Pulsmessung

Der Puls kann nicht willentlich beeinflusst werden. Er kann nur an Arterien gemessen werden, die oberflächlich liegen und eine harte Unterlage haben, z.B. Knochen.

Die Mess- / Palpationsstellen können zentral oder peripher liegen.

Zentrale Palpationsstellen sind:

  • A. carotis / Halsschlagader
  • A. subclavia / Schlüsselbeinarterie
  • A. femoralis / Leistenarterie

Periphere Palpationsstellen sind:

  • A. temporalis / Schläfenarterie
  • A. brachialis / Oberarmarterie
  • A. radialis / Speichenarterie
  • A. ulnaris / Ellenarterie
  • A. poplitea / Kniearterie
  • A. tibialis posterior / hintere Schienbeinarterie
  • A. dorsalis pedis / Fußrückenarterie

Normalwerte bei der Pulsmessung:

  • Frühgeborene: 150
  • Neugeborene: 140
  • Säuglinge bis 1 Jahr: 110 - 120
  • Kleinkinder: 100
  • Schulkinder: 85
  • Jugendliche und Erwachsene: 60 - 80

Einflussfaktoren auf die Pulsfrequenz:

  • körperliche Anstrengung
  • psychogene Ursachen (Angst, Stress, Freude)
  • Schlaf
  • ggf. Atmung
  • körperlicher Gesundheitszustand, z.B. des Herzes und der Gefäße
  • Medikamente, z.B. Digitalis, Beta-Blocker
  • Genussmittel, z.B. Kaffee, Nikotin
  • Alter
  • Körpertemperatur, bei Fieber steigt der Puls an, ca. 8-12 Schläge pro 1°C
  • Stoffwechsel
  • Blutdruck

Messtechnik des Pulszählens

Die häufigste Palpationsstelle zum Pulszählen ist die A. radialis. Sie liegt an der Innenseite des Handgelenks auf der Daumenseite. Nach dem Auffinden der Stelle wird mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger gemessen. Der Daumen darf zum Messen nicht benutzt werden, weil er einen Eigenpuls besitzt. Die Arterie darf nicht, aber auch nicht zu stark unterdrückt werden, weil man sonst die Pulswelle unterdrückt. Der Puls muss eindeutig zu fühlen sein, bevor man mit dem Messen beginnt. Zum Pulszählen wird eine Uhr mit Sekundenzeiger benötigt, wahlweise kann auch eine spezielle Puls-Sanduhr verwendet werden. Der Messzeitraum beträgt 15 Sekunden. Das Ergebnis wird mit 4 multipliziert, da die Zahl der Schläge immer in Minuten gemessen wird.

Wenn Auffälligkeiten in der Pulsfrequenz oder im Pulsrhythmus auftreten, ist das Auszählen über eine Minute erforderlich!

Voraussetzungen zur aussagekräftigen Pulsmessung:

  • Bei routinemäßiger Pulskontrolle sollte sich der Patient vorher 15 - 30 Minuten in Ruhe befinden
  • Erneute Messungen sollten, wenn möglich, immer unter gleichen Bedingungen stattfinden, da nur auf diese Weise gültige Werte erhoben werden können.
  • Bei neu augenommenen Patienten sollte immer eine Minute und an beiden Armen gemessen werden, um mögliche Durchblutungsstörungen der Armarterien zu erkennen.

Indikationen zur Pulsmessung:

  • bei Aufnahme
  • vor, während und nach Operationen
  • bei kreislaufbelastenden Tätigkeiten (z.B. vor der Mobilisation, vor dem Gang in die Badewanne)
  • bei bestimmten Medikamenten (z.B. Herzmedikamente wie Beta-Blocker)
  • nach Reanimation

Die Pulsmessung kann beim Säugling/ Neugeborenen/ Frühgeborenen mittels Stethoskop über dem Herzen, mittels EKG oder mit dem Pulsoxymeter erfolgen. Beim EKG wird die rote Elektrode in der Nähe der rechten Mamille aufgeklebt. Die gelbe Eltektrode wird in der Nähe der linken Mamille aufgeklebt. Die grüne Elektrode wird rechts auf den unteren Bauch geklebt. Die EKG-Elektroden müssen mindestens einmal pro Schicht umgeklebt werden, um eine Hautreizung zu vermeiden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Elektroden nicht auf die Mamillen geklebt werden.

Kriterien zur Pulsbeobachtung:

  • Schlagvolumen, Herzkraft und die Elastizität der Herzwände haben Einfluss auf die Pulswelle, die durch die arterien in den gesamten Körper wandert.
  • Die Pulsbeobachtung ist gleichzeitig auch immer eine Beobachtung der Herzfunktion.
  • Zu beurteilen sind Pulsfrequenz (Anzahl der Schläge pro Minute), Pulsrhythmus (Regelmäßigkeit der Schläge), Pulsqualität

Veränderungen der Pulsfrequenz

Tachykardie

Unter einer Tachykardie versteht man eine deutliche Überschreitung der altersgemäßen Normalfrequenz. Bei erwachsenen über 100 Schläge pro Minute / bpm. Bei Kindern ungefähr 20 Schläge über der Normalfrequenz.

