglichst Naturfasern wie Baumwolle und Leinen verwendet werden und keine Synthetikmaterialien, die den Körper nicht richtig atmen lassen und zum schwitzen bringen. Außerdem sollten auch keine Gummiunterlagen verwendet werden.

Grundsätzlich gilt bei der Hautpflege zur Dekubitusprophylaxe folgendes:

  • nicht prophylaktisch eincremen (schränkt die Hautatmung ein)
  • nur bei trockener Haut W/O-Präparate benutzen
  • nur mit klarem Wasser waschen, nur bei Bedarf pH-neutrale Waschzusätze verwenden
  • gut abtrocknen, um ein aufquellen der Haut zu verhindern
  • Inkontinente Patienten gut trocken halten, Inkontinenzvorlagen häufig wechseln
  • kontinuierliche Beobachtung der Haut, vor allem an druckgefährdeten Stellen, Beurteilung und Dokumentation (mindestens einmal pro Schicht, Uhrzeit aufschreiben!)
  • regelmäßig Lagern und Mobilisieren
  • bei bereits bestehendem Dekubitus: dokumentieren, Größenvergleich auf einem Foto festhalten, Arzt informieren

Druckreduzierende Hilfsmittel

Beim Einsatz von Spezialmatratzen ist zu beachten, dass sie keine absolute Druckentlastung realisieren! Der Patient muss weiterhin umgelagert werden!

Außerdem muss der Einsatz von Spezialmatratzen gut überlegt werden, da sie möglicherweise zu Bewegungsdefiziten und der Veränderung des Körperschemas führen. Sie sollten deshalb auch nur solange eingesetzt werden, wie es notwendig ist.

Im Krankenhaus werden keine Felle verwendet. Natürliche Schaffelle können nicht hygienisch aufbereitet werden. Synthetische Schaffelle lassen den Körper schwitzen und sorgen so für eine feuchte Haut. Außerdem werden sie nach ein paar hygienischen Aufbereitungen fuselig und es entstehen kleine Knubbel, wodurch auch keine weiche Lagerung mehr möglich ist.

Nicht verwendet werden Felle, Watteverbände oder Watteringe, Wassermatratzen und Lagerungsringe, da sie nicht für eine richtige Entlastung sorgen.

Schaumstoffmatratzen verringern den Auflagedruck. Allerdings muss das maximal zulässige Gewicht eingehalten werden, damit der Patient die erforderliche Sinktiefe erreicht (30-45 mm). Die Schaumstoffmatratze hat allerdings den Nachteil, dass die Immobilität des Patienten zunimmt.

Gel- und Trockenpolymerauflagen gibt es in verschiedenen Größen und können verschiedene Funktionen haben (Sitzkissen, Bettauflage, spezielle OP-Lagerung). Sie haben gute Lagerungseigenschaften, weil der Patient nicht einsinkt und gut physikalische Eigenschaften.

Luftkissenmatratzen oder -Auflagen sind statische und dynamische Luftkammersysteme, die mittels einer Pumpe zeitweise be- und entlüftet werden. Dadurch haben sie eine besondere druckentlastende Wirkung und sind sehr gut geeignet für Patienten, die nicht mehr gelagert werden können oder bei denen schon ein Dekubitus vorhanden ist.

Spezialbetten und großzellige Drucksysteme sind mit Luft oder speziellen Glaskugeln gefüllte Betten. Sie haben eine gute Druckreduktion bei völliger Immobilität oder größeren Hautdefekten (post OP, Verbrennungen, bereits vorhandene Dekubiti). Der Nachteil besteht allerdings darin, dass dadurch die Körperwahrnehmung des Patienten allmählich nachlässt.

Loss-air-loss-Betten bestehen aus einem Luftkammersystem, welches einen sehr niedrigen Auflagedruck auslöst. Darum ist es sehr gut bei Patienten, die nicht mehr umgelagert werden können und bei kreislaufinstabilen Patienten (z.B. Polytrauma).

Das Packbett besteht aus Superweichkissen und dient dadurch zur Weichlagerung. Es wird bei bewegungsunfähigen Patienten eingesetzt (z.B. Paraplegiker).

Das Drehbett ermöglicht die kontinuierliche Drehung des Patienten in seiner Längsachse um mehr als 35 °. Es wird häufig im Intensivbereich eingesetzt und fördert zusätzlich die Organfunktionen.

Behandlung von Dekubituswunden

Bei Grad 1 ist nur die Epidermis betroffen. Das ist durch eine bleibende Hautrötung zu erkennen. Es hilft absolutes Druckentlasten bis die Rötung verschwunden ist. Zusätzlich sollte an der betroffenen Hautstelle keine lokale Wärme und keine Massagen angewandt werden, weil die Haut dadurch stark gereizt wird. Außerdem muss die Haut gut beobachtet werden!

Bei Grad 2 geht der Dekubitus bereits in die Dermis. Es haben sich Blasen gebildet. Auch hier wird sofort eine absolute Druckentlastung durchgeüfhrt. Bei einer noch geschlossenen Blase wird sie geschlossen gehalten und steril mit einer Kompresse abgedeckt., damit keine Infektionen entstehen. Sollte die Blase infiziert sein, wird sie steril geöffnet und danach wird ein aseptischer Wundverband angelegt. Auch bei einer oberflächlichen Hautschädigung wird ein aseptischer Wundverband angelegt.

Bei Grad 3 und 4 ist eine tiefe offene Wunde vorhanden. Natürlich ist auch eine absolute Druckentlastung notwendig. Bei Infektion muss immer ein Wundabstrich durchgeführt werden. Die feuchte Wundtherapie richtet sich nach der Wundheilungsphase und der Sekretmenge. Bei ausgedehnter Nekrosenbildung ist eine chirurgische Therapie erforderlich. Bei großen Defekten ist eventuell eine Hauttransplantation nach der Granulationsphase notwendig.

