Ermittlung der Körpertemperatur

Der Mensch ist ein homiothermes (gleichwarmes) Lebewesen, die Körpertemperatur ist unabhängig von der Außerntemperatur. Die Körperkerntemperatur beträgt konstant 37°C. Die inneren Organe benötigen diese Kerntemperatur zur Aufrechterhaltung einer konstanten Stoffwechsellage. Die Körperschalentemperatur ist deutlich niedriger. Die Temperatur schwankt im Tagesverlauf. Morgens um 3.00 Uhr ist sie am niedrigsten, abends um 18.00 ist sie am höchsten. Die Werte schwanken um ungefähr 0,5°C. Während des Eisprungs steigt die Temperatur um 0,5°C an, bedingt durch das Hormon Progesteron, das auf die Thermoregulation im Gehirn wirkt.

Thermoregulation

Der Regler für dir Temperatur liegt im Hypothalamus. Dort ist auch der Soll-Wert auf 37°C festgelegt. Vom Hypothalamus aus werden Steuersignale zur Wärmebildung und Wärmeabgabe gesendet. Dadurch wird die Körpertemperatur verändert. Die Körpertemperatur wird aber auch durch innere und äußere Störfaktoren wie Infektionen und die Umgebungstemperatur beeinflusst. In der Körperschale (Haut) und im Körperkern (Organe) befinden sich Thermorezeptoren, welche die Temperatur wahrnehmen und messen und die Werte an den Hypothalamus senden, der dementsprechend neue steuersignale zur Wärmebildung oder Wärmeabgabe senden kann.

Wärmeproduktion und Wärmeaufnahme

Wärme wird durch die inneren Organe gebildet, durch unwillkürliches Muskelzittern oder willkürliche Bewegungen. Die Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf die Wärmeproduktion. Bei Säuglingen wird Wärme im braunen, mitochondrienreichen Fettgewebe gebildet. Durch zusätzliche Wärmequellen kann der Mensch Wärme aufnehmen. Um Wärme nicht zu verlieren, stellen sich die Gefäße eng - Vasokonstriktion.

Wärmeabgabe

Die Wärmeabgabe erfolgt über vier verschiedene Mechanismen:

  1. Wärmekonvektion (Strömung) - Wärmeabtransport an die umgebende Luft
  2. Wärmekonduktion (Leitung) - Wärme wird an das unmittelbar am Körper liegende Medium abgegeben, z.B. Wadenwickel
  3. Wärmestrahlung - Der Körper gibt ähnlich wie ein Heizkörper Strahlung ab, z.B. Hände auf kalter Glasplatte
  4. Wärmeabgabe durch Verdunstung - Verdunstungskälte wird durch verstärkte Schweißproduktion erreicht. Verdunstung wird zum einen erreicht durch Perspiratio sensibilis, sichtbare Verdunstung, z.B. Schweiß auf der Haut, und zum anderen durch Perspiratio insensibilis, nicht sichtbare Verdunstung, z.B. die Atmungsverdunstung.

Die Wärmeabgabe wird durch weitstellen der Gefäße - Vasodilatation - erhöht.

Früh- und Neugeborene

Bei Früh- und Neugeborenen ist besonders auf den Wärmehaushalt zu achten, weil sie noch kein voll ausgeprägtes Temperaturregulationszentrum haben. Außerdem haben sie im Verhältnis zu ihrem Volumen eine große Körperoberfläche und kühlen daher vergleichsweise schneller aus. Dazu haben sie noch eine reduzierte Wärmeisolierung, weil sie eine dünnere Haut haben. Die schweißproduktion ist noch eingeschränkt, dadurch kann das Kind übermäßige Wärme nicht so gut abgeben.

Die Messung der Körpertemperatur

Zur Erfassung der Körpertemperatur stehen verschiedene Körperstellen zur Verfügung. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass hier größere Blutgefäße verlaufen und der Messbereich weitestgehend von der Umgebungstemperatur unbeeinflusst ist.

Die Auswahl des Messortes und damit der Messart richtet sich nach dem Alter des Patienten, der Häufigkeit der Kontrolle, dem Ziel der Maßnahme, den vorhandenen Geräten und vor allem auch nach dem Wunsch des Patienten.

Bei Thermometern, die von verschiedenen Menschen verwendet werden, sollten Einmalschutzhüllen benutzt werden.

Indikationen zur Messung der Körpertemperatur:

  • bei Aufnahme
  • postoperativ
  • bei Infektionen
  • bei Früh- und Neugeborenen
  • bei Fieber
  • zur Feststellung des Ovulationszeitpunktes

Axillare Messung

Das Thermometer wird in die trockene Achselhöhle gelegt. Der Oberarm muss am Oberkörper anliegen. Die Messpitze des Thermometers muss vollkommen umschlossen sein. Die Messdauer beträgt 8 bis 10 Minuten zum Ermitteln der Schalentemperatur und 20 bis 30 Minuten zur Ermittlung der Kerntemperatur bei einem Maximalthermometer. Mit einem digitalen Thermometer dauert die Messung nur 1 - 2 Minuten.