Physiologische Ursachen für eine Tachykardie:

  • körperliche Aktivität
  • Aufregung
  • beim Säugling das Trinken
  • im Gebirge (ab 2000 m Höhe wird die Luft dünner)

Pathologische Ursachen für eine Tachykardie:

  • Herzinsuffizienz
  • Schmerzen
  • Fieber
  • Blut- und Flüssigkeitsverlust (Verbrennungen, Durchfall, Erbrechen)
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)

Weitere Ursachen einer Tachykardie:

  • Kaffee
  • Nikotin

 Paroxysmale Tachykardie

Dies ist eine Sonderform der Tachykardie, bei der es zum anfallsweisen Anstieg der Pulsfrequenz kommt. Der Puls steigt dabei über 150 Schläge pro Minute, beim Säugling über 240 bpm. Die Ursache ist nicht genau bekannt. Als Gegenmaßnahme hilft es Eiswasser zu trinken. Durch den Vagusreiz sinkt der Herzschlag.

 Bradykardie

Unter Bradykardie versteht man die Unterschreitung der altersgemäßen Herzfrequenz. Bei Erwachsenen unter 60 bpm, bei Säuglingen jede Unterschreitung der Normalfrequenz.

Physiologische Ursachen für eine Bradykardie:

  • Schlaf
  • Sportler
  • reduzierte Stoffwechsellage (Hungern)

Pathologische Ursachen für eine Bradykardie:

  • Bewusstlosigkeit, Koma
  • erhöhter Hirndruck
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
  • Elektrolytentgleisung (zu wenig Na+, K+)
  • bei Frühgeborenen im Zusammenhang mit eine Apnoe

Weitere Ursachen einer Bradykardie:

  • Vagusreizung beim Absaugen oder Sonde legen (der Nervus Vagus beeinflusst die Häufigkeit und Kraft des Herzschlages, bei Reizung sinkt der Herzschlag)
  • Überdosierung von Digitalis
  • Nebenwirkung von Schlaf- und Bruhigungsmitteln

Peripheres Pulsdefizit

Das periphere Pulsdefizit ist eine vorgetäuschte Bradykardie. Es besteht ein Unterschied zwischen der tatsächlichen Herzfrequenz und der an einer peripheren Arterie wahrnehmbaren Pulswelle.

Feststellen eines peripheren Pulsdefizits:

  • zwei Pflegekräfte messen gleichzeitig am Herz und an der A. radialis eine Minute lang

Relative Bradykardie

Die relative Bradykardie ist ein Missverhältnis der Pulsfrequenz bei Fieber. Der Puls müsste eigentlich durch das Fieber leicht ansteigen, aber macht das nicht.

Veränderungen im Pulsrhythmus

Bei der Extrasystolischen Arrhythmie treten Extraschläge außerhalb des noralen Herzrhythmus auf, z.B. bei übermäßigem Rauchen.

Der Bigeminus wird auch Zwillingspuls genannt. Dabei tritt nach jedem Herzschlag ein Nachschlag auf, der nicht unbedingt zu fühlen ist, aber auf dem EKG gesehen werden kann.

Die Absolute Arrhythmie ist eine völlig unregelmäßige, meist viel zu schnelle Schlagfolge.

Die Bradykarde Herzrhythmusstörung ist eine Blockierung der Reizweiterleitung am AV-Knoten. Ab dem dritten Grad ist ein Herzschrittmacher notwendig.

Zu der Tachykarden Herzrhythmusstörung zählt z.B. das Kammerflimmern.

Veränderungen der Pulsqualität

Die spannung oder "Härte" des Pulses ist abhängig von dem Druck bzw. der Intensität der Kontraktion der Herzkammern. Das Schlagvolumen sowie die zirkulierende Blutmenge beeinflussen den Füllungszustand der Arterien und somit der palpierbaren (fühlbaren) Pulswelle.

Ein harter Puls (Pulsus durus) ist schwer oder gar nicht unterdrückbar. Die Gefäße sind normal gefüllt. Die Ursachen sind Hypertonie und erhöhter Hirndruck.

Ein Druckpuls (Vaguspuls) ist hart und verlangsamt. Die Gefäße sind vollständig gefüllt. Die Ursache ist ein Vagusreiz, meist infolge von Hirndruckerhöhung.

Ein weicher Puls (Pulsus mollis) ist sehr leicht unterdrückbar. Die Gefäße sind normal gefüllt. Ursachen sind Hypotonie und Herzinsuffizienz.

Ein fadenförmiger Puls (Pulsus filiformis) ist klein, weich, schnell und kaum tastbar. Ursachen sind Kollaps- und Schockzustände, z.B. bei hohen Blutverlusten.

Ein Drahtpuls ist ein harter Puls. Meist steigt in Verbindung mit ihm auch der systolische und diastolische Blutdruck. Ursache ist die sogenannte Schwangerschaftseklampsie (Krampfleiden während der Schwangerschaft). sie kann mit und ohne Bewusstlosigkeit auftreten.

 

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