Das ist zu beachten

Keine Salben und Cremes verwenden! Salben wie Zink, Vaseline und Melkfett verschließen die Poren und verhindern den Wärmeausgleich.

Eisen und Föhnen der Haut ist wirkungslos! Dadurch wird nur die Infektionsgefahr erhöht und es besteht die Gefahr von Kälteschäden und Verbrennungen.

Keinen Franzbranntwein verwenden! Er enthält Alkohol, welcher die Haut entfettet.

Hyperämisierende Hautpflegemittel und Massagen führen nicht zu einer dauerhaften stärkeren Durchblutung.

Quecksilberhaltige Antiseptika wie Mercurochrom sind gefährlich, das sie resorbiert werden und sich in Organen ablagern können. Außerdem erschwert die rote Färbung durch die Mittel die Hautbeobachtung.

Desinfektionsmittel und Antiseptika dürfen nicht prophylaktisch angewendet werden. Sie zerstören auch die physiologischen Hautkeime. Außerdem sind allergische Reaktionen möglich. Deshalb bedürfen sie ärztlicher Anordnung.

Gummi und Plastik sollten vermieden werden! Sie erhöhen die Feuchte und schränken die hauteigene Feuchtigkeitsregulierung ein.

Ein paar Fragen und Antworten zur Dekubitustherapie

Welche Skala zur Einschätzung des Dekubitusrisikos empfehlen Sie und in welchen Intervallen sollte eine Neueinschätzung erfolgen?

  • Am besten empfiehlt sich die Klinikinterne Skala, und wenn keine solche vorhanden ist, würde ich die Braden-Skala bevorzugen, da sie die Unterpunkte besser erläutert als die Norton-Skala
  • Die Risikoeinschätzung sollte zunächst unmittelbar zu Beginn des pflegerischen Auftrages durchgeführt werden, so werden auch mögliche bereits bestehende Probleme festgestellt. Danach sollte in individuell festzustellenden Abständen eine Neueinschätzung durchgeführt werden, und zusätzlich bei Veränderungen der Mobilität, der Aktivität und des Drucks.

Sollte zur Durchblutungsförderung Franzbranntwein eingesetzt werden?

  • Nein, da der darin enthaltene Alkohol die Haut entfettet

Was sollte bei Vorliegen von abgestorbenem (nekrotischem Gewebe getan werden?

  • Es bedarf einer chirurgischen Therapie

Was nutzt "Eisen und Föhnen"?

  • Nichts, es erhöht nur die Infektionsgefahr und die Gefahr von Kälteschäden und Verbrennungen

Soll ein Dekubitus steril oder unsteril verbunden werden?

  • es wird ein aseptischer Wundverband angelegt, also ein sterile Verband, damit keine Infektionsgefahr besteht

Worauf ist bei der Hautpflege zu achten?

  • nur mit klarem Wasser waschen und gut abtrocknen
  • Seifen sind ungeeignet, weil sie die Haut austrocknen
  • Syndets werden nur bei Bedarf eingesetzt
  • Ölbäder und Massagen sind nicht geeignet
  • Patient nicht eincremen, außer bei sehr trockener Haut
  • Glatte Kontaktwäsche aus Naturfasern
  • keine Synthetik- oder Gummi-Materialien verwenden
  • Inkontinente Patienten gut trocken halten
  • kontinuierliche Beobachtung der Haut, dokumentieren
  • Lagern und Mobilisieren, dokumentieren

Was sind Scherkräfte?

  • Verschiebung und Quetschung von Gewebe und Gefäßen durch rutschen über eine Oberfläche

Wie entsteht ein Dekubitus?

  • Durch Druck auf ein bestimmtes Hautareal über eine bestimmte Zeit werden die im Gewebe liegenden Gefäße gequetscht
  • Dadurch entsteht eine Ischämie und Sauerstoff- und Nährstoffmangel, außerdem werden Nervenzellen irreversibel geschädigt
  • Da auch die venöse Durchblutung gestört ist, kommt es zur Azidose
  • Darauf reagiert der Körper mit der Dilatation der Arteriolen und der Steigerung der Permiabilität
  • Dadurch kommt es zum Flüssigkeits- und Eiweißaustritt in das Gewebe

Wo besteht der Zusammenhang zwischen Ernährung und Dekubitus?

  • Der Körper benötigt bestimmte Stoffe, um seine Zellen bilden zu können
  • Durch Nahrungszufuhr werden diese Stoffe geliefert

Sollte zur Hautpflege Melkfett oder Zinksalbe verwendet werden?

  • nein, beide verstopfen die Poren und verhindern den Wärmeausgleich

Was ist unter phasengerechter Wundversorgung zu verstehen?

  • Die Behandlung von Dekubituswunden, angepasst an den Tiefengrad des Dekubitus

Was bieten dynamische Wechseldrucklagerungssysteme?

  • eine automatische regelmäßige Druckstellenveränderung durch Be- und Entlüftung der einzelnen Kammern, dadurch Reduzierung des Auflagedrucks

Bei einem Dekubitus ist die Durchblutung gestört. Kann die Durchblutung durch hyperämisierende Salben gefördert werden?

  • Nein, sie führen zwar zu einer kurzzeitigen oberflächlichen stärkeren Durchblutung, aber sie haben keine dauerhafte Wirkung

Wieso schon wieder dokumentieren?

  • Es muss festgehalten werden, wie sich der Dekubitus entwickelt, damit nachgewiesen werden kann, dass man alles getan hat, um die Situation des Patienten zu verbessern

 

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