Die Messung ist problemlos und nicht unangenehm. Ein weiterer Vorteilder Messung ist die hygienische Vorgehnsweise und die Wahrung der Intimsphäre.

Ein Nachteil ist aber, dass die Durchführung nicht immer exakt verläuft und dadurch ungenaue Werte entstehen.Bei der Messung ist eine Abweichung von ungefähr 0,5°C im Vergleich zur Rektalmessung wahrscheinlich. Schweiß, Seifen- und Deoreste müssen vorher entfernt werden, weil sie das Ergebnis verfälschen. Außerdem ist die Messung nicht bei allen Menschen durchführbar, weil der Arm angelegt werden muss. Ein Nachteil ist außerdem die lange Messdauer. Gerade Kinder können oft nicht so lange ruhig sitzen bleiben.

Rektale Messung

Bei der rektalen Messung wird das Thermometer in eine Schutzhülle gesteckt, die eventuell mit Vaseline gleitfähig gemacht wird. Der Patient wird in Seitenlage mit angewinkelten Beinen gelagert. Unter einer leichten Drehbewegung wird das Thermometer ungefähr 2 - 3 cm eingeführt. Bei Säuglingen reichen 1 - 2 cm. Die Messdauer beträgt ungefähr 3 - 5 Minuten mit einem Maximalthermometer und 1 - 2 Minuten mit einem digitalen Thermometer.

Ein Vorteil der Messung ist die Genauigkeit. Der Messwert ist ungefähr 0,5°C niedriger als die Kerntemperatur. Die Messung ist außerdem gut bei Säuglingen und Kindern anwendbar.

Ein großer Nachteil ist der starke Eingriff in die Intimsphäre des Patienten. Außerdem besteht bei der rektalen Messung die Gefahr der Verschleppung von Darmbakterien. Durch die Schweißnähte der Schutzhülle besteht außerdem Verletzungsgefahr der Darminnenwände. Bei Früh- und Neugeborenen besteht die Gefahr, dass sie sich daran gewöhnen, nur nach Reizung durch rektale Messung abzuführen. Die Messung ist außerdem nach Rektal-OP, bei Analatresie und Hämorrhoiden nicht durchführbar. Die Messung an sich ist auch recht unangenehm für den Patienten.

Sublinguale Messung

Das Thermometer wird an die Wärmepunkte hinten links oder rechts unter die Zunge gelegt. Die Lippen werden während der Messung geschlossen gehalten. Der Patient darf vorher ungefähr 15 Minuten nichts warmes oder kaltes zu sich genommen haben. Mit einem Maximalthermometer dauert die Messung ungefähr 7 - 9 Minuten. Mit einem digitalen Thermometer dauert sie ungefähr 3 Minuten.

Die Messung ist unkompliziert und das Schwamgefühl des Patienten wird beachtet. Sie ermöglicht außerdem die selbständige Durchführung durch den Patienten.

Leider kann die Messung aber nicht bei allen Patienten durchgeführt werden. Da sie voraussetzt, dass der Mund während der Messung geschlossen bleibt, ist sie eher ungeeignet für Kinder und unruhige Patienten, da ein geöffneter Mund das Ergebnis verfälschen würde. Außerdem ist die Messung verboten bei infektiösen Munderkrankungen, Lähmungen im Gesichtsbereich, bei verwirrten Patienten und bei Patienten mit Krampfanfällen. Der Messwert liegt ungefähr 0,3 - 0,5°C unter dem Rektalwert.

Messung im Gehörgang / Tympanale Messung

Für die Messung im Gehörgang wird ein spezielles Infrarot- Ohrthermometer genommen. Das Thermometer wird eingeschaltet und eine schutzkappe wird aufgesetzt. Der Gehörgang muss für einen freien Zugang begradigt werden. Bei Kind wird das Ohr gerade nach hinten gezogen, bei Erwachsenen schräg nach oben. Die Messspitze wird eingeführt und die Messung durch Knopfdruck gestartet. Nach dem Signal wird das Thermometer herausgenommen und der Messwert am Display abgelesen. Die Messung muss immer an demselben Ohr durchgeführt werden. Nach der Messung wird die Schutzkappe verworfen. Die Messdauer beträgt ungefähr 1 - 3 Sekunden. Hörgeräte müssen ungefähr 20 Minuten vorher entnommen werden.

Ein Vorteil der Messung ist die Schnelligkeit. Außerdem ist die Messung sehr genau, wenn keine Verfälschung vorliegt. Für den Patient ist die Messung sehr angenehm.

Das Messergebnis kann schnell verfälscht werden durch Ohrschmalz, langes Liegen auf dem Ohr, Baden oder Schwimmen oder Hörgeräte. Die Thermometer sind relativ teuer

Die Messgeräte

Es gibt viele verschiedene Thermometer.

Für die Messung im Gehörgang nimmt man ein spezielles Ohr-Thermometer nach Infrarotmessprinzip. Bei richtiger Einführung sind diese Thermometer sehr genau.

Das Schnullerthermometer wird bei Säuglingen und Kleinkindern verwendet. Allerdings sind die Messwerte oft sehr ungenau und verfälscht.

Das elektronische Sondenthermometer wird häufig auf Säuglingsstationen verwendet.

Das Maximalthermometer ist das Quecksilberthermometer. Es hat eine relativ genaue Messung, aber die Messdauer ist sehr lang.

Das Thermometer für Frühgeborene ist besonders schmal,um bei den Frühgeborenen die Rektalmessung durchführen zu können.

Das Sublingual ist ein spezielles Thermometer zur Messung unter der Zunge.

Das digitale, elektronische Thermometer hat eine recht kurze Messdauer. Die schmale Spitze macht es einfach, das Thermometer auch rektal einzuführen.

Veränderungen der Körpertemperatur

Hypothermie

Die Hypothermie ist eine Unterkühlung der Körpertemperatur unter 36°C. Die Wärmeabgabe an die Umgebung ist größer als die Wärmeproduktion, z.B. beim Schwimmen in eiskaltem Wasser. Der Mensch gibt zu viel Wärme ab und produziert trotz Bewegung zu wenig Wärme und kühlt dadurch aus.

  • Stadium 1: 36 - 34°C: Der Patient ist bewusstseinsklar, hat Muskelzittern, Schmerzen, Blutdruck und Puls sind erhöht, die Haut ist blass und kalt.
  • Stadium 2: 34 - 30°C: Der Patient wird schläfrig, die Reflexe sind abgeschwächt (Lidreflex, Patella-Sehnen-Reflex, Abwehrreflex bei Schmerzreizung), keine Schmerzempfindung, Blutdruck und Puls sind erniedrigt.
  • Stadium 3: 30 - 27°C: Der Patient ist komatös (nicht erweclbar), keine Reflexe, erweiterte Pupillen, minimale Atmung, Puls nicht tastbar, Herz-Kereislauf-Stillstand
  • Stadium 4: Unter 27°C: Erlöschen aller Körperfunktionen, Tod tritt ein

Die Erfrierung ist eine meist lokal begrenzte Kälteschädigung ohne Absinken der Kerntemperatur. Sie tritt häufig an Nase, Ohren, Fingern und Zehen auf.

Hyperthermie

Die Hyperthermie ist eine Erhöhung der Körpertemperatur ohne Veränderung des Sollwerts im Hypothalamus. Die Ursache ist eine Fehlfunktion der Thermoregulationsmechanismen, z.B. bei einem Marthonlauf in sehr heißen Klimazonen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die Gefäße werden dilatiert, die Schweißproduktion setzt aus und der Körper kann keine Wärme mehr abgeben. Es kommt zum Hitzschlag.

Ein Hitzschlag tritt ein, wenn durch längere Wärmeeinwirkung ein Wärmestau entsteht. Dagegen hilft ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Kleidung an die Temperatur anzupassen. Symptome sind Kopfschmerzen und Übelkeit mit Erbrechen.

Der Sonnenstich ist auch eine Form der Hyperthermie. Er entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung, wodurch die Hirnhaut gereizt wird. Dadurch bekommt der Betroffene Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, einen hochroten, heißen Kopf, Nacksteifigkeit und im Extremfall auch Bewusstlosigkeit. Der Betroffene muss sofort aus der Sonne genommen werden und gekühlt werden. Außerdem soll er in eine Oberkörperhochlagerung gebracht werden und es muss ein Arzt verständigt werden.

Fieber (Febris)

Fieber ist eine Erhöhung der Körpertemperatur durch eine Sollwertverstellung im Hypothalamus. Der Sollwert ist auf ein höheres Niveau verschoben, aber die Regulationsmechanismen sind primär intakt.

Temperaturtabelle für steigende Temperaturen

Normaltemperatur 36,3 - 37,4°C
Erhöhte (subfebrile) Temperatur 37,5 - 38,0°C
Leichtes Fieber 38,1 - 38,5°C
Mäßiges Fieber 38,6 - 39,0°C
Hohes Fieber 39,1 - 39,9°C
Sehr hohes (hyperpyretisches) Fieber 40,0 - 42,0°C
Tod durch Körpereiweiß - Gerinnung über 42,6°C

 

 

 

 

 

 

 

 